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Flucht und Einwanderung

Fabian Köhler
freier Journalist, Politik- und Islamwissenschaftler (M.A.)
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piqer: Fabian Köhler
Montag, 25.09.2017

Rätselraten um den AfD-Erfolg: It's the nation state, stupid!

Die Rechtspopulisten sind drin und wie immer in solchen Fällen ist die Verwunderung groß: Ist Merkel schuld oder Facebook? Haben Medien die Sorgen abgehängter Ossi-Männer zu lang ignoriert oder ihnen zu viel Beachtung geschenkt? Steckt am Ende doch der Russe hinter allem? Ohne der Beantwortung dieser Fragen vorgreifen zu wollen, möchte ich ein paar weitere Namen ins Rennen um die Schuldfrage werfen: Johann Gottlieb Fichte, Ernst Moritz Arndt, Turnvater Jahn... „Moment mal, im 18. Jahrhundert gab's doch noch gar keine AfD“, mag man da einwenden. Stimmt. Aber vor Fichte und Co. gab es auch noch keine deutsche Nation. Und mit dieser begann schließlich der ganze nationalistische Schlamassel.

Das ist nicht ganz die These der palästinensischen Schriftstellerin Adania Shibli. Schließlich ist ihr Beitrag einige Monate älter als der AfD-Erfolg. Mit dem Wissen um 94 zusätzliche Nationalisten im Bundestag, liest sie ihr Text für die Zeitschrift Kulturaustausch allerdings aktueller denn je. 

Shibli erinnert an die Entstehungsgeschichte des Konzepts „Nation“, das für so viele unserer politischen Debatten als unsichtbarer Bezugsrahmen fungiert und unweigerlich bestimmte negativen Konsequenzen mit sich bringe: Ausgrenzung und Zugehörigkeitszwang, Überhöhung und Abwertung. Egal, ob man seine Nation lieber mit ein paar bunten Einsprengseln oder in einem homogen Braun-Ton mag, das Paradigma bleibe: Vorrang einer nationalen Mehrheit statt Wertschätzung der Vielfalt.

„Die Nachteile dieses Paradigmas sind in Europa zu spüren, sie offenbaren sich als Backlash-Bewegungen. Manche sind nationalistisch oder rechtsextremistisch und werden für den Mainstream scheinbar immer attraktiver.“

„Aber die Deutschen bis zur nächsten Bundestagswahl abschaffen, wird wahrscheinlich knapp“, mag man da einwenden. Stimmt. Aber wer „Nation“ als selbstverständlichen Bezugspunkt aller politischen Debatten nimmt, braucht sich auch nicht wundern, wenn Nationalisten selbstverständlich im Parlament sitzen. 

Rätselraten um den AfD-Erfolg: It's the nation state, stupid!
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Kommentare 8
  1. Emran Feroz
    Emran Feroz · vor 3 Monaten

    Ich finde das, was hier steht, ist alles andere als dumm. Das Konzept des Nationalstaates wird weiterhin als Selbstverständlichkeit betrachtet, dabei ist er ein Problem, das viele weitere Symptome hervorbringt. Manche von diesen Symptomen landen dann eben auch in den Parlamenten.

  2. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 3 Monaten

    So viele Fehler in einem so kurzen Artikel. Bevor ich die aufzähle, zitiere ich lieber die Weisheit des Autors und Kabarattisten Werner Schneyder:
    "Patriotismus ist der Gegenentwurf zum Nationalismus. Ich bin deshalb Patriot, damit die Nationalisten nichts zu sagen haben. Ich liebe meine Heimat so sehr, dass ich sie vor Nationalisten schützen muss, das ist die Pointe des Patriotismus."

    1. Fabian Köhler
      Fabian Köhler · vor 3 Monaten

      @Achim Danke fürs Feedback. So ein schönes Zitat habe ich zwar nicht parat, aber mir sind ist noch vage eine sozialpsychologische Studie in Erinnerung, die untersuchte was selbsterklärte "Patrioten" und "Nationalisten" in Sachen Fremdenfeindlichkeit usw. unterscheidet. Die Kurzfassung des Ergebnisses: nicht viel. Die Langfassung suche ich dir gern heraus, falls es dich interessiert.

    2. Moritz Orendt
      Moritz Orendt · vor 3 Monaten

      Hi Achim,

      irgendwie finde ich den Text auch schwach, kann aber nicht genau sagen warum. Kannst du bitte drei Fehler aufzählen, um mir zu helfen?

    3. Achim Engelberg
      Achim Engelberg · vor 3 Monaten

      @Moritz Orendt Hi Moritz,

      hier noch ein älterer Piqd:
      www.piqd.de/zeitgesch...

      Auf der Webseite gibt es noch weitere Artikel zur Nation, aber auch zu vielen anderen historischen Themen.

    4. Moritz Orendt
      Moritz Orendt · vor 3 Monaten

      @Achim Engelberg Vielen Dank!

    5. Achim Engelberg
      Achim Engelberg · vor 3 Monaten

      @Moritz Orendt In Eile drei Punkte:

      In der Kuration des Textes werden Denker wie Fichte genannt. Sie unterstützten die Bildung eines Nationalstaates, der in Deutschland erst Jahrzehnte nach ihrem Tod Realität wurde. Ihre Haltung war dezidiert antifeudal. Sie sind keine Vorläufer von Rechtspopulisten.

      Die These von Anderson war und ist durchaus diskutabel, aber eine These so zu vergröbern, dass die Nation nur aus Imaginärem besteht, versteht den Geist des Essays, der in prägnanter Form eine andere Sichtweise ermöglicht.

      Unsinn ist die Behauptung, dass in HAVERIE im Gegensatz zu den Romanen des 19. Jahrhundert Figuren aus verschiedenen Nationen auftauchen. Das stimmt weder für Balzac noch für Tolstoi, weder für Flaubert noch Joseph Conrad. Die Reihe könnte fast beliebig fortgesetzt werden. Für den Mittelmeer-Roman - HAVERIE spielt ja dort wie auch der nicht genannte gleichnamige Roman der Mitarbeiterin und Lebensgefährtin des Regisseurs - stimmt das zu keinem Zeitpunkt.

    6. Moritz Orendt
      Moritz Orendt · vor 3 Monaten