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J. Olaf Kleist
Politikwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Flüchtlingsforschung
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piqer: J. Olaf Kleist

Der Rechtsdrall der Intellektuellen

Intellektuelle in Deutschland waren seit dem Zweiten Weltkrieg – bei vielen Differenzen – überwiegend eine progressive Kraft, die immer wieder vor dem Rückfall in völkisches Denken gewarnt und sich für liberale und weltoffene Ideen eingesetzt haben. Doch die Einlassungen in der aktuellen Flüchtlingsdebatte einiger Intellektueller, die selber oft für aufklärerische Positionen standen, scheinen nun eher dem Kulturpessimismus verschrieben zu sein und der AFD das Wort zu sprechen. Sehen wir hier eine Wende in der politischen Kultur Deutschlands? Oder ist es vielleicht auch einfach kein Zufall, dass diese Intellektuellen weitgehend alte, weiße Männer sind? Entweder es stimmt gerade etwas nicht mit unserem moralischen Kompass oder damit, wie wir Intellektuelle aussuchen, denen zuzuhören lohnenswert scheint, – oder beides. 

Der Rechtsdrall der Intellektuellen

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Kommentare 7
  1. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 10 Monaten

    Meines Erachtens ist diese Beobachtung Teil des Problems. Intellektuelle müssen angesichts der vielfältigen Krisen Stellung beziehen. Viele Medienbeiträge fand ich zu tatsächlichen und vermeintlichen rechten Positionen. Das sich auch linke Stimmen regen - ich postete im Kanal "Flucht und Vertreibung" einen Beitrag zu rechten Statements und eine linke Reaktion - erscheint in der gegenwärtigen "Debatte" nicht. Es wird über Rechts, über das Geschlecht und das Alter gequatscht. Als ob nicht in allen bisherigen großen Umbrüchen, die Ideen von erfahrenen, also älteren Menschen kamen, aber die Aktivisten meistens jung waren.

  2. Georg Wallwitz
    Georg Wallwitz · vor 10 Monaten

    Zeigt das nicht nur, dass Intellektuelle nicht besser zu politischen Kommentaren qualifiziert sind als andere? Das war doch auch schon so, als sie noch Links waren. Intellektuelle greifen sich Prinzipien, von denen aus sie dann die Welt erklären. Ohne die Frage nach der Machbarkeit, Moral und Weitsicht ihrer Positionen zu stellen.
    In der Politik sind Intellektuelle oft ganz einfache Leute, die es nur nicht wahr haben wollen, dass sie es sind. Darum machen sie den Fehler, sich zu äußern, anstatt den alten Spruch zu beherzigen: Si tacuisses ...

    1. J. Olaf Kleist
      J. Olaf Kleist · vor 10 Monaten

      Das würde die Rolle der Intellektuellen im gesellschaftlichen Leben gänzlich in Frage stellen. Das würde ich nicht wollen. Es ist durchaus ein Zeichen von Zivilisation, dass sich Menschen ethischen und philosophischen Auseinandersetzungen widmen können und von solch einer Position in politische Debatten eingreifen. Sie sind - zum Glück - nicht Platons 'Philosophen Könige' aber leisten auf Grundlage ihrer Bildung eben doch einen aufklärerischen Beitrag, die Gesellschaft zu verbessern. Es kommt vielleicht letztlich darauf an, ob wir denken, dass die Geisteswissenschaften einen wichtigen Beitrag leisten können - und ich bin davon überzeugt. Wenn aber Intellektuell zu nahe an der Macht sind ('Königsphilosophen') dann können sie die Herausforderungen der Gegenwart nicht mehr erkennen und verfallen auf den Status Quo. So werden einst aufklärische Intellektuell zu Kulturpessimisten - und neue Intellektuelle sind gefordert, gerade aus Kreisen von Marginalisierten.

    2. Georg Wallwitz
      Georg Wallwitz · vor 10 Monaten

      @J. Olaf Kleist Ich fürchte, es ist nicht nur die Nähe zur Macht. Diese korrumpiert natürlich, keine Frage. Aber wie erklärt man es, dass Vorzeige-Intellektuelle wie Einstein und Sartre Stalins Schauprozesse bis zuletzt rechtfertigen konnten? Beides tolle Leute, ohne die die Welt ein gutes Stück ärmer wäre - aber in ihrer politischen Urteilskraft eben wohl doch nur Sterbliche. In der Rückschau halten wir uns lieber an Thomas Mann, aber es waren eben nicht alle Thomas Mann.
      Ich will ja nicht sagen, dass es sich ausschließt, Intellektueller zu sein und gleichzeitig politischer Kopf. Aber es ist weder eine notwendige noch eine hinreichende Voraussetzung, dicke Bücher gelesen und geschrieben zu haben, um die politische Einsicht zu schärfen.
      Und was den aufklärerischen Beitrag angeht, die Gesellschaft zu verbessern ... Horkheimer und Adorno (die hervorragende politische Intellektuelle waren) hatten da so ihre Zweifel ...

    3. J. Olaf Kleist
      J. Olaf Kleist · vor 10 Monaten

      @Georg Wallwitz Adorno und Horkheimer hatten durchaus berechtigte Zweifel, haben die Aufklärung deshalb aber nie aufgegeben - und haben sich selbst oft genug in die politischen Debatten ihrer Zeit eingebracht. Und ungerne würde ich die Politik ganz den Politikern überlassen, oder, um auf Platon zurückzukommen, dem oi polloi. Und gerade bei Sartre ist es doch so, dass er eben aus einer privilegierte Position kam und sprach - wohingegen sein algerischer Mitstreiter Camus, der Fremde, auch den Gulags viel kritischer gegenüberstand. Uns Nachgeborenen mag es nun eh leichter fallen, über frühere Intellektuelle zu urteilen, und Intellektuelle haben selbstverständich keinen Wahrheitsanspruch (auch wenn sie das selber behaupten mögen) - sie tragen aber eine wichtige Perspektive zur politischen Debatte bei, die Politiker im Malstrom der Macht nicht aufbringen können. Gefährlich wird es dann, wenn Intellektuelle dem Malstrom zu nahe kommen (oder kommen wollen). Das demokratische Potential liegt wohl im Spannungsfeld von Intellektualität und Politik - und das scheint gerade verloren zu gehen, wenn wir nicht (auch) neuen Intellektuellen zuhören.

    4. Georg Wallwitz
      Georg Wallwitz · vor 10 Monaten

      @J. Olaf Kleist Darauf können wir uns einigen (solange nicht gemeint ist, dass Menschen mit bürgerlichem Hintergrund (wie Sartre) grundsätzlich politisch einen an der Waffel haben)!

    5. J. Olaf Kleist
      J. Olaf Kleist · vor 10 Monaten

      @Georg Wallwitz Einverstanden!

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