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Flucht und Vertreibung

Fabian Köhler
freier Journalist, Politik- und Islamwissenschaftler (M.A.)
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piqer: Fabian Köhler
Freitag, 08.07.2016

Ende der Flüchtlingskrise: Als würden wir uns nach einem Schul-Amoklauf über kleinere Klassen freuen

Stellen Sie sich vor, es gebe einen Amoklauf an einer amerikanischen Schule und die Tagesschau meldet am Abend: „Lehrer atmen auf: Überbelegung von Klassen deutlich reduziert“. Oder in Sinchuan bebt die Erde und von der BILD prangt die Schlagzeile: „Neue Perspektiven für Chinas Stadtentwicklung.“ Das ist natürlich Quatsch. Angesichts einer so großen Katastrophe einen solch verschwindend kleinen Vorteil überhaupt zu erwähnen… Das wäre doch abgrundtief zynisch, menschenverachtend. Das würde doch niemand…

Außer Thomas de Maizière. „De Maizière meldet deutliche Entspannung in der Flüchtlingskrise“, berichtet zum Beispiel Spiegel Online heute. "Die Flüchtlingskrise ist zwar nicht gelöst. Aber ihre Lösung kommt in Europa gut und in Deutschland sehr gut voran“, sagt der Innenminister. Mit „Lösung“ meint er die Abschottung Europas, er meint den qualvollen Tod von Hunderten Menschen in den vergangenen Wochen, die Hoffnungslosigkeit von Millionen.

Einen Einblick in den Preis, den tausende Menschen für Europas „Entspannung“ zahlen, gibt ZEIT-Nahost-Korrespondentin Andrea Böhm. Ihre Reportage handelt von 60.000 Vertriebenen, die sich seit Monaten im syrisch-jordanischen Niemandsland selbst überlassen sind: ohne Nahrung, Wasser, Medikamente. Und dank Menschen wie Thomas de Maizière auch ohne Hoffnung. Den die ungeschönte Katastrophen-Meldung liest sich so: 

„Der von Deutschland und Schweden initiierte Versuch einer europaweiten Verteilung der syrischen Flüchtlinge ist zu einem rasanten Ausverkauf des internationalen Flüchtlingsschutzes verkommen… Syriens Nachbarländer sind von einer Flüchtlingskrise betroffen. Nicht die EU. Die laboriert an einer Krise des politischen Willens."

Ende der Flüchtlingskrise: Als würden wir uns nach einem Schul-Amoklauf über kleinere Klassen freuen
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