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Flucht und Einwanderung

Fabian Goldmann
piqer: Fabian Goldmann
Dienstag, 29.01.2019

"Meine Individualität habe ich am Schlauchboot an den Grenzen Europas zurückgelassen"

Normalerweise geht es an dieser Stelle um Flüchtlinge. Darum, dass wieder weniger gekommen oder mehr ertrunken sind. Darum, dass viele gut integriert oder doch nicht so viele so kriminell sind wie andere behaupten, wenn es bei ihnen um Flüchtlinge geht. Selten geht es allerdings darum, warum es eigentlich ständig um sie geht. Darum, dass das Problem von "die Flüchtlinge sind soundso" nicht erst beim "soundso", sondern schon bei dem "die" beginnt.

Diesen schlauen Gedanken kann ich mir nicht selbst zuschreiben, schließlich bin ich u. a. als piqer für diesen Kanal selbst regelmäßiger Produzent von Beiträgen über "die Flüchtlinge". Stattdessen hat ihn Vinda Gouma formuliert. Eine in Berlin lebende Studentin. Eine aus Syrien stammende Juristin. Außerdem noch vieles mehr – und – na ja, ihr wisst schon.

Wie es sich anfühlt, tagtäglich auf diesen einen Aspekt ihrer Identität reduziert zu werden, hat sie in einem Leserbrief an den Tagesspiegel aufgeschrieben. Der ist nicht nur schön, sondern auch schön prägnant geschrieben, sodass ich ihm unrecht täte, ihn hier zu paraphrasieren. Lest ihn einfach schnell selbst und vielleicht blitzt danach die Erinnerung an Leute wie Vinda Gouma ab und zu wieder auf, wenn es wieder irgendwo um "die Flüchtlinge" geht. 

"Meine Individualität habe ich am Schlauchboot an den Grenzen Europas zurückgelassen"
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Kommentare 2
  1. Fabian Goldmann
    Fabian Goldmann · Erstellt vor 3 Monaten ·

    Den Text gibt es auch in einer lesbareren Variante: https://www.tagesspieg...

  2. Emran Feroz
    Emran Feroz · Erstellt vor 3 Monaten ·

    Kann ich sehr gut nachvollziehen, obwohl "nur" meine Eltern einen Fluchthintergrund haben. Warum? Weil sich seit der sogenannten Geflüchtetenkrise 2015 die Wahrnehmung vieler Menschen in Europa verhindert. Mittlerweile laufen viele afghanische und syrische Geflüchtete ziemlich "stylisch" herum. Damit meine ich nicht, dass sie teure Kleidung haben, sondern, dass sie sich einfach nur schön anziehen, inkl. gegelte Haare und gepflegtem Vollbart. So laufe ich meistens auch rum, und sobald mein weißes, biodeutsches oder österreichisches Gegenüber mich nicht sprechen hört, meint er oder sie: "Ach, noch einer von diesen Flüchtlingen". Das merkt man einfach. Man spürt es regelmäßig. Eine solche Reduzierung ist bedauerlich, egal, was für einen Hintergrund man genau hat.