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Fundstücke

Jovana Reisinger
Autorin, Filmemacherin
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Jovana Reisinger
Sonntag, 29.05.2016
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Tiertrauer + Tierliebe in München

Haustiere können alles mögliche sein. Eine hilfreiche Ergänzung im Alltag, Blindenhund zum Beispiel, ein Kinderersatz, eine Trauerbewältigung, ein Spielkamerad, ein Familienmitglied, ein Statussymbol etc. Wenn diese Tiere dann sterben, kann ebenso alles mögliche passieren. Große Trauer, kleine Trauer, keine Trauer, große Zeremonie, heimliche Beerdigung, offizielle Beerdigung etc. Wenn ein Städter seinen treuen Begleiter verliert, keinen Garten hat, das Tier zu groß ist und eben nicht auf einen umliegenden Wald zurückgreifen möchte, geht er wohl ins Tierkrematorium. 

Dass sich in so einem Geschäft merkwürdige Szenerien abspielen dürften, kann sich jeder vorstellen, der einmal mitbekommen hat, wie ein abgöttisch geliebtes Lebewesen verstorben ist. Die Katze von der Nachbarin, der Hund vom Opa, das Meerschweinchen vom Kind, etc. 

Eine hübsche, wenngleich auch gar nicht so unvorstellbare, Episode berichtet der Betriebsleiter des Krematoriums in München: Ein älterer Mann habe seinen Hund einäschern lassen wollen - begleitet von seinem erwachsenden Sohn. Seinen Hund habe er mehr geliebt als seinen Sohn, habe der Mann gesagt. "Und der Sohn stand daneben", wundert sich Duckstein noch immer.

Ulrich Seidl hat mal einen recht feschen Film über Mensch-Tier-Beziehungen gemacht und das Internet wird auch jeden Tag mit Babytier-, Katzen- und Hunde-machen-irgendwas-Videos bereichert. Und auch die Welt hat einen Beitrag zu leisten: falsch verstandene Tierliebe, die ins Extrem überschlägt. Menschen die ihre Haustiere zu sehr lieben, oder zu viele von ihnen horten, machen es sich demnach zu einfach. Ein Tier widerspricht nicht und gibt's billig im Internet. (...) Wer jetzt ganz genau wissen will, wie es in einem Krematorium zugeht, kann diesen Eintrag lesen und hier Erinnerungen an das verstorbene Tier. Und wer sich nach alldem überlegt, ein Tier anzuschaffen, sollte doch das Münchner Tierheim besuchen - oder in den Zoo gehen, vielleicht ist ja gelegentliches schauen genau das Richtige.

Tiertrauer + Tierliebe in München
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