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Flucht und Einwanderung

Er dachte Natur und Migration neu – Letzte Gespräche mit Latour

Achim Engelberg
Dr. phil.
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Achim EngelbergMontag, 10.10.2022

Der französische Philosoph Bruno Latour starb am 9. Oktober 2022 mit 75 Jahren an den Folgen von Bauchspeicheldrüsenkrebs. In diesem Interview, das das Philosophiemagazin kurzzeitig freischaltete, äußert er sich im März 2021 zu seiner Krankheit.

Während er sein umfangreiches Werk schuf, mied Bruno Latour lange Interviews. Angesichts der gefährlichen Krankheit mit geringen Heilungschancen bat er vor einem Jahr Nicolas Truong, Journalist bei der Tageszeitung Le Monde, zu sich und er ließ seine 50-jährige Forschungsarbeit Revue passieren. In der arte-Mediathek findet man diese Gespräche in kurzen Happen, die die ganze Spannbreite des Werks umfassen.

Man könnte diese Gespräche in nahezu allen Kanälen von piqd empfehlen.

Da ich von Bruno Latour viel für mein Buch AN DEN RÄNDERN EUROPAS (hier ein Link) über Migration und Flucht lernte, empfehle ich diesen Beitrag in diesem Kanal.

Meistens erzählt Bruno Latour eine Geschichte und diskutiert sie vielschichtig. Eine geht so: Die Passagiere nehmen im Flugzeug Platz, die Triebwerke beginnen zu arbeiten, die Stewardessen erläutern, wie im Falle einer Notlandung zu handeln sei. Die meisten Passagiere achten nicht darauf, blättern in Zeitungen, checken nochmals ihre Mails, bevor sie die elektronischen Geräte in den Flugmodus schalten müssen, oder dösen.

Nach dem Start erscheint die Welt bald modelleisenbahnklein und der Himmel galaktisch weit. Die Stewardessen schieben ihre Wagen mit Getränken und Essenspaketen in den Gang. Das Ziel ist das GLOBALE. Während des Flugs bemerkt der Pilot, dass der Flieger sein Ziel nicht erreichen kann und er kehrt um. Aber die Piste LOKALES ist ebenfalls nicht mehr zu erreichen. Die Passagiere drängen sich erschrocken an den Außenfenstern und fragen aufgeregt und unruhig: Wo landen?

Deshalb heißt das terrestrische Manifest des Pariser Soziologen und Philosophen Bruno Latour im Original Où atterrir? – Wo landen? (hier ein Link zum terrestrischen Manifest und anderen übersetzten Werken).

Als terrestrisch charakterisiert der Sohn von Weinbauern die realistische Alternative zu den falschen, weil unmöglichen Wegen zurück zum Lokalen, dafür sind wir zu vernetzt und voneinander abhängig. Aber weiter voran in der jetzigen Art der Globalisierung geht es auch nicht, dafür ist der Planet zu klein.

Der erträumte Boden der Globalisierung beginnt, sich zu entziehen. Darin liegt die ganze Neuheit dessen, was schamhaft ›Migrationskrise‹ genannt wird.

Die Bewohner der reichen Länder müssen ihre Lebensweise ändern und die Ankommenden aus verwüsteten Weltgegenden müssen es auch.

Die Migrationskrise ist zu einer allgemeinen geworden und das entzieht allen den Boden unter den Füßen:

Zu den Migranten von außerhalb, die um den Preis ungeheurer Tragödien Grenzen überschreiten müssen, um ihr Land zu verlassen, kommen jetzt jene inneren Migranten, die an Ort und Stelle verbleiben und dramatisch erleben müssen, wie ihr Land sie verlässt.

Ohne eine neue Landung oder Erdung wird es keinen Weg ins Offene geben.

Nachtrag: Der Regisseur, Autor und Aktivist Milo Rau schrieb einen Nachruf, der so endet:

Auch unsere „School of Resistance“ ging auf eine von Latours Ideen zurück: Ein Gegennetzwerk globaler Aktivisten, Bauern, Anwälte und Wissenschaftler zu schaffen, eine alternative Globalisierung des widerständigen Wissens.


Er dachte Natur und Migration neu – Letzte Gespräche mit Latour

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Kommentare 1
  1. Silvio Andrae
    Silvio Andrae · vor 2 Monaten

    "Eigentlich umgibt uns nichts, alles wirkt darauf hin, dass wir atmen." (Bruno Latour: Wo bin ich?, S. 25, Suhrkamp)

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