Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

Flucht und Vertreibung

Exil

Im Exil zu leben bedeutet, nicht in seiner Heimat zu leben. Aufgrund der Exilgeschichte vieler Deutscher im Nationalsozialismus assoziieren wir heute als häufigsten Grund für ein Exil die politische, rassische oder religiöse Verfolgung, doch es gibt einige Gründe mehr. Menschen können auch ausgewiesen, verbannt und ausgebürgert oder vertrieben werden, es könnte ihnen die Zwangsumsiedlung drohen. Dadurch gehen sie schließlich ins Exil. Entscheidend ist dabei, dass sie im neuen Land - dem Exilort - nicht mehr verfolgt werden, während sie in ihrer ursprünglichen Heimat bedroht und verfolgt wurden. Sie sind im Exil vielleicht in Sicherheit, aber nicht selten entwurzelt und sehnen sich danach, endlich in ihre Heimat zurück kehren zu können. Richtigen sich manche Menschen schnell im Exil ein, können andere sich mit ihrem nicht selbstbestimmten Lebensort nicht anfreunden. Menschen im Exil - spannende, traurige, mutmachenden und bedrückende Schicksale!

Weitere Informationen zum Thema Exil

Das Exil ist die Abwesenheit von Menschen aus ihrer Heimat, der Begriff leitet sich vom lateinischen Exilium (“Verweilen in der Fremde”) ab. Aufgrund der Exilgeschichte vieler Deutscher im Nationalsozialismus assoziieren wir heute als häufigsten Grund für ein Exil die politische, rassische oder religiöse Verfolgung, doch es gibt einige Gründe mehr. Menschen können auch ausgewiesen, verbannt und ausgebürgert oder vertrieben werden, es könnte ihnen die Zwangsumsiedlung drohen. Dadurch gehen sie schließlich ins Exil. Entscheidend ist dabei, dass sie im neuen Land - dem Exilort - nicht mehr verfolgt werden, während sie in ihrer ursprünglichen Heimat bedroht und verfolgt wurden.

Ins Exil geht kaum ein Mensch freiwillig. Die Exilanten empfinden diesen Zustand daher als unerwünscht und bedrückend, sie würden sehr gern in ihre Heimat zurückkehren. Ein aktuelles Beispiel bieten Einwohner syrischer Städte, die vor der Terrormiliz IS aus ihrer Heimat geflohen waren, aber sofort nach der Rückeroberung ihrer Städte trotz aller Zerstörungen in diese zurückkehrten. Das ist für Exilanten sehr typisch. Es belegt auch, dass Menschen unter dem unfreiwilligen Exil sehr leiden.

Es gibt viele historische Belege für die Exilierung, beginnend bei Nebukadnezar II., der die Israeliten nach Babylonien umsiedeln ließ und sie damit ins Exil trieb. Die Assyrer und die antiken Römer schickten teilweise berühmte Bürger wie den römischen Dichter Ovid ins Exil, spätere berühmte Exilanten waren Dante Alighieri, Du Fu und Napoléon Bonaparte. Eine der größten Exilbewegungen fand schließlich durch deutsche Juden und andere deutsche, verfolgte Staatsbürger ab 1933 statt. Berühmte deutsche Künstler und Intellektuelle, die exilieren mussten, waren Klaus und Thomas Mann, Anna Seghers und Albert Einstein. Sie wählten als Exilorte zunächst deutsche Nachbarstaaten wie Frankreich und die Niederlande, später mussten sie durch die deutsche Besetzung dieser Länder noch viel weiter fliehen.

In der jüngeren Geschichte exilierten viele Chilenen und Argentinier vor den dortigen Militärdiktaturen ab 1973 (Chile) und 1976 (Argentinien). Die DDR und die Bundesrepublik nahmen viele dieser Menschen auf, die Chilenen fanden vielfach in der DDR ihr Exil. Der ostdeutsche Staat hatte der durch den Putsch entmachteten sozialistischen Regierung unter Salvador Allende sehr nahegestanden. Chile revanchierte sich in den 1990er Jahren und gewährte dem letzten Staats- und Parteichef der DDR Erich Honecker und seiner Ehefrau Margot Exil. Die jüngsten Beispiele für massenhafte Exilbewegungen datieren aus den Jahren ab 2003 mit der Besetzung des Irak und dem islamischen Terrorismus im Nahen und Mittleren Osten.

Das Völkerrecht (Genfer Konvention) sieht für Menschen im Exil politisches Asyl vor, wenn sie in ihrer Heimat politisch verfolgt werden. Dieses Recht wurde unter dem Eindruck der massenhaften Exilbewegungen im 20. Jahrhundert immer weiter fortgeschrieben, es gilt aktuell als ebenso wichtig wie gefährdet. Die Fluchtbewegungen aus Nordafrika und dem Nahen Osten nach Europa sind seit 2014/2015 so angeschwollen, dass sich viele EU-Staaten dem Wunsch nach Exil verweigern möchten, den die meisten Flüchtlinge hegen. Das bedeutet, dass im 21. Jahrhundert die Regeln für ein Exil neu definiert werden könnten.