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Fundstücke

Das Christentum als Quelle des Antisemitismus

Jürgen Klute
Theologe, Publizist und Politiker
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Jürgen KluteDonnerstag, 27.05.2021

Nach dem erneuten Aufflammen bewaffneter Konfrontationen zwischen der Hamas und der israelischen Armee kam es zu einer Reihe von Demonstrationen in Deutschland: teils pro-israelisch, teils pro-palästinensisch. Wie schon in der Vergangenheit kam es dabei auch zu antisemitischen Äußerungen. Zu Recht sind diese antisemitischen Äußerungen scharf kritisiert und zurückgewiesen worden. Es irritiert aber, mit welcher Argumentation vor allem die CDU Antisemitismus zurückweist. So berichtete DER SPIEGEL am 17. Mai 2021, dass CDU-Chef und CDU-Kanzlerinnenkandidat Armin Laschet von „eingewandertem Antisemitismus“ sprach (was er später relativierte). Und sein Generalsekretär Paul Ziemiak wusste laut diesem SPIEGEL-Artikel noch beizutragen, dass es drei Quellen für Antisemitismus gäbe: „Rechtsextremismus, Linksextremismus und Zuwanderung“. (Offensichtlich ist Zuwanderung nun eine neue Form von Extremismus.)

Für eine Partei, die sich christlich nennt, ist das eine beachtenswerte intellektuelle Minderleistung. Bereits am 22. Mai 2021 hatte Autorin Sineb El Masrar in einem Interview mit Marc Röhlig im SPIEGEL (leider auch ein Bezahlartikel) argumentativ gut dargelegt, dass Deutschland das Heimatland des Antisemitismus ist, aus dem heraus sich diese menschenverachtende und tödliche Ideologie über den Globus ausgebreitet hat.

Hier möchte ich nun einen weiteren Artikel – leider auch hinter der Paywall liegend – empfehlen, der diese These von Sineb El Masrar historisch untermauert. In einem recht umfassenden Beitrag für den SPIEGEL hat Peter Schäfer, einer der führenden Experten für die Geschichte der jüdischen Religion und von 2014 bis 2019 Leiter des jüdischen Museums in Berlin, die Geschichte des Antisemitismus nachgezeichnet.

Zwar liegen die ersten belegbaren Zeugnisse für Antisemitismus vor der Entstehung des Christentums. Aber das Christentum, das bekanntlich eine Abspaltung aus dem Judentum ist, hat im Zuge des Abspaltungsprozesses den Antisemitismus zugespitzt und zu einer Art christlicher „Staatsräson“ gemacht. Durch die Reformation und ihren Hauptakteur Martin Luther wurde der Antisemitismus dann noch einmal verschärft.

Schäfer zeichnet in seinem Beitrag diese über Jahrhunderte laufende Entwicklungsgeschichte des Antisemitismus im christlichen Europa skizzenhaft und schlüssig nach. Dabei geht er auch kurz auf die Bedeutung der Aufklärung für das jüdische Leben ein.

Und er verweist darauf, dass die islamische Theologie – im Gegensatz zur christlichen Theologie – keinen Antisemitismus hervorgebracht hat. Damit bestätigt Schäfer die These von Sineb El Masrar, dass der heute auch in islamischen Gesellschaften zu beobachtende Antisemitismus vor allem von außen kommt, nämlich – wie sie darlegt – aus Deutschland.

Zum Abschluss verweist Schäfer darauf, dass der Antisemitismus in Deutschland – anders als z. B. in Frankreich – genuin mit der Entwicklung der Nationalstaatsidee verbunden war:

In den deutschen Landen war die Lage für die Juden noch sehr viel schwieriger als im strikt säkular ausgerichteten Frankreich. Die deutschen Staaten verstanden sich ganz dezidiert als christlich und seit der Gründung des Norddeutschen Bundes von 1866, dem Vorläufer des Kaiserreichs, noch dazu als dominant protestantisch-christlich im lutherischen Sinne. In einem solchen Staat war für ein Judentum, das nicht im Christentum aufgehen und sich auch nicht auf seine individuelle Religionsausübung begrenzen lassen wollte, kein Platz.

Es ist genau diese Spannung zwischen christlichem Nationalstaat und jüdischem Verständnis von Religion, die alle Versuche der Emanzipation der Juden und ihrer bürgerlichen Gleichberechtigung immer wieder zunichtemachte. Unter dem wachsenden Einfluss der rassistischen Form des Antisemitismus führte diese Idee eines christlichen Nationalstaats schließlich zur durch und durch antisemitisch geprägten Gesellschaft des Kaiserreichs und der Weimarer Republik.

Bleibt nur zu wünschen, dass die Mitarbeitenden von A. Laschet und P. Ziemiak auch auf diesen Beitrag von Peter Schäfer gestoßen sind und ihn ihren Chefs auf den Schreibtisch gelegt haben.

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