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Flucht und Einwanderung

Fabian Goldmann
mal Journalist, mal Islamwissenschaftler, je nachdem

...hab damals den Einschreibungstermin für Theoretische Physik verpasst. Das hab ich jetzt davon.

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piqer: Fabian Goldmann
Dienstag, 26.06.2018

Abgeschobene Kinder auf dem Balkan: "Was brauche ich noch dieses Leben?"

Stell dir vor, du kommst aus Deutschland. Genauer: aus Ahaus in Nordrhein-Westfalen. Du wurdest in Deutschland geboren. Gehst in Deutschland in den Kindergarten. Dein erster Zahn fällt in Deutschland aus. Deinen erster Kuss spürst du in Deutschland. Deine Brötchen kommen vom deutschen Bäcker nebenan. Deutschland ist so selbstverständlich deine Heimat, dass es dir nie aufgefallen ist. Bis zu jenem Tag, als die Polizisten in der Tür stehen und dir erzählen, dass du nicht hier hingehörst.

Petra Sorge erzählt im Deutschlandfunk die Geschichte von Nadire: ein 16-jähriges deutsches Mädchen, das mit seiner Familie in den Kosovo abgeschoben wurde und jetzt in Nordserbien lebt. Abgeschoben in ein Land, mit dem sie nichts zu tun hat, dessen Sprache sie nicht spricht, das sie allenfalls aus den Erzählungen ihrer Eltern kennt, die lange vor ihrer Geburt vor dem Krieg flüchten mussten. Sorge erzählt, wie viele anderen Kindern die deutsche Bürokratie ihre unbeschwerte Kindheit nahm und sie gegen Ausgrenzung, Depressionen, Selbstmordgedanken eintauschte. Ein bewegendes Feature und im Subtext ein Kommentar zur Frage "Was ist deutsch?": Eine Frage der Sprache, des Aufwachsens, der Werte...? Oder eine bürokratischer Willkür? 

Abgeschobene Kinder auf dem Balkan: "Was brauche ich noch dieses Leben?"
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Kommentare 2
  1. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 3 Monaten

    Ein Fall, der die Fallen unseres Europas aufzeigt. Übrigens erhielt die Autorin dafür den Otto-von-Habsburg-Journalistenpreis, den die Europäische Vereinigung von Tageszeitungen in Minderheiten- und Regionalsprachen (Minority Dailies Association - MIDAS) stiftete.

  2. Emran Feroz
    Emran Feroz · vor 3 Monaten

    Es ist schon verrückt. Das alles geschieht nämlich nicht vor Europas Haustür, sondern IN Europa. Doch solange die gesamte "Debatte" um Geflüchtete und Migranten sich nicht grundsätzlich ändert, wird sich auch die Situation von solchen Betroffenen nicht verändern. Die Zukunft sieht allerdings leider düster aus.