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Feminismen

Verhaftungen und Reform: Frauen in Saudi-Arabien dürfen seit gestern Auto fahren

Daniel Schreiber
Autor und Journalist
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Daniel SchreiberMontag, 25.06.2018

Seit gestern dürfen Frauen in Saudi-Arabien Auto fahren. Lange hatte kaum jemand mit der Reform des faktisch regierenden Kronprinzen Mohammed bin Salman gerechnet, doch tausende saudi-arabische Frauen sitzen heute tatsächlich hinter dem Steuer. Gleichzeitig hat der Prinz in den vergangenen Jahren immer wieder Aktivistinnen verhaften lassen, die gegen das Fahrverbot gekämpft und eine Graswurzelbewegung begründet haben. Auch heute sitzen noch zwei von ihnen im Gefängnis. Dieser spannende und informative Artikel von Rafia Zakaria erzählt die Geschichte hinter dem Fahrverbot. Seit den 1970er Jahren wurde von den Geistlichen Saudi-Arabiens gebetsmühlenartig wiederholt, dass Frauen gesundheitliche Schäden davontrügen, wenn sie hinter dem Steuer sitzen, und dass das - genau- ihre Fortpflanzungsfähigkeit einschränke. Die Unfassbarkeit dieser Lüge stand ihrem Erfolg nicht im Wege. Zakaria erinnert darüber hinaus an die feministischen Reformen, die von den Königshäusern in Afghanistan und Iran in den 1930er Jahren durchgeführt wurden und deren Ziel es war, dass islamische Frauen keine Schleier mehr tragen müssen. Nach dem Sturz der Königshäuser verfiel auch das Erbe dieser Reformen. Mehr noch, seit dieser Zeit werden feministische Reformen als "Einfluss des Westens" gebrandmarkt und die Unterdrückung von Frauen als authentisches islamisches Erbe dargestellt. Mit der Erfolglosigkeit dieses "königlichen Feminismus" erklärt sich Zakaria auch das teils grausame Verhalten von Mohammed bin Salman: Er könne nur Reformen durchführen, wenn er zugleich als Hardliner gelte - was dieses Verhalten natürlich alles andere als entschuldigt. Ein faszinierender Text darüber, auf welch ambivalente Weise Fortschritt stattfinden kann.        

Verhaftungen und Reform: Frauen in Saudi-Arabien dürfen seit gestern Auto fahren

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Kommentare 2
  1. Fabian Goldmann
    Fabian Goldmann · vor mehr als 4 Jahre

    Schöner Text, wichtiges Thema, aber einen großen Kritikpunkt habe ich an deiner Einordnung: Die Schleier-Politik von Reza Schah war gewiss keine "feministische Reform". Das "Kashf-e hijab"-Dekret von 1936 zielte nicht darauf ab, "dass islamische Frauen keine Schleier mehr tragen müssen", sondern (u.a.) die religiösen Teile der Bevölkerung politisch und gesellschaftlich zu marginalisieren. Die Umsetzung dieser Politik war ebenso autoritär wie in allen Politikbereichen der Schah-Herrschaft: Iranischen Frauen, die sich weigerten den Schleier abzulegen, wurden auf der Straße von Polizisten zusammengeschlagen. Bei Protesten gegen die Bekleidungsvorschriften kam es zu Massakern mit hunderten toten Demonstranten und Demonstrantinnen. Für einen Großteil der iranischen Frauen bedeutet das Schleierverbot, den Ausschluss aus öffentlichen Ämtern, Bildungseinrichtungen, städtischen und gesellschaftlichen Leben... Dass Reza Schah kein Frauenrechtler war, zeigt sich auch schlicht daran, dass Frauen unter ihm weiter rechtlos blieben: keine Rechte ggü Ehemann, kein Wahlrecht. Das ist umso tragischer, als dass es im Iran um die Jh-Wende eine lebendige Frauenbewegung gab. Es gab organisierte Frauenrechtsgruppen, "feministische" Zeitungen, einflussreiche Schriftstellerinnen und politische Aktivistinnen. All das wurde (wie jede andere Opposition) in den 30ern von Reza Schah zerschlagen, verhaftet, ins Exil gedrängt usw. Es war u.a. dem trotz allem anhaltenden Druck der Iranerinnen zu verdanken, dass Rezas Sohn Mohammed das Verschleierungsverbot in den 60ern wieder zurücknahm.

    1. Daniel Schreiber
      Daniel Schreiber · vor mehr als 4 Jahre

      Ah, danke für die Einordnung, das wusste ich alles nicht ...

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