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Flucht und Einwanderung

J. Olaf Kleist
Politikwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Flüchtlingsforschung

am Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), Berlin.

Gründer des Netzwerks Fluchtforschung.

Forscht zu, schreibt über und kommentiert Migrations- und Flüchtlingspolitik, insbesondere aber nicht nur in Deutschland und Europa.

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piqer: J. Olaf Kleist
Montag, 06.05.2019

Trauma in Translation: Geflüchtete in der Psychiatrie verstehen

Fremde Sprachen sind für Flüchtlinge eine ständige Herausforderung. Auf der Flucht können Übersetzungs-Apps helfen. Aber spätestens bei der Anhörung im Asylverfahren sind sie auf Dritte angewiesen, auf Dolmetscher*innen oder Sprachmittler*innen. Von der richtigen Übersetzung kann ihr Leben abhängen. Doch es gibt viele andere Situationen, in denen eine ungenaue Übersetzung lebensgefährlich sein kann: wenn Traumata der Vertreibung oder Flucht Geflüchtete einholen, gerade da wo Sprache ungenau wird und nur noch indirekt auf Symptome verweisen mag. Wenn psychische Erkrankungen gefährlich werden, auch für andere, dann müssen Psychiater*innen wissen, ob der/die Patient*in Stimmen hört oder es sich nur um eine Redewendung handelt. Dieser Artikel berichtet über solche Herausforderungen aus einer großen Hamburger Psychiatrie. Es ist faszinierend und macht deutlich, wie wichtig es ist, sich in allen Bereichen auf die Mehrsprachigkeit der Gesellschaft einzustellen. 

Trauma in Translation: Geflüchtete in der Psychiatrie verstehen
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Kommentare 10
  1. J. Olaf Kleist
    J. Olaf Kleist · Erstellt vor 6 Monaten ·

    In dem Zusammenhang sollte sicherlich auch erwähnt werden, wie gefährlich Psychatrien für Patient*innen seien können. In Hamburg starb nun in kurzer Zeit eine zweite Person durch Zwangsfixierung: https://www.welt.de/re...

  2. Johann Rosenlaub
    Johann Rosenlaub · Erstellt vor 6 Monaten · Bearbeitet vor 6 Monaten

    Wenn mir erlaubt ist: Als Ergänzung folgende Studie: https://www.frnrw.de/f... sowie: ttps://www.escap.eu/bestanden... (38)/Refugees/REFUGEE CRISIS/Background articles/psychosomatik.pdf

    1. J. Olaf Kleist
      J. Olaf Kleist · Erstellt vor 6 Monaten ·

      Vielen Dank für diesen Hinweis!

  3. Pari Niemann
    Pari Niemann · Erstellt vor 6 Monaten ·

    Ich bin seit 30 Jahren staatlich anerkannte und vereidigte Dolmetscherin für Persisch und dolmetsche beim Gericht, bei der Frauenberatungstellen und Psychiatrien in Farsi und Dari. Und kann über vielen Fällen berichten, in denen die falsche Übersetzung Schicksale bestimmt hat. Dolmetscher*innen, die in sogenannten seltenen Sprachen übersetzen, haben meistens keine Dolmetscherausbildung. Es gibt auch keine geeignete Trainings- und Weiterbildungsmöglichkeit für sie. Erfahrene und gut ausgebildete und interkulturell sensible Dolmelmetschr*innen zu finden ist daher sehr schwer und die Bezahlung ist auch, außer beim Gericht oder bei der Polizei, nicht gut. Die Krankenkassen übernehmen Kosten für die Dolmetschertätigkeit auch für die Psychotherapie nicht oder zur Not haben ihre eigene Sprachmittler*innen, die nicht gut bezahlt werden. Die ganze Misere liegt meiner Meinung nach daran, dass die Mehrsprachigkeit der Einwanderer*innen aus nichteuropäischen Ländern hierzulande nicht geschätzt wird. Man glaubt ein Iraner, der gut deutsch spricht kann auch gut dolmetschen. Das ist ein Irrtum. Denn zum Dolmetschen braucht man noch weitere Fähigkeiten als nur C1 Sprachniveau. Dabei sind Dolmetscher*innen meistens die ersten Personen, die die Flüchtlinge kennenlernen und könnten deshalb oft dieses Land durch deren Brille betrachten, mit allen positiven und negativen Schattierungen. Der Begriff "Sprachmittler" lehne ich ab. Das schafft zwei Klassen von Menschen, die dolmetschen. Wer dolmetscht muss qualifiziert sein und auch Dolmetscher genannt und bezahlt werden. Wer nicht gut qualifiziert ist soll nicht zum Dolmetschen herangezogen werden, in welchem Bereich auch immer. Seit 2014 nennt man alldiejenigen, die nicht allgemein vereidigt sind "Sprachmittler" um Kosten zu sparen. Ganz besonders interkulturell geschult, gendersensible und sprachlich versiert in beiden Sprachen müssen die Dolmetscher*innen sein, die beim BAMF, in der Traumatherapie und zum häuslichen Gewalt herangezogen werden. Ich bin der Meinung, dass Grundsätzlich für Asybewerberinnen aus dem arabischen und persischen Sprachraum beim BAMF-Anhörung kein Mann dolmetschen soll. Ich habe in Asylverfahren oft erfahren, dass Frauen aus Scham nicht die ganze Wahrheit über ihr Asylgrund erzählt haben, was zu ihrem Nachteil gewirkt hat.

    1. J. Olaf Kleist
      J. Olaf Kleist · Erstellt vor 6 Monaten ·

      Vielen Dank für diese wirklich wichtigen und spannenden Hinweise. Mir war die Bedeutung des Begriffs "Sprachmittler" so nicht klar und ich werde in der Nutzung sehr viel kritischer sein. Auch den Hinweis auf die Gendersensibilität in Asylverfahren finde ich einen wichtigen Hinweis. Ich gebe Ihnen recht, dass bei all der Problematik offenbar ein Missachten der Herausforderungen von Mehrsprachigkeit in der Gesellschaft verantwortlich ist, zumal bei nicht-europäischen Migrant*innen. Ich denke, hier könnte viel von anderen Ländern gelernt werden, etwa Australien und Kanada, wo Behörden per Telefon immer direkten Zugriff auf Dolmetscher*innen haben (was für Asylverfahren und bei Trauma nicht hilft). Eine Einwanderungsgesellschaft müsste diese Herausforderungen sehr viel ernster nehmen. Vielen Dank für Ihr Engagement!

    2. Sabine Zimmermann
      Sabine Zimmermann · Erstellt vor 6 Monaten ·

      Ich muss leider Frau Niemann in einem Punkt widersprechen: Die Bezeichnung "Sprachmittler" gibt es schon länger als 2014 (mein Uni-Diplom als "Sprachmittlerin" ist aus dem Jahr 1986). Die Bezeichnung meint Dolmetscher UND Übersetzer und in keinem Fall sind damit Laien-Dolmetscher gemeint, wie von ihr behauptet. Tut mir leid, das wollte ich gerne richtigstellen.

    3. J. Olaf Kleist
      J. Olaf Kleist · Erstellt vor 6 Monaten ·

      @Sabine Zimmermann Vielen Dank für Ihren wichtigen Hinweis!

    4. Pari Niemann
      Pari Niemann · Erstellt vor 6 Monaten ·

      @Sabine Zimmermann Danke Frau Zimmermann für Ihren Hinweis. Dass, der Begriff " Sprachmittler" schon älter ist war mir auch bewusst. Wie er zur Zeit in der Praxis gebraucht wird lehne ich ab. Ich gestehe, ich wusste auch nicht, dass mit diesem Begriff Qualifikationsabschlüsse gab. Danke für diese Information. Umso wichtiger ist es meiner Meinung nach, über diesen Begriff Aufklärung zu betreiben.

    5. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · Erstellt vor 6 Monaten ·

      Vielen Dank für diese Ergänzung. Ich hab hier mehr gelernt als in vielen Beiträgen von Journalisten und Expertinnen.

  4. Emran Feroz
    Emran Feroz · Erstellt vor 5 Monaten ·

    Leider ist die Mehrsprachigkeit bei vielen Behörden in Österreich gar nicht vorhanden. In der Vergangenheit war ich selbst ab und zu als Dolmetscher für die Polizei tätig, wobei ich feststellen musste, dass die Polizisten nicht mal über ausreichend Englisch-Kenntnisse verfügten, um einen Briten zu verhören. Es gibt nur selten Empathie von Seiten der Exekutiven, wenn es um sprachliche Barrieren geht. Ich war damals ganz verwundert, als ich erfahren habe, dass ich aus dem Englischen ins Deutsche übersetzen soll. Hinzu kommt, dass es kaum Polizisten gibt, die Zweisprachig aufgewachsen sind, obwohl genau hierbei großer Bedarf vorhanden ist.

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