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Flucht und Einwanderung

Emran Feroz
Journalist
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piqer: Emran Feroz
Donnerstag, 17.09.2020

Tschetschenische Frauen erzählen

In Österreich lebt die größte tschetschenische Diaspora Europas. Rund 40.000 TschetschenenInnen leben hier, und man hört und liest immer wieder über sie. Im negativen Kontext. Der Fokus liegt dann meist nämlich auf "kriminelle, tschetschenische Männer", die wieder einmal irgendetwas angestellt haben.

Ein Beispiel hierfür waren die Berichte über tschetschenische Sittenwächter, die ihre Landsfrauen verfolgten und bedrohten, weil diese sich "unehrenhaft" verhielten. 

In diesem lesenswerten Text des österreichischen Mediums dasbiber.at kommen allerdings junge tschetschenische Frauen zu Wort. Sie wollen nämlich reden, und zwar richtig.

„Es gibt dann Telegram-Gruppen von tschetschenischen Männern, die Bilder von Mädchen reinposten und ihnen drohen, weil sie das zu freizügig finden.“ Deshalb wahren die Frauen online ihre Identität. Aber das ist nicht der einzige Grund. Amina hat mir das so erklärt: „Ich muss immer für fünf Personen denken: Für mich, meinen Vater und meine Brüder. Welche Konsequenzen das für sie haben könnte, nicht nur für mich.“

Amina. So heißt das Mädchen nicht wirklich. Alle Interviewpartnerinnen bleiben anonym. 

Der Text malt allerdings kein Schwarz-Weiß-Bild. Ja, unter Tschetschenen sind patriarchale Strukturen extrem dominant und toxische Männlichkeit scheint ein großes Problem zu sein. Allerdings liegt es auf der Hand, dass die meisten Tschetscheninnen in Österreich ein normales Leben führen. 

Deshalb haben viele auch die stetigen Vorurteile satt.

Madina ist genervt davon, auf ihre Herkunft reduziert und mit den immer gleichen Stereotypen konfrontiert zu werden – dass alle Tschetschenen kriminell seien und die ewige Frage, ob man Angst vor ihren „sieben Brüdern“ haben müsse. „Sowas verletzt einen schon.“ Sieben Brüder hat Madina natürlich nicht. Die Gymnasiastin will nach der Matura Jus studieren. Auch das Thema „Mischehe“ wird in ihrer Familie anders behandelt. Sie ist es leid, dass immer dieselbe Message nach außen getragen wird. Dabei lebt die Mehrheit der Tschetschenen in Österreich ganz normal, studiert und arbeitet. „Man kann nicht aufgrund einiger Fehltaten von Leuten die ganze Nation über einen Kamm scheren.“ Sie würde sich wünschen, dass man sich mehr informiert und austauscht, bevor man alle in einen Topf wirft. „Es gibt in jedem Land und in jeder Nation schwarze Schafe.“

Die "schwarzen Schafe" sind natürlich die Lieblingsthemen von Krone (der österreichischen BILD) und anderen Boulevard-Medien. Ähnlich wie "der Afghane" gilt auch "der Tschetschene" mittlerweile als eine Art Feindbild unter rechten Wutbürgern, Neonazis und Populisten. 

Klar, es gibt gewiss viele Probleme innerhalb der tschetschenischen Diaspora. Doch warum das so ist, wird kaum hinterfragt. Vieles hat mit der Geschichte des tschetschenischen Volkes zu tun, das immer wieder dank Stalin und Co. kurz vor der Vernichtung stand und auch in den 1990ern und 2000ern von Moskau bombardiert, vertrieben und unterdrückt wurde. 

Heute regiert in Tschetschenien Ramzan Kadyrow, ein brutaler Diktator, der wortwörtlich von Putin installiert wurde - und seine Kritiker sogar im Ausland, u.a. auch in Österreich, jagt und ermordet. 

Tschetschenische Frauen erzählen

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