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Mehr (Ost-)Deutsche Geschichte in die Medien & Wahlprogramme?

Maximilian Rosch
Redakteur und Community-Manager bei piqd

Seit März 2017 für piqd in Berlin und Leipzig.

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Maximilian RoschSamstag, 25.09.2021

Die Initiative Wir sind der Osten teilte vor wenigen Tagen eine Infografik mit der Darstellung, wie häufig die großen Parteien "Ostdeutschland" in ihren Wahlprogrammen erwähnen.

Während der Begriff "Ostdeutschland" bei Die Linke 16 Mal vorkommt, erwähnen ihn SPD, FDP und AFD gar nicht. Die Linke und die CDU hanen [sic!] eigene Ost-Kapitel, die FDP vermeidet die Hervorhebung bewusst.

So ähnlich fühlt es sich in der Wahlberichterstattung an, wenn man nicht gerade bei der ZEIT im Osten schaut. (Beweist mir das Gegenteil gern in den Kommentaren.)

Nach dem Wahlwochenende wird dann vermutlich wieder fragend, verständnislos oder verzweifelt auf die Wahlergebnisse im Osten Deutschlands geblickt. Denn auch im dritten Jahrzehnt nach der deutschen Einheit fehlt es oft an einem gegenseitigen und sowieso an einem gemeinsamen Verständnis.

Dieses Verständnis kann meiner Meinung nach durch das Erzählen der Geschichte und (persönlicher) Geschichten vergrößert werden. Eine solche Erzählung habe ich kürzlich durch Zufall in meinem Beitragsarchiv in der DLF-Audioapp wiederentdeckt. Sie wurde bereits vor einem Jahr gesendet. Meinem Empfinden nach bildet sie die Komplexität eines Teils der ost- und gesamtdeutschen Geschichte sehr gelungen ab, stellt die richtigen Fragen und liefert gute Antworten.

Das Isolatorenwerk Margarethenhütte Großdubrau – international konkurrenzfähig, nach der Wende trotzdem verscherbelt und dichtgemacht. Die Geschichte wurde zum Symbol für die willkürliche Deindustrialisierung des Ostens, die Geringschätzung der Ostdeutschen, das Versagen der Treuhand. Nur: die Geschichte stimmt so nicht.

In der Beitragsbeschreibung des DLF heißt es weiterhin:

Die Menschen in Großdubrau gründeten einen Verein – zuerst in der Hoffnung, ihre Fabrik zu retten, später um zu bewahren, was nach der Abwicklung davon übrig war. Sie bauten ein Museum auf, das an Schinderei, Alltag und das manchmal komische Heldentum der Planerfüllung erinnert. 30 Jahre nach der Schließung versuchen sie, ihre stummen Kollegen zum Reden zu bringen, zum Erinnern, zum Erzählen, denn sie wissen: Ohne Geschichten ist die Geschichte weg, und das Leben, als wäre es nie gewesen.

Holger Siemann erzählt auf den ersten Blick eine mehr oder weniger typische Wende- bzw. Wiedervereinigungsgeschichte. Er stellt dabei drei ehemalige MitarbeiterInnen des Isolatorenwerks vor: Karin Fleischer, Leo Jünger und Regina Bernstein. Sie alle haben am Aufbau des Museums mitgearbeitet. Siemann lässt sie anhand ihrer Lebenswege ihre Perspektiven auf die Deutsche Einheit und die Abwicklung ihres Betriebes erzählen. Es geht um besondere Herausforderungen, Disziplin, Hartnäckigkeit und mehrere Neuanfänge.

Um die Abwicklung des Isolatorenwerks gibt es einige Kontroversen. Treuhand-Manager Detflef Scheunert, der einzige Ostdeutsche in solcher Position in der Treuhandanstalt, ordnet die Geschehnisse aus seiner Sicht ein. So entsteht langsam ein vollständigeres Bild, das Zusammenhänge erahnen und verstehen lässt. Weitere Stimmen werden einbezogen, neben Petra Köpping, der sächsischen SPD-Politikerin und Ministerin für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, auch Richard Schröder, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats zur Aufarbeitung der Treuhandgeschichte.

Für mich gab es einige Schlüsselstellen im Beitrag, von denen ich zwei hervorheben möchte. (Hier ist übrigens auch ein komplettes Skript zur Sendung verfügbar.)

Es gibt sie, die ehemaligen Margarethenhüttler, die um die Ecke wohnen und noch nie im Museum waren. Sie haben das Erzählen nicht gelernt und bleiben stumm in ihrem Schmerz, nicht gebraucht zu werden und nicht dazuzugehören in dieser immer noch sehr westdeutschen Bundesrepublik.

Auch in Bezug darauf sagt Karin Fleischer, mitbeteiligt am Aufbau des Museums:

Ich habe bloß den Eindruck, ja, so langsam tauen die Menschen in Großdubrau auch auf. Es kommt jetzt öfter mal jemand, der hier gearbeitet hat, kommt mal nachgucken. Wahrscheinlich auch über die Schüler in der Schule, also über die Enkelkinder. Denn in jeder fünften Klasse wird am Anfang hier ein Rundgang im Museum gemacht.

Ein weiterer Hörtipp: Die Journalistin Valerie Schönian sprach vor Kurzem im Podcast "Hinter den Zeilen" auch über die Rolle "des Ostens" in der Berichterstattung deutscher Medien. Schönian setzt sich seit einigen Jahren mit dem – wie sie es passend bezeichnet – "Ostbewusstsein" auseinander. Diesen Titel trägt auch ihr 2020 veröffentlichtes Buch (yourbook).

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