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Flucht und Vertreibung

J. Olaf Kleist
Politikwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Flüchtlingsforschung
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piqer: J. Olaf Kleist
Mittwoch, 05.10.2016

Die neuen Asylbewerber in Griechenland sind Türken — und der Exodus beginnt gerade erst

Als die EU vor einem halben Jahr das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei schloss, warnten viele vor den unvorhergesehenen Konsequenzen. Dadurch, dass sich die EU abhängig mache von der Türkei, deren Präsident Erdogan eine immer autoritärere Politik durchsetzte, nähme sie sich den Spielraum, auf dortige Menschenrechtsverletzungen adäquat zu reagieren. Der zunehmende Autoritarismus aber würde selbst zu Flucht und Vertreibung von türkischen Bürgern führen. Tatsächlich versuchen immer mehr Türken, die aus politischen Gründen ihre Arbeit verloren, Journalisten, Akademiker, in Europa Zuflucht zu finden — häufig noch durch Arbeitsvisa oder ähnliche reguläre Migrationswege. Doch zunehmend, noch in sehr geringen Zahlen - bisher 31 laut WSJ -, beantragen Türken in Griechenland nun Asyl — aufgrund von staatlicher Verfolgung seit dem Putschversuch. Unter den türkischen Asylbewerbern sind Universitätsprofessoren, Richter und Geschäftsleute. Es sind wohlhabende und öffentliche Exponierte, die das Land zuerst verlassen — das war auch bei syrischen Flüchtlingen zunächst der Fall. 

Besorgniserregend ist, dass die Türkei die Asylsuchenden als Verräter bezeichnet und ihre Auslieferung verlangt. So wird zunehmend Druck auf das von allen Seiten bereits belastete Griechenland ausgeübt. Und die Zahl türkischer Flüchtlinge wird sicherlich noch zunehmen. Werden Griechenland und die EU diesmal für Menschenrechte einstehen oder auch türkische Flüchtlinge im Stich lassen? 

All das während übrigens noch nicht ein Asylbewerber von Griechenland in die Türkei abgeschoben wurde, was das erklärte Ziel des EU-Türkei-Deals war (aber vermutlich auch illegal ist).

Die neuen Asylbewerber in Griechenland sind Türken — und der Exodus beginnt gerade erst
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