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Flucht und Einwanderung

Gäste oder Arbeiter*innen?

Mohamed Amjahid
Buchautor und Journalist

Reporter, Kurator, Autor für deutsche und internationale Medien. Studium der Politikwissenschaft/Anthropologie. Themen: Weiße Mehrheitsgesellschaft, MENA, Autokratien, Kapitalismuskritik, Feminismus und kritische Theorie.

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Mohamed AmjahidMontag, 19.04.2021

Ich bin selbst Sohn von sogenannten marokkanischen Gastarbeiter*innen und da liegt es nahe, dass ich mich über die fehlende Anerkennung auf allen Ebenen für diese Bevölkerungsgruppe aufrege. Menschen, die überhaupt den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands ermöglicht haben, sich bis zur Erschöpfung für einen teils lächerlichen Lohn abgearbeitet haben, wurden und werden rassistisch in diesem Land andersgemacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg gleichermaßen in West- wie in Ostdeutschland. Deswegen habe ich mich sehr über dieses Radio-Feature gefreut, das mal einen anderen Blick auf die sogenannten Gastarbeiter*innen und ihre Geschichten wirft: 

Sie haben ihre Schuldigkeit getan und wurden so ein bisschen aussortiert. Dieses Gefühl ist da. Man interessiert sich für sie einfach nicht, was ja sehr schade ist, weil, ich würde das gerne unterstreichen: Das ist die Generation, die ein Stück weit zum Aufbau Deutschlands beigetragen hat. Und ich glaube, anstatt den Respekt und Dankeschön zu äußern, haben sie echt das Gefühl, sie werden zur Seite geschoben. Ich habe sehr viele Patienten gesehen, die am Akkord oder unter Tage oder wo auch immer wirklich alles gegeben haben und dort auch berichtet haben, dass ganze Schichten, Belegschaften eigentlich aus Personen mit Migrationshintergrund stammten, die wirklich tolle Arbeit geleistet haben – und so im Nachhinein, das wird überhaupt nicht mitgeteilt. Es wird überhaupt nicht gesehen. Das waren ja nicht ein, zwei, das waren Millionen von Menschen. Es sind Zeitzeugen. Trotzdem hört sich keiner ihre Geschichten an.

Ein Song des Künstlers Ata Canani hat es auf den Punkt gebracht: 

Arbeits kräfte wurden gerufenUnsere deutsche freundeAber menschen sind gekommenUnsere deutsche freundeNicht maschinen sonder menschenAber menschen sind gekommenUnsere deutsche freundeFreunde, freunde sie haben am leben freude

Und die Kinder dieser Menschen sind längst sprachfähig geworden, um die Geschichten ihrer Eltern und Großeltern neu zu erzählen. 

Gäste oder Arbeiter*innen?

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Kommentare 4
  1. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 16 Tagen

    Ich hörte noch nicht das Feature, aber in der Vorstellung sind so viele Fehler und Ungenauigkeiten, dass ich reagieren möchte.

    In der Bundesrepublik kamen ab Ende der 1950er Jahre rund 14 Millionen "Gastarbeiter". Es war ein großes Thema - in der Literatur, im Film und anderswo.

    Das zeigt sich auch darin, dass nicht der Künstler Ata Canani es auf den Punkt bringt, dieser vertont und variiert einen Text des deutschsprachigen Schweizer Autor Max Frisch aus dem Jahr 1965.

    Ähnliches geschah in fast allen westlichen Industrieländern. Immer noch eins der besten Bücher dazu: https://mojoreads.de/b...

    Seit den 1980er Jahren gelang der "Gastarbeiterliteratur" der Durchbruch zum breiten Publikum; etwa durch Emine Sevgi Özdamar.

    In der DDR war es eine späte, nie wirklich starke Entwicklung; erst in den letzten Jahren stieg die Zahl der Vertragsarbeiter etwas an, zuletzt auf rund 93.000.

    Die Millionen, die es in Westeuropa waren, gab es in Osteuropa nirgends.

    Was bei den "Gastarbeitern" relevant war und was heute noch den Alltag prägt: Die Ausweitung des Anwerbeabkommens mit der Türkei.

    Nach dem Mauerbau am 13. August 1961 verlor Westberlin zahlreiche Arbeitspendler, sie wurden oft ersetzt durch Türken, denn der Vertrag trat am 30. Oktober 1961 in Kraft. So entstand der Witz, der real war: Westberlin ist die drittgrößte türkische Stadt. (Durch das Wachstum der Städte in der Türkei ist diese Phase längst vorbei.)

    1. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor 16 Tagen

      Sehe ich nicht so, sondern eher wie Mohamed: Gastarbeiter – ganz gleich ob nun aus der Türkei, Marokko oder Polen – waren als Leute für harte, dreckige Jobs willkommen, aber sie wurden lange Zeit von vielen Deutschen eben nicht als geachtete Mitbürger ernstgenommen. Anfangs wollte kaum jemand, dass sie bleiben, auch wenn man heute im Ruhrgebiet stolz sagt: Wir können Integration. Aber auch die musste man im Ruhrgebiet erst lernen. Sonderlich groß war jahrzehntelang ja nicht einmal das Interesse der Westdeutschen für die Ostdeutschen.

    2. Achim Engelberg
      Achim Engelberg · vor 16 Tagen

      @Dirk Liesemer Dass sie nicht als geachtete Mitbürger ernstgenommen wurden, darüber besteht doch Einigkeit. Auch bei dem von mir empfohlenen Buch findet man es so.

      Deshalb schrieb ja auch Max Frisch bereits 1965:
      „Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kommen Menschen.“

      Und deshalb übernahm es offensichtlich Ata Canani.

      Dissenz besteht bei der Einebnung der gravierenden Unterschiede zwischen Ost und West, die leicht zu überprüfen sind.

    3. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor 16 Tagen

      @Achim Engelberg Okay, das war mir nicht klar, dass Deine Argumentation darauf hinauslaufen sollte.

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