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Feminismen

Margarete Stokowski
piqer: Margarete Stokowski
Dienstag, 29.01.2019

Wenn Muttersein ärmer macht: "Das Ziel muss sein, die Einstellung der Männer zu verändern."

Es heißt immer, Kinderkriegen sei so erfüllend, aber finanziell ist es für Frauen immer noch ein Fluch. Ein internationales Forschungsteam hat untersucht, wie sich das Einkommen von Eltern verändert, nachdem sie ein Kind bekommen haben. In allen sechs Ländern, die untersucht wurden (Dänemark, Schweden, Deutschland, Österreich, UK und USA) ging das Gehalt der Mütter stark zurück. Auch in den skandinavischen Ländern, die vielen als besonders vorbildlich in Gleichstellungsfragen gelten.

Der Ökonomieprofessor Josef Zweimüller von der Uni Zürich erklärt im Interview mit der Süddeutschen, warum er seine Studie „Child Penalties Across Countries“ nannte: Weil Frauen fürs Kinderkriegen finanziell immer noch bestraft werden.

„Als Child Penalties bezeichnen wir die Einkommenseinbußen nach der Geburt des ersten Kindes. Und leider muss man das tatsächlich so sehen: Für Frauen sind Kinder beim Gehalt eine Strafe. Mütter verdienen auch dann noch erheblich weniger als Männer, wenn das erste Kind fünf bis zehn Jahre alt ist. In Deutschland verdienen Mütter zehn Jahre nach der Geburt des ersten Kindes im Schnitt 61 Prozent weniger als im letzten Jahr vor der Geburt! Bei Vätern gibt es diesen Effekt nicht.“

Deutschland und Dänemark liegen bei den Einkommenseinbußen besonders weit auseinander, was Zweimüller mit den immer noch geltenden sozialen Erwartungen erklärt:

„Aus meiner Sicht zeigt unsere Studie: Mit Kindergeld und Krippenplätzen alleine lassen sich nicht alle Unterschiede aufheben. Wir sehen nämlich auch, dass die Gehaltseinbußen mit den gesellschaftlichen Erwartungen und sozialen Normen einhergehen. In Dänemark wird von Frauen nicht erwartet, dass sie sich zu Hause um die Kinder kümmern. In Deutschland halten das die meisten Menschen für richtig. Das Ziel muss sein, die Einstellung der Männer zu verändern. Sonst wird der Großteil der Erziehungsarbeit weiter von Frauen gemacht.“

Wenn Muttersein ärmer macht: "Das Ziel muss sein, die Einstellung der Männer zu verändern."
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Kommentare 1
  1. Frederik Fischer
    Frederik Fischer · vor 24 Tagen

    Den Einkommensverlust verstehe ich nicht ganz. 61% weniger "Einkommen" bedeutet für mich "Einkommen aus Arbeit". Die Berechnung bezieht aber soweit ich das erkennen kann auch die Mütter ein, die überhaupt kein Einkommen aus beruflicher Beschäftigung beziehen. Wer also zurück in den Job geht, verdient nicht im Schnitt 61% weniger. Das klingt jetzt angesichts der trotzdem schreienden Ungerechtigkeit vermutlich nach Haarspalterei, aber ich finde das nicht unerheblich.
    Ein zweiter Punkt, den ich verkürzt finde, ist Forderung, die Männer müssten ihre Einstellung ändern. Das stimmt sicherlich, aber blendet aus, dass wir hier ein gesamtgesellschaftliches Problem haben. Solange die Gesellschaft von Männern erwartet, wieder arbeiten zu gehen, tun sich auch manchmal Frauen schwer damit die Alleinverdienerinnen zu sein. Einen "arbeitslosen" Mann zu haben ist heute noch vielfach ein Stigma für beide - Frau und Mann.
    Mein Punkt ist: Ein überkommenes Verständnis von Arbeit und die Entwertung "weiblicher" Tätigkeiten und Eigenschaften sind ein großer Teil des Problems, das unberücksichtigt bleibt bei der Zuspitzung Mann vs Frau. Ich halte die Politik in dem Fall für den besseren Adressaten, als pauschal "die Männer". Das sich etwas ändern muss ist unbestritten, aber gesellschaftliche Veränderung dauert noch länger als politische Regulierung.