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"In Therapie" – eine tolle arte-Serie

Michael Hirsch
Philosoph und Politikwissenschaftler, freier Autor und Dozent
Zum piqer-Profil
Michael HirschSamstag, 27.02.2021

Die seit Kurzem auf arte verfügbare Serie In Therapie ist eine französische Adaption der israelischen Serie BeTipul (In Behandlung). Es gibt auch eine amerikanische Adaption (In Treatment). Die Serie wurde von den beiden in Frankreich sehr bekannten und populären Filmregisseuren (u. a. Ziemlich beste Freunde) Eric Toledano und Olivier Nakache gemacht. Die Handlung spielt in Paris Ende 2015, unmittelbar nach den Anschlägen auf den Club Bataclan.

Fast alle der knapp 30-minütigen Episoden spielen im Behandlungszimmer des Psychoanalytikers. Ich habe mich nicht an die Handlungsanweisung der Regisseure gehalten, die empfehlen, sich jeweils immer nur eine Episode anzuschauen, um gleichsam wie in der Wirklichkeit nur eine psychoanalytische Sitzung zu erleben. Zu faszinierend sind der Hauptprotagonist, seine fünf Patienten und seine Supervisorin, zu sehr entwickeln die einzelnen Folgen (wie in allen gut gemachten Serien) einen Sog.

Im Mittelpunkt steht ästhetisch das Behandlungszimmer und dort die Couch. Der mythische Ort der Psychoanalyse und das intime Zweiergespräch zwischen Analytiker und Analysant. Der Rhythmus wird durch die wöchentliche Frequenz der Analysestunden festgelegt, immer am selben Tag und zur selben Stunde. Bezahlt wird in Cash am Ende der Sitzung, je nach Einkommenssituation der Patienten.

Inhaltlich steht natürlich die Figur des Analytikers, Philippe Dayan, im Mittelpunkt. Eine faszinierende Gestalt, die zwischen der kalten, beherrschten und rationalen Position des allwissenden Analytikers und dem Menschen und Mann oszilliert, dem vor allem bei der Behandlung einer Patientin die klassische sexuelle Problematik von Übertragung und Gegenübertragung ziemlich um die Ohren fliegt. Auch für Nicht-Fachleute interessant sind die Versatzstücke psychoanalytischen Wissens, die teilweise in etwas intellektuell verquaster Weise vom Analytiker ins Spiel gebracht, teilweise ihm von den Patienten in scherzhafter und provokativer Weise um die Ohren gehauen werden.

Besonders stark sind die Dialoge zwischen dem Analytiker und seiner Supervisorin, die ihn in Bedrängnis bringt und ziemlich cool um seine Illusionen der Kontrolle bringt. Und die Auseinandersetzung mit dem Polizisten einer Eliteeinheit, der in der Nacht des Anschlags auf das Bataclan dabei war. In dieser Figur verdichten sich so verschiedene Problemkomplexe wie Immigration, Männlichkeit, Sexualität, Partnerschaft, Kindheitstraumata, Klasse usw. Faszinierend zu sehen, wie sich diese Figur in der Therapie immer mehr öffnet und immer komplexer wird.

Insgesamt ist diese Serie sowohl sehr unterhaltsam als auch sehr lehrreich – ein Idealfall intellektuell ambitionierter Populärkultur. Und vielleicht kann sie ja auch aufzeigen, wie sehr Psychoanalyse und Psychotherapie eine fast ideale Sprechsituation bilden. Und wie sehr wir davon vielleicht gerade in Zeiten der Kontaktbeschränkungen der Pandemie lernen könnten, um die Ur-Situation des Dialogs zu kultivieren und uns sowohl intellektuell wie seelisch zu bereichern.

"In Therapie" – eine tolle arte-Serie

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Kommentare 1
  1. Maximilian Rosch
    Maximilian Rosch · vor einem Monat

    Exzellente Serie! Danke für den Tipp. Falls du mehr Serien der Kategorie "Insgesamt ist diese Serie sowohl sehr unterhaltsam als auch sehr lehrreich – ein Idealfall intellektuell ambitionierter Populärkultur" empfehlen kannst, freue ich mich auf weitere piqs :)

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