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Flucht und Vertreibung

Fabian Köhler
freier Journalist, Politik- und Islamwissenschaftler (M.A.)
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piqer: Fabian Köhler
Sonntag, 07.08.2016

Yusra Mardini bei Olympia. Eine verdammt gute Nachricht aus einer verdammt abgründigen Welt

Alles prima, ich solle doch nur ab und zu auch mal eine gute Nachricht piqen. Dieses Feedback gab mir sinngemäß einmal der Chef-Piqer. Und zugegeben, es fällt mir schwer, dem nachzukommen. Nicht wegen dem alten Adorno-Kalauer vom nicht vorhandenen Guten im Schlechten. Auch nicht, weil das Wesen eines Kanals mit dem Namen „Flucht und Vertreibung“ nun mal etwas Schlechtes ist. Es fällt mir vor allem schwer, weil jeder Bericht über diese Willkommensinitiative oder jene gelungene Integration letztlich doch wie ein Feigenblatt für das große Übel dahinter erscheint.

Andererseits: Manchmal sind es doch die Ausnahmen, die die Regel umso deutlicher erscheinen lassen: Dieses Interview mit der Schwimmerin Yusra Mardini ist so eine. Hinter der Geschichte der 18-jährigen Syrerin, die momentan in Rio für das Flüchtlingsteam startet, verbirgt sich nicht nur eine filmreife Story, sondern ziemlich viel Abgründiges über den Zustand dieser Welt: Ihre Flucht (aus der konservative Mehrheitsgesellschaft) begann quasi schon mit dem Anziehen des Badeanzuges. Als der Krieg kam, war ihr Zufluchtsort die Schwimmhalle, bis auch dort die Bomben einschlugen. In der Ägäis sprang sie ins Wasser, um ein Boot voller Flüchtlinge zu retten. In Deutschland flüchtete sie erneut: Der Tristesse des deutschen Erstunterkunftssystems für Flüchtlinge entkam sie bei einem Berliner Schwimmverein.

Yusra Mardinis Geschichte erzählt davon, wie viel Talent, Hingabe, Willenskraft und vor allem Glück ein Flüchtling braucht, um als diese eine gute Nachrichten enden zu können. Yusra Mardinis Erfolgsstory lässt erahnen, wie viele Geschichten unerzählt unter den Trümmern des Syrienkrieges und auf dem Meeresgrund des Mittelmeeres liegen. 

Sie hat es geschafft: Am Sonntag schwamm sie die 100 Meter Schmetterling in Rio in 1:09,21 Minuten. Am Mittwoch folgen die 100 Meter Freistil. Die 18-jährige Syrerin Yusra Mardini schwimmt bei Olympia. Und das ist trotz und gerade wegen allem eine verdammt gute Nachricht.

Yusra Mardini bei Olympia. Eine verdammt gute Nachricht aus einer verdammt abgründigen Welt
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