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Fundstücke

Jovana Reisinger
Autorin, Filmemacherin
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Jovana Reisinger
Sonntag, 27.03.2016
Community piq

"und des Hofbäuhaus is oweglutscht."

Das Münchner Lebensgefühl, das wir echte Münchner schon mit der Geburt in der Landeshauptstadt inhalierten, aber auch Fremden zuteil wird, wurde in vielen Liedern besungen, so dass es an einem Feiertag grad recht ist, die anzuhören, und sich zu fragen: in welcher Stadt leben wir eigentlich

München, die Kleinstadt mit Herz, rühmt sich seiner exklusiven Schuppen, seiner Bierqualität + seiner starken Frauen, die das Gesöff massenweise ans Tischerl tragen können, seiner Nackerten im englischen Garten (wo man aber auf der "falschen" Isarseite gleich angschissen wird, wenn man kein Oberteil trägt). Die Haserl tragen kurze Röcke, alle sind gut drauf, weil's Wetter so fesch ist, hm-lecker Bier; Sommer in München. Das klingt fad und sich endlos wiederholend. Ist das wirklich alles? Als kleine Nebenrecherche erlaubte ich google, meine Sätze zu vervollständigen, dabei kam dies heraus:

München ist: 1.bunt  2.blau  3.rot  4.Dreck  5.wie ein Zahnarztbesuch

München war: 1.Requiem  2.der Ort meiner völligen Befreiung   

Warum ist München: 1.so teuer  2.so reich  3.so beliebt  4.so schön

Leider heißt der Film von Herbert Achternbusch das Andechser Gfühl, aber der Plot lässt sich meiner Meinung nach 1 zu 1 in unsere Stadt übertragen: Dorfschullehrer Herbert hat Prüfungsangst und überlässt sich am Vortag seines zweiten Staatsexamens dem Bier und Wunschträumen. Sein Leben ist öde, seine Geliebte ein Trampel, seine Frau verbittert, seine Tochter nervig. Nur die schöne Filmschauspielerin, von der er seit Jahren träumt, könnte ihn retten. Als sie tatsächlich erscheint, schöpft er neue Hoffnung, will sie heiraten. Seine Frau greift zum Messer und rammt es in sein Herz. Während er stirbt, fährt die Schauspielerin im VW-Käfer davon.

Wo wir grade bei Film und Schauspielerinnen sind: Falls sich jemand für ein Werk über das Münchner Lebensgefühl interessiert, empfehle ich dieses Buch ROSY ROSY von Rosemarie Heinikel. Als ich das zum 1. Mal las, glaubte ich wirklich an dieses aufregende M.

"und des Hofbäuhaus is oweglutscht."
8,3
4 Stimmen
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