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Flucht und Vertreibung

Integration

Spricht man über Integration, so meint man meist die Integration von Menschen mit Behinderung oder von Menschen mit einem anderen kulturellen Background, sprich von Ausländern, in eine bestehende Mehrheitsgesellschaft. Integration soll bewirken, dass alle Menschen an der Gesellschaft teilhaben können und nicht benachteiligt sind. In Deutschland ist die Würde des Menschen unantastabar (Artikel 1 GG). Daraus ergibt sich eine Verantwortlichkeit denen gegenüber, die „anders“ sind oder außerhalb der Gesellschaft stehen. Aber Menschen sind nicht gleich, daher kann eine konsequente Gleichbehandlung sogar zu einer Benachteiligung führen. Dieser Gedanke ist elementar für die Frage des Gelingens gesellschaftlicher Integration. Integration kann nicht nur einseitig sein und allein von den „außenstehenden“ gesellschaftlichen Gruppen erbracht werden. Oft fehlen gerade hier Ressourcen für eine Teilhabe an der Mehrheitsgesellschaft. Es bedarf also auch einer Bewegung der Mehrheitsgesellschaft auf die zu Integrierenden zu, um sie aktiv für ein konstruktives und produktives Miteinander zu gewinnen.

Weitere Informationen zum Thema Integration

Integration leitet sich vom lateinischen integrare ab, das ergänzen, erneuern oder geistig auffrischen bedeutet. Wenn von Integration die Rede ist, ist in der Regel der soziologische Begriff der Integration gemeint, der ein anzustrebendes Verhältnis zwischen der Mehrheitsgesellschaft und der in ihr bzw. neben ihr existierenden Randgruppen beschreibt. Integration betrifft die gesamte Gesellschaft. Aufgrund der damit verbundenen hohen Komplexität wird der Begriff Integration häufig mit weiteren Attributen versehen, wie beispielsweise die räumliche Präzisierung bei der europäischen Integration oder die Nennung einer spezifischen Gruppe von Betroffenen wie bei der schulischen Integration. Angesichts der Flüchtlingskrise ist die Integration von Immigranten wieder ein hochaktuelles Thema.

Die Frage der Integration berührt die Grundwerte der Bürgergesellschaft. Artikel 1 des Grundgesetztes der Bundesrepublik Deutschland garantiert die Unantastbarkeit der Würde des Menschen. Daraus ergibt sich eine Verantwortlichkeit denen gegenüber, die „anders“ sind oder außerhalb der Gesellschaft stehen. Jeder Mensch hat das gleiche Recht auf gesellschaftliche Teilhabe, Anerkennung und persönliche Entwicklung im Rahmen der Gesetze der Mehrheitsgesellschaft. Jürgen Habermas wies in seiner Theorie des kommunikativen Handelns darauf hin, dass jedoch „Gleiches gleich“ und „Ungleiches ungleich“ behandelt werden müsse, um die tatsächliche Chancengleichheit aller herzustellen. Dieser Gedanke ist elementar für die Frage des Gelingens gesellschaftlicher Integration. Integration kann nicht nur einseitig sein und allein von den „außenstehenden“ gesellschaftlichen Gruppen erbracht werden. Oft fehlen gerade hier Ressourcen für eine Teilhabe an der Mehrheitsgesellschaft. Es bedarf also auch einer Bewegung der Mehrheitsgesellschaft auf die zu Integrierenden zu, um sie aktiv für ein konstruktives und produktives Miteinander zu gewinnen.

In die Bundesrepublik wandern seit ihrem Bestehen Menschen aus allen Kontinenten ein: Vertriebene, Übersiedler, Aussiedler, Arbeitsmigranten, Asylsuchende und Flüchtlinge. In den 1950er/60er Jahren immigrierten auf Werben der Bundesrepublik die sogenannten „Gastarbeiter“ aus dem Mittelmeerraum, wodurch Millionen deutscher Arbeiter der Aufstieg in besser bezahlte Angestelltenpositionen ermöglicht wurde. In den 1980er Jahren wurden aus den „Gästen“, die das Land nach getaner Arbeit wieder verlassen sollten, „ausländische Mitbürger“ und in Deutschland entbrannte eine Diskussion um die Frage der Integration. Die heutigen Probleme im Umgang mit verstärktem Flüchtlingszuzug basieren auch auf der langanhaltenden Negierung der Tatsache, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Dies gilt für die bundespolitische wie für die kommunale Politik gleichermaßen. Hier wurde auf lange Sicht die Gelegenheit verpasst, die Bedingungen und Chancen einer Integration gezielt und nicht nur reaktiv zu gestalten.

Die Bundesrepublik Deutschland ist ein Einwanderungsland und wird es auch in Zukunft bleiben. Auch die Mehrheitsgesellschaft selbst wird vielfältiger: Lebensstile, Milieus und Kulturen differenzieren sich immer weiter aus. Es stellt sich also generell – nicht nur im Hinblick auf den aktuellen Flüchtlingszuzug – die Frage, wie gesellschaftliche Vielfalt als Aufgabe bewältigt und als Chance für alle genutzt werden kann. Der Begriff der Integration bietet hier selbst Lösungsideen an. Es geht nicht nur im eine rein zahlenmäßige Ergänzung der Mehrheitsgesellschaft, es geht, zumindest im Wortsinn, um „Erneuerung“, „geistige Auffrischung“. Damit diese Form der Integration stattfinden kann, braucht es eine faktische Möglichkeit der gesellschaftlichen Teilhabe mit Perspektive für Migranten und die Chance auf Anerkennung durch die Mehrheitsgesellschaft.