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Flucht und Einwanderung

Asyl

Wir wollen nicht nur über die Menschen sprechen, die in Deutschland Asyl beantragen, sondern auch MIT ihnen! Hier findet ihr Geschichten jener Menschen, die ihre Heimat verlassen haben – und auch jener, die sie ehrenamtlich begleiten. Wir wollen mit den Vorurteilen und Fehlinformationen aufräumen, die über Asylbewerber kursieren. Unsere Experten zeigen auf, wie undurchdringbar der Dschungel des deutschen Aslyrechts (selbst für Muttersprachler) und wie steinig der Weg bis zur Aufenthaltserlaubnis (und erst recht bis zur Arbeitserlaubnis) aussieht.

Nicht selten werden Asylbewerber, die vor Krieg und Terror fliehen mussten, pauschal als "Wirtschaftsflüchtlinge" beschimpft und in ein illegales Schattendasein gedrängt. Wir wollen den Menschen, die zu uns kommen, ein Gesicht geben, und daran erinnern, dass Flüchtlingshilfe nichts mit „Gutmenschentum“ zu tun hat, sondern mit der Einhaltung von Menschenrechten.

Weitere Informationen zum Thema Asyl

Der Begriff "Asyl" kommt vom Lateinischen "Asylum" ("sicher", "unberaubt") und meint eine Unterkunft oder Zufluchtsstätte, ebenso aber den Schutz oder die Aufnahme von Verfolgten. Außerdem kann er sich auf das Asylrecht oder Asylgesetz beziehen, das die Aufnahme, Einbürgerung und Abschiebung von Verfolgten regelt. Das Asylrecht bezieht sich einerseits auf das Recht des Menschen, Asyl zu beantragen, andererseits auf die Verpflichtung der Gesellschaft, darauf einzugehen.

Als Flüchtlinge mit Recht auf Asyl anzuerkennen sind Menschen, die sich nicht in ihrem Heimatland befinden und berechtigterweise Angst haben müssen, wegen ihrer Rasse, Religion, Gesinnung, Nationalität oder Zugehörigkeit verfolgt zu werden. Dagegen werden Not, Krieg, Armut oder Naturkatastrophen für gewöhnlich nicht als Fluchtgründe anerkannt. Jedoch kann Kriegsflüchtlingen ein zeitweiliger Schutz gewährt werden, wie etwa Betroffenen des syrischen Bürgerkriegs. Die meisten Flüchtlinge werden als Flüchtlinge nach Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt, so beispielsweise, wenn sie über sogenannte sichere Drittländer einreisen.

Die erste (schriftliche) Erwähnung von Asyl, Asylgesetzen und Zufluchtsstätten findet sich in der Bibel - 4. Mose 35,6. Die Freistätten, die dort erwähnt werden, meinen Orte, an denen keine Blutrache ausgeübt werden durfte. Die Asyle in Europa waren bis ins Mittelalter Orte der christlichen Nächstenliebe. Für gewöhnlich handelte es sich bei einem solchen Zufluchtsort um ein Kloster oder eine Missionsstation. Städte unterhielten Stiftungen und Pfrundhäuser, die als Unterkünfte in Zeiten der Not dienten. Bis in die Neuzeit wurde als "Asyl" auch ein Heim, Hospiz oder Hospital bezeichnet, in dem Menschen, die unter Sucht, Armut oder Invalidität litten, unterschlüpfen konnten. Zu Höchstzahlen an Asylanträgen kam es aufgrund des Balkankonflikts in den Jahren 1993 bis 1995: Damals wurden 513.561 Asylanträge gestellt, von denen 16.396 anerkannt wurden. 2014 lag die Zahl der Asylbewerber bei 77.197 - ein Großteil der Asylbewerber stammte aus Syrien.

Heutzutage bezeichnet der Begriff Asyl beziehungsweise der Begriff des Asylrechts sowohl das Grundrecht eines Verfolgten auf Asyl als auch die Gesamtheit aller deutschen nationalen und internationalen Schutzrechte für Verfolgte oder Asylbewerber. Die Entscheidung über die Anerkennung eines Verfolgten als Asylberechtigter wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg gefällt. Das Asylverfahren richtet sich nach dem Asylgesetz. Während der Durchführung des Asylverfahrens ist dem Asylbewerber der Aufenthalt im Bundesgebiet gestattet. Er erhält eine Aufenthaltsgestattung - nicht zu verwechseln mit einem Aufenthaltstitel. Für gewöhnlich beschränkt diese den Aufenthalt auf den Bezirk der Ausländerbehörde. Kommt es zur Ablehnung des Asylantrags, erlischt die Aufenthaltsgestattung. Anerkannte Flüchtlinge und Asylbewerber erhalten eine Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Abs. 1 beziehungsweise Abs. 2 S. 1, 1. Alt. AufenthG. Diese beinhaltet eine uneingeschränkte Erlaubnis zur Erwerbstätigkeit sowie einen Reiseausweis für Flüchtlinge. Asylanten haben Anspruch auf soziale Leistungen und integrationsfördernde Maßnahmen. Ihre Familienangehörigen, so beispielsweise Kinder oder Ehepartner, erhalten denselben Status und dieselben Rechte.

Einer Schätzung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zufolge wurden 2015 450.000 Asylanträge in Deutschland erwartet. Im August 2015 wurde diese Schätzung der Bundesregierung auf 800.000 erhöht. Die Bruttoausgaben nach dem Asylbewerberleistungsgesetz nehmen kontinuierlich zu. 2013 lagen sie bei etwa 1,52 Milliarden Euro. Eine Schätzung rechnet mit einem Anstieg der Ausgaben der Länder und Kommunen auf bis zu 10 Milliarden Euro pro Jahr.