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Flucht und Einwanderung

Fabian Goldmann
piqer: Fabian Goldmann
Donnerstag, 21.02.2019

Von guten und schlechten Muttersprachen

Zweisprachigkeit ist toll. Schon als Kind wird man für seine potenziell höhere soziale Kompetenz und Lernfähigkeit gepriesen. Als Heranwachsender wird man um Sprachgefühl und Weltgewandtheit beneidet. Und spätestens als Erwachsener gilt man als Experte für Länder, in denen man im Zweifel auch nur ab und zu den Urlaub verbringt.

Außer die Zweisprachigkeit umfasst neben Deutsch nicht Spanisch, Dänisch oder Japanisch, sondern Arabisch, Türkisch oder Russisch. Dann steht die Bilingualität schnell nicht mehr für Bereicherung, sondern für Defizit.

Krsto Lazarevic hat als Kind zuhause Bosnisch gesprochen und schreibt hier als Erwachsener in tadellosem Deutsch, wie wertvoll es ist, mehr als eine Sprache zu beherrschen:

Es ist gut für Kinder, wenn sie zweisprachig aufwachsen. Es fördert die Lernfähigkeit und macht es leichter, künftig weitere Sprachen zu erlernen. Mit den Studien, die das belegen, könnte man locker einen Airbus A380 füllen.
Und er schreibt, wie es sich anfühlt, wenn die eigene Mehrsprachigkeit nicht als Bereicherung, sondern als Problem wahrgenommen wird:

Als wir 1992 aus Bosnien und Herzegowina nach Deutschland kamen, gab es viele Kinder aus dem ehemaligen Jugoslawien in den Kindergärten und Grundschulen. Das Deutsche sei die Sprache des Wahren, Guten und Schönen. An der Sprache unserer Eltern hingegen klebe Dreck, Blut und Hinterwäldlertum. 

Ein nachdenklich machender Text. Nicht nur zum Tag der Muttersprache. 

Von guten und schlechten Muttersprachen
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Kommentare 1
  1. Emran Feroz
    Emran Feroz · Erstellt vor 3 Monaten ·

    Toller und wichtiger Beitrag, sowohl von dir, Fabian, als auch von Krsto. Jeder bzw. jede mit dem entsprechenden "Migrationshintergrund" kann dies nur unterschreiben. Ich kann mich noch an MitschülerInnen erinnern, die von den Lehrern gelobt wurden, weil ihre Zweitsprache innerhalb der Familie Italienisch oder Englisch gewesen ist. Währenddessen wurden "wir", sprich, Türken, Afghanen, Serben usw., stets darauf hingewiesen, dass unsere Zweitsprache ein großes Problem darstellen würde, und dass weiße Deutsche bzw. Europäer Arabisch oder Farsi können, ist natürlich stets sehr toll. Ich finde es auch oft ziemlich dreist, wie schnell sich solche "Expats" orientalistisch und besserwisserisch aufführen, nachdem sie ein paar Fetzen der jeweiligen Sprachen gelernt haben (kenne diese Überheblichkeit vor allem seitens westlicher Journalisten in Afghanistan).