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Flucht und Einwanderung

Fabian Köhler
freier Journalist, Politik- und Islamwissenschaftler (M.A.)
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piqer: Fabian Köhler
Samstag, 30.09.2017

Wie der Reisepass das Reisen verhindert (und allerlei andere Dinge auch)

Ich liebe diese Texte, die es schaffen ein ganz neues Licht auf ein altbekanntes Phänomen zu werfen. Nicht nur, indem sie eine ungewohnte Perspektive vermitteln, sondern indem sie gleich den ganzen Bezugsrahmen zertrümmern. Solche Geschichten: 

Die heutige Folge heißt: Wie der Reisepass das Reisen verhindert (und allerlei andere Sache, von denen wir annehmen, dass er sie ermöglicht, auch)

Die intendierte Verwunderung: Hä, der macht doch aber das Gegenteil.

Die Auflösung hat Valentin Gröbner für die "Le Monde Diplomatique"-Beilage der taz aufgeschrieben. 

Der österreichische Historiker berichtet vom Ursprung des "passeport" im 15. Jahrhundert als ein Dokument, mit dem Menschen ihren legalen Status nachweisen oder Kontrollen passieren konnten. Soweit, so unspektakulär. 

Der Twist: Die Einführung des Reisepasses diente aber nicht dazu, es Menschen zu ermöglichen, Ländergrenzen einfacher überwinden zu können. Im Gegenteil: Grenzkontrollen entstanden erst in Folge seiner Einführung. 

Erst mit dem Pass wandelte sich das Reisen von einer Selbstverständlichkeit, die allenfalls durch Zeit und Geld des Reisenden limitiert war, hin zu einem Privileg für Wenige. Zielgruppe des Passes waren nicht seine potenziellen Besitzer, sondern jene, die vom Erwerb ausgeschlossen wurden: Arme, Fremde und Zigeuner.

Wie er diese intendierte ausgrenzende Funktion auch auf anderen Gebieten und bis heute tadellos ausübt, erzählt Valentin Gröbner in seinem sehr kenntnisreichen und trotzdem kurzweiligen Text. 

Wer wissen will, welche Folgen Passlosigkeit auch noch im 20. und 21. Jahrhundert für Millionen Betroffene hat, empfehle ich diesen piq von Achim Engelberg.

Wie der Reisepass das Reisen verhindert (und allerlei andere Dinge auch)
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Kommentare 1
  1. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 3 Monaten

    Danke.
    Wahrscheinlich ist die Historie - der Autor spricht von Geschichten - ambivalenter: Ein Pass verhindert und ermöglicht reisen. Er unterscheidet zwischen Personen und Unpersonen.
    Deshalb beschäftigt sich Valentin Groebner auch immer mit Gestalten, die wirken, weil wir zuwenig von ihnen wissen. Hochstapler zum Beispiel:
    www.piqd.de/zeitgesch...