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Fundstücke

„Ich könnte eigentlich jedem einen Stuhl über den Kopf ziehen"

Susanne Franzmeyer
Piqer für Radio Features
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Susanne FranzmeyerDienstag, 31.08.2021

Das Feature „Kevin – eine Jugend am Rand der Großstadt“ von Massimo Maio begleitet einen Berliner Jugendlichen, der in der Schule aneckt, Klassenarbeiten verhaut, einen Motorroller klaut und Stühle oder Tische schmeißt, wenn ihn jemand nervt. Auf Klassenfahrt darf er nicht mit. Ein zu großes Risiko, sagen die Lehrer.

„Ich könnte eigentlich jedem, JEDEM einen Stuhl über den Kopf ziehen…“

Kevin ist die meiste Zeit selbst zu hören, im Originalton, über eine so lange Zeit hinweg, dass die Hörerschaft seinen Stimmbruch miterlebt. Das Erstaunliche: Bei allen Schwierigkeiten mit seinen Mitmenschen und trotz des offenkundigen Gewaltpotenzials, wirkt er doch sympathisch und nahbar, zeigt Mitleid mit Menschen, denen es schlechter geht als ihm, und macht sich Gedanken um eine gerechtere Welt. Außerdem erweist er sich als äußerst talentiert im Umgang mit Sprache und improvisiert einen Freestyle-Rap nach dem anderen:

„ ‘Kopf ausgeschaltet. Denke. Fang mit einem Satz an. Und mit einem Mal wird es ein ganzer Rap. Völlig idiotisch.‘

– ‚Nein, das ist überhaupt gar nicht idiotisch!‘ –

‚Wenn ich irgendwas für nen Test machen soll, vergesse ich immer fast alles. Und wenn ich irgendwas jetzt im Kopf hab wie:

(rappt) Ich gucke auf die Uhr, es ist jetzt drei nach zehn.
Ich frag mich wie lang ich geschlafen hab und ferngeseh’n

– alles nur aus meinem Kopf!‘ “

Immer wieder wechselt er die Schule, die Probleme scheinen nicht abzureißen. Umso schöner ist es dann aber, im Laufe des Features zu erleben, wie Kevin seinen Weg zurück in die Spur findet. Plötzlich taucht sein Vater wieder auf, seine leiblichen Eltern werden heiraten. Und bei Kevin scheint sich einiges zu sortieren. Mit einem Mal strengt er sich richtig an. Er schreibt Einsen und Zweien.

„Im Biologietest war ich der einzige von meiner Klasse, der ne Zwei geschrieben hat. (…) Danach mach ich noch Abi. Ich will besser sein als meine Geschwister.“

Am Ende bleibt auch die Hörerschaft hoffnungsvoll zurück. Der hier geht nicht verloren, der schafft es. Kevin spielt inzwischen in einer Fußballmannschaft zusammen mit geistig und körperlich Behinderten und hat sich Gedanken um eine Ausbildung gemacht, die zu ihm passt. Der Junge, der sich seine Zukunft einst als Besitzer einer "Villa mit 37 Zimmern und Riesen-3D-Fernseher" ausmalte, ist zurück auf dem Boden gelandet und hat einen Weg zu sich gefunden.

„Ich habe viele Fehler begangen, die ich vielleicht später bereuen werde. (…) Die anderen Kinder sollen es nicht so machen wie ich.“

Massimo Maio hat hier nicht nur ein Händchen im Umgang mit diesem Jugendlichen gefunden, dem er auf Augenhöhe begegnet, dessen Handlungen und verbale Provokationen er nicht bewertet, und dem er im Feature eine Stimme gibt. Er zeigt hier auch sein Können in Sachen Sounddesign, wenn er Kevins dahingerappte Improvisationen im Nachgang musikalisch einbettet und zu tollen Musikcollagen verarbeitet.

Die Produktion aus dem Jahr 2016 wurde gerade bei Deutschlandfunk Kultur wiederholt und ist noch online nachzuhören.

„Ich könnte eigentlich jedem einen Stuhl über den Kopf ziehen"

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