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Christian Huberts
mächtiger™ Kulturwissenschaftler und Kulturjournalist
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piqer: Christian Huberts
Mittwoch, 06.07.2016

CS:GO-Lotto, Lügen und Video – YouTube-Stars profitieren an Glücksspiel für Minderjährige

Historisch hängen Gaming und Glücksspiel eng zusammen. Als die ersten Spielautomaten auf den Markt kamen, gab es noch keine spezialisierten Vertriebsstrukturen. Stattdessen wurden Pong, Space Invaders & Co. von Unternehmen vertrieben, die ihr Geld sonst mit Glücksspielautomaten verdienen und ein enges Verhältnis zur organisierten Kriminalität pflegen. Eine Nähe, die schon Flipperautomaten zum Verhängnis wurde, die von den 40ern bis in die 70er in einigen Teilen der USA verboten waren. Games haben es nie völlig in die Illegalität geschafft, aber viele Mechanismen haben sie sich in dieser Anfangszeit vom Glücksspiel abgeschaut: Zufallsvariablen, positive Bestärkung der Spielenden und die Bindung wichtiger Ressourcen an den Einwurf von Münzen. Ein Rezept, dass bis heute gut funktioniert, um Menschen am Spielen und Bezahlen zu halten.

In Counter Strike: Global Offensive zeigt sich dieses Erbe wie folgt: Während des Spiels bekommen die Spielenden immer wieder Kisten mit sogenannten ›Skins‹ – schicke Texturen, mit denen sich Waffen individualisieren und die sich zum Teil für viel Geld weiterverkaufen lassen. Der Clou: Die Kisten kann man nur öffnen, wenn man für rund 2€ in einen ›Schlüssel‹ investiert. Was sich in der Kiste befindet – seltenes Design oder billiger Ramsch – hängt vom Zufall ab. Mit einer ›Transaktionsgebühr‹ verdient der Publisher Valve dabei sein Geld. Wie zur Guten Alten Zeit. Doch damit nicht genug: Seit Jahren entwickelt sich ein profitabler Wettmarkt um die Skins. Auf Seiten wie CSGOLotto werden die In-Game-Gegenstände als Einsatz in astreinen Glücksspielen benutzt. Mit satten Gewinnen… und Verlusten. Das ist (noch) nicht illegal, da echtes Geld nie direkt in die Hand genommen wird. Alles nur ein Spiel.

Das Fass zum Überlaufen bringen gerade jedoch zwei populäre YouTuber, die ihre oft minderjährigen Fans auf CSGOLotto locken, ohne dabei offenzulegen, dass sie selbst die Betreiber der Seite sind. Die Mafia hätte das sicher auch nicht besser hinbekommen.

CS:GO-Lotto, Lügen und Video – YouTube-Stars profitieren an Glücksspiel für Minderjährige
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Kommentare 2
  1. Christian Huberts
    Christian Huberts · vor etwa einem Jahr

    Man könnte ein ganzes Buch über die diversen, historischen Verstrickungen der Spielkultur in windige Zusammenhänge schreiben. Noch ein weiteres Beispiel: Auch Nintendo – die heute ein familienfreundliches Image pflegen – haben ihre Wurzeln im Glücksspiel: kotaku.com/5784314/t....

    1. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · vor etwa einem Jahr

      Ebenso naheliegend wie perfide. Wieder was gelernt. Danke!