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Tino Hanekamp
Autor

Tino Hanekamp war Journalist und Musikjournalist, hat in Hamburg zwei Musikclubs gegründet (‚Weltbühne‘, 'Uebel & Gefährlich’), einen Roman geschrieben (‚So was von da‘) und lebt als Autor und Übersetzer im Süden Mexikos.

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piqer: Tino Hanekamp
Mittwoch, 30.01.2019

'Microdosing' mit LSD und Pilzen – neue Möglichkeiten des Drogenkonsums

Letztens die Netflix-Doku 'Take Your Pills' über den (nicht nur) in den USA grassierenden Konsum von performance enhancern aka leistungssteigernden Mitteln (Adderall, Ritalin) gesehen und dabei auf eine interessante Form des Drogenkonsums gestoßen: Microdosing meint die Einnahme von Kleinstmengen an bewusstseinserweiternden Drogen wie LSD und psychedelischen Pilzen, um Kreativität, Konzentration, Produktivität und Lebenslust zu steigern. Man nimmt weniger als ein Zehntel der üblichen Menge, darf nicht high werden, nichts spüren, der Effekt tritt quasi unbemerkt ein; im Silicon Valley macht Microdosing gerade die Runde. Man kann das nun als eine lediglich cleverere Form der Aufputschung einer immer leistungs- und wettbewerbsorientierteren Turbokapitalismusgesellschaft abtun, einigen Menschen hat Microdosing jedoch sogar gegen Depressionen geholfen, hier und hier Fallbeispiele, und generell ist die Wirkung von LSD und psychoaktiven Substanzen so gut wie unerforscht. Die Welt nimmt Upper und Downer, doch alles, was die Wahrnehmung weitet, anstatt sie zu betäuben, ist so gut wie vom Markt verschwunden. “Since I first learned about LSD in 1966, before it was made illegal, I became aware of its great potential value for health and cognitive enhancement”, sagt Amanda Feilding von der Beckley Foundation, die im Herbst vergangen Jahres die erste Studie zum Microdosing gestartet hat. Sie sieht geringe Dosen der Drogen “almost as a psycho-vitamin … I think it could give a boost to vitality, an improvement in mood possibly.” The Guardian schrieb 2017:

„Magic mushrooms may effectively 'reset' the activity of key brain circuits known to play a role in depression, the latest study to highlight the therapeutic benefits of psychedelics suggests. Psychedelics have shown promising results in the treatment of depression and addictions in a number of clinical trials over the last decade.“

Das ist so ungefähr der ganze Wissensstand …

'Microdosing' mit LSD und Pilzen – neue Möglichkeiten des Drogenkonsums
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Kommentare 6
  1. Frederik Fischer
    Frederik Fischer · Erstellt vor 6 Monaten ·

    Sehr spannender Beitrag und immer wieder verblüffend, wie wenig Forschung es zu der Wirkung von Drogen gibt (selbst Marihuana ist kaum valide erforscht). Als neuen Trend würde ich Microdosing inzwischen aber nicht mehr sehen. Auf piqd berichten wir darüber seit 2015. Hier sind alle piqs zum Thema (mit u.a. Microdosing-Online-Kurs, LSD-Tees und Erfahrungsberichten)
    https://www.piqd.de/se...

    1. Tino Hanekamp
      Tino Hanekamp · Erstellt vor 6 Monaten ·

      Ups ...

  2. Emran Feroz
    Emran Feroz · Erstellt vor 6 Monaten ·

    "Microdosing" klingt meiner Meinung nach schon auch ein wenig verharmlosend. Der Schritt zum "normalen" Gebrauch bis hin zur Sucht ist meiner Meinung nach kein großer. Natürlich ist das Argument, dass ein solch minimaler Drogenkonsum die Kreativität fordert, ein guter Vorwand. Diese Idee stammt natürlich nicht aus dem Silicon Valley. Die Gemälde von einigen bekannten Künstlern der letzten Jahrhunderte reichen gewiss aus, um dies zu bestätigen.

    1. Tino Hanekamp
      Tino Hanekamp · Erstellt vor 6 Monaten ·

      Na den Menschen will ich sehen, der von LSD oder Pilzen abhängig wird. Und dass die Idee des Microdosing aus dem Silicon Valley kommt, hat ja auch niemand gesagt, sie stammt aber mit ziemlicher Sicherheit auch nicht von Hieronymus Bosch oder van Gogh oder so, zumindest eher unwahrscheinlich, dass die sich damals Kleinstmengen an Stechapfel oder Absinth verabreicht haben, weil sie ihre Hirnstruktur verändern wollten, ohne Rauschgefühle zu entwickeln.

    2. Tino Hanekamp
      Tino Hanekamp · Erstellt vor 6 Monaten ·

      Hier noch ein äußerst aufschlussreiches Interview vom Thema LSD und psilocybinhaltigen Drogen, Abhängigkeit und Wirkung und die Gründe für ihr Verbot, Auszug:

      Welche Risiken hat der LSD-Konsum?
      Soweit ich das beurteilen kann, wurde LSD damals aufgrund von politischen und kulturellen Kontextaspekten verboten. Die kulturellen Gegenbewegungen wie beispielsweise die Hippie-Bewegung waren damals eine Bedrohung für gewisse politische Ziele. Deswegen hatten die Regierungen, vor allem in den USA, ein großes Interesse daran, diese Bewegungen zu unterbinden.

      Das reicht aber noch nicht für ein Verbot.
      Natürlich musste man als Begründung für das Verbot auch gesundheitliche Gründe ins Feld führen. Aufgrund einer Arbeit des Londoner Psychiaters David Nutt wissen wir heute aber, dass die gefährlichste Droge der Alkohol ist. Das Gleiche bestätigt Ihnen auch jedes Krankenhaus. Interessanterweise waren Halluzinogene, zu denen LSD, psychedelische Pilze sowie teilweise MDMA gehören, zuhinterst in der Risikoeinschätzung. Das sind erstaunlich sichere Substanzen. Obwohl viele Regierungsgelder in die Untersuchung der Gefahren von LSD und MDMA flossen, gelang es schlussendlich nie, die konkrete Bedrohung dieser Substanzen nachzuweisen.

      Hat der Konsum von Halluzinogenen denn Langzeitwirkungen?
      Ja, es gibt eine. Es gab eine Studie eines Psychiaters in den USA, der Patienten mit Psilocybin—einer Substanz mit einer ähnlichen Wirkung wie LSD—behandelte. Ein Jahr nach der Studie konnte er zeigen, dass seine Patienten sich offener gegenüber anderen Haltungen politischer Art gezeigt haben. Es gibt aber keinen Bezug zu psychischen Krankheiten wie Schizophrenie oder Ähnlichem.
      Natürlich gibt es Fälle, die eine Drogenpsychose zur Folge hatten. Ist eine Person psychisch labil oder hat sie eine Veranlagung für psychische Krankheiten, kann das eine Psychose bei Konsum natürlich begünstigen. Ohne Veranlagungen kann der Konsum von Halluzinogenen aber keine psychische Erkrankung auslösen.

      https://www.vice.com/d...

    3. Claudia Klinger
      Claudia Klinger · Erstellt vor 6 Monaten ·

      Vom LSD kann man nicht süchtig werden!

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