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Flucht und Einwanderung

Fabian Goldmann
piqer: Fabian Goldmann
Montag, 18.02.2019

Zu wenig, zu negativ, zu undifferenziert: Die Afrika-Berichterstattung westlicher Medien

Eigentlich wollte ich in diesen Beitrag mit einer beispielhaften Aufzählung der letzten Nachrichtenmeldungen mit Afrika-Bezug einsteigen. Das Problem: Mir fiel kaum eine ein. Auch Google News half nicht weiter. Selbst in der Unterkategorie "Welt" fand sich unter den ersten 50 Beiträgen keine einzige Meldung über ein Ereignis in einem afrikanischen Land.

Das wiederum ist eigentlich doch ein sehr guter Einstieg in den piq, dreht der sich doch um die mangelhafte Afrika-Berichterstattung westlicher Journalisten. Der Medienwissenschaftler Toussaint Nothias vom Center for African Studies der Stanford University hat dazu 282 Zeitungsartikel ausgewertet und außerdem Interviews mit Afrika-Korrespondenten geführt. Einige Ergebnisse:

  • Es wird zu wenig über Afrika berichtet. 15 Prozent der Weltbevölkerung stehen nur 3 Prozent der Auslandsberichterstattung gegenüber.
  • Negative Nachrichten dominieren. In 55 Prozent der Beiträge ist von "sozialer Instabilität" die Rede, "Gewalt und Tod" tauchen in 49 Prozent der Beiträge auf.
  • Unnötige Verallgemeinerung gibt es in 42 Prozent der untersuchten Beiträge. Die Situation in einem Land gilt häufig exemplarisch für ganz Afrika. 
  • Westliche Stimmen dominieren und bei afrikanischen Stimmen handelt es sich meist um politische Autoritäten.

Toussaint Nothias' Analyse belässt es aber nicht beim Bashing von Medien, die Afrika-Klischees verbreiten. Stattdessen zeigt seine Untersuchung, dass auch einige Stereotype über die Afrika-Berichterstattung selbst überholt sind. So bedienten sich Journalisten nur noch selten kolonialistischer Sprachmotive und auch der Fokus auf Stammeskonflikte als universelle Erklärung für die Probleme auf dem Kontinent sei in den Hintergrund gerückt. 

Die Studie gibt es kostenpflichtig hier. Eine schöne Zusammenfassung hat Johanna Mack für das "European Journalism Observatory" geschrieben. 

Zu wenig, zu negativ, zu undifferenziert: Die Afrika-Berichterstattung westlicher Medien
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Kommentare 3
  1. Dagmar Dehmer
    Dagmar Dehmer · Erstellt vor 6 Monaten ·

    Das stimmt im Prinzip. Es gibt viel zu wenige Korrespondent/inn/en in Afrika, es gibt viel zu wenig Interesse bei den Medien, diese Kolleg/inn/en mit Aufträgen an der Arbeit zu halten, und es ist nahezu unmöglich, mit Kolleg/inn/en aus afrikanischen Ländern zusammenzuarbeiten, weil es dafür mindestens eine oder zwei Personen braucht, die die Recherchen der Kolleg/inn/en für den deutschen Kontext so übersetzt, dass der Kontext aus dem jeweiligen afrikanischen Land verständlich wird. Das leistet sich kaum noch ein Medium. Aber die Klage, es werde immer nur "negativ" berichtet, ist natürlich auch etwas albern. Wann berichten wir denn über Deutschland "positiv"? Auch für die Afrika-Berichterstattung sollte gelten, dass es eine Nachricht braucht, oder einen anderen guten Grund zu berichten. Wäre nur schön, wenn es für Deutschland und die 54 afrikanischen Länder auch die gleichen Berichtsgründe und -erwägungen wären. Davon sind wir leider sehr weit entfernt. Wer zumindest eine Idee davon bekommen will, was versucht wird, ein vollständigeres Bild des Nachbarkontinents zu gewinnen, kann sich bei JournAfrica! https://journafrica.de/ informieren, einem non-profit Medienprojekt, und bei The Local Africa News https://www.thelocalaf..., einem kuratierten Nachrichtenblog, der englischsprachig die interessanten Texte aus vielen Medien sammelt.

    1. Fabian Goldmann
      Fabian Goldmann · Erstellt vor 6 Monaten ·

      "Aber die Klage, es werde immer nur 'negativ' berichtet, ist natürlich auch etwas albern. Wann berichten wir denn über Deutschland 'positiv'?"
      1. Von "immer" ist nirgends die Rede. 2. Dass generell häufiger über negative Ereignisse berichtet wird, wird im verlinkten Text auch thematisiert.

    2. Dagmar Dehmer
      Dagmar Dehmer · Erstellt vor 6 Monaten ·

      @Fabian Goldmann Da steht nicht immer. Da haben Sie Recht. Aber Sie kennen die gerne vorgebrachte Klage, bei der eben selten differenziert wird.

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