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Das Haus gehört uns! – Nicht der Kapitalgesellschaft

Charly Kowalczyk
journalist
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Charly KowalczykSonntag, 26.06.2022
1972, Ton, Steine, Scherben:

Doch die Leute im besetzen Haus riefen: „Ihr kriegt uns hier nicht raus! / Das ist unser Haus, schmeißt doch endlich /Schmidt und Press und Mosch aus Kreuzberg raus.“

Mutige, engagierte Mieter/innen, die um ihre Wohnung oder um einen Treffpunkt kämpfen, gibt es Gott sei Dank 50 Jahre später immer noch. Erschütternd müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass seit 1991 in Berlin über 300.000 Mietwohnungen in Eigentum umgewandelt wurden. Und es hört nicht auf, schreitet voran, Mietpreise steigen ins Unermessliche. Ein Kiez ohne ursprüngliche Bewohner/innen – eine wahrlich fürchterliche Vorstellung.

Das Deutschlandfunk-Kultur-Radiofeature beginnt so: Berlin, Schönhauser Allee 69, ein Brief kommt an:

"Also es kommt eine Modernisierungsankündigung, was an dem Haus gemacht werden muss, soll. Manches davon stimmt, aber vieles hat mit Luxusmodernisierung zu tun. Balkone, Fahrstühle und eine neue Haustür für 33.000 Euro. Wir haben eine Haustür. Wir haben eine Gründerzeithaustür. Es ist ein altes Gründerzeithaus und ich soll für diese ganzen Maßnahmen dann künftig pro Monat über 1.000 Euro zusätzlich zu meiner Miete zahlen..."

300 Meter weiter, die Schönhauser Allee 135 und 135a. Auch hier kommt am 18. Mai 2021 ein Brief an.

Beim Bezirksamt wurde beantragt, dem Verkauf des oben genannten Grundstücks zuzustimmen.

Die internationale Kapitalgesellschaft BlueRock Group AG kauft das Haus. Will Kohle machen, wie viele internationale Kapitalgesellschaften, die auf dem Wohnungsmarkt agieren. Viele Mieterinnen und Mieter leben hier schon seit Jahrzehnten. Ihr Haus liegt in einem Milieuschutzgebiet, deshalb prüft der Bezirk innerhalb von zwei Monaten, ob sie von Verdrängung bedroht sind. Die Zeit läuft. Der Autor dokumentiert von Anfang an. So erlebt man als Hörer/in im Nachhinein die Dynamik mit. Das macht das Feature so hörenswert. Man ist akustisch dabei, wie sich 38 Mietparteien zu wehren beginnen und auch wie ihr Widerstand aussieht. Denn eins ist ihnen klar: sie wollen ihr Zuhause nicht verlieren. Eigentlich sind sie in einer fast aussichtslosen Lage. Denn sie müssen in kurzer Zeit fast eine Million Euro an Eigenmitteln aufbringen.

Internationale Kapitalgesellschaften schlagen seit Jahren auf dem Wohnungsmarkt zu. Ein unerträglicher Zustand. Die Kieze verlieren ihr Leben. Das gilt es zu verhindern. Das Feature endet mit einem seltenen Happy-end. So kann man sich mitfreuen, dass die Mieter/innen jetzt in ihrem Haus bleiben können und andererseits ist es auch Ansporn für andere, denen Ähnliches droht. Nach dem Motto: Das ist unser Haus. Widerstand lohnt sich! Max aus der Schönhauser Allee freut sich riesig nach dem Erfolg:

"Diese Dynamik, die es bekommen hat, die war richtig geil. Und wir haben einfach mal den Erfolg erzwungen, in der Kürze der Zeit, in der Verteilung der Rollen innerhalb dieses ganzen Komplexes hat jeder verdammt noch mal seine Rolle gefunden. Das war nötig. Wir haben es einfach mal gerockt."

Das Haus gehört uns! – Nicht der Kapitalgesellschaft

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Kommentare 2
  1. Charly Kowalczyk
    Charly Kowalczyk · vor 2 Monaten

    Kurz noch was Grundlegendes: Das Haus in der Schönhauser Allee 135 liegt im Milieuschutzgebiet. Hier gelten besondere Bedingungen beim Verkauf von Häusern. Denn das Ziel des Milieuschutzes ist, soziale Verdrängung zu verhindern. Deshalb muss ein Verkauf im Milieuschutzgebiet immer beim Bezirk angezeigt werden.

    Der kann dann ein Vorkaufsrecht geltend machen und stellvertretend eine Genossenschaft oder eine städtische Wohnungsbaugesellschaft als Käuferin einsetzen. Genau das wollten die Mieter/innen erreichen. Sie haben sich gewünscht, dass die "Genossenschaft Bremer Höhe" ihr Haus kauft (die dafür einen Eigenanteil brauchte) – und das ist auch geschehen. Insofern sind die 38 Mietparteien jetzt Teil der Genossenschaft Bremer Höhe.

  2. Thomas Wahl
    Thomas Wahl · vor 2 Monaten

    Und wem gehört das Haus jetzt? Den Mietern - einfach so?

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