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Flucht und Vertreibung

J. Olaf Kleist
Politikwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Flüchtlingsforschung
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piqer: J. Olaf Kleist
Freitag, 12.08.2016

Die Nauru Dokumente: Folgen der australischen Flüchtlingspolitik — bald auch in Europa?

Australien ist weit weg und man mag meinen, was dort passiert - gerade auch Flüchtlingen - muss uns vielleicht nicht so sehr interessieren. Letztes Jahr empfahl der ehemalige australische Premierminister Tony Abbott der EU, das australische Modell zu übernehmen, bei dem alle irregulär einreisenden Asylsuchenden abgewiesen und in Lagern außerhalb Australiens gehalten werden. Dies wurde in der EU vor einem Jahr noch rundweg abgelehnt. Doch inzwischen schielen immer mehr Europäer nach Australien und mit dem EU-Türkei Abkommen nährt sich die EU dem australischen Modell auch schon sehr an. Was für eine solche Politik notwendig ist, sind Lager, wo die ungewollten Flüchtlinge festgehalten werden. Im australischen Fall befinden sich diese in Vasallenstaaten, insbesondere auf der kleinen Staateninsel Nauru — in Europa heißen diese Hotspots und befinden sich insbesondere in Griechenland. 

Was passiert wenn man Menschen einsperrt, die kein Verbrechen begangen haben und Schutz suchen - Männer, Frauen und Kinder -, wurde nun in den geleakten Nauru Files öffentlich. Massenhafter Missbrauch und größtes Elend wurden durch die Bedingungen produziert. Lange war dies bekannt, doch das Ausmaß, das den Behörden auch bekannt war, ist noch schockierender. Die Unmenschlichkeit, mit der man sich Schutzsuchender entledigt - angeblich, um sie vor Menschenschmugglern zu schützen - ist beschämend. Und wir in Europa sollten uns das genau ansehen, wenn wir unsere eigene Flüchtlingspolitik gestalten. Denn Grenze schließen, Lager/Hotspot, Asylsuchende abschieben, ist leicht gesagt, wenn es einen selber nicht betreffen kann — das Leid, zu dem dies führen kann, ist aber sichtbar, wenn man es wagt, hinzusehen.

Die Nauru Dokumente: Folgen der australischen Flüchtlingspolitik — bald auch in Europa?
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