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Feminismen

Live-Schlammschlacht zwischen Johnny Depp und Amber Heard

Mascha Jacobs
Journalistin und Mitherausgeberin von Pop. Kultur und Kritik
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Mascha JacobsFreitag, 20.05.2022

Seit einigen Wochen wird der Prozess, den Johnny Depp gegen seine Exfrau Amber Heard wegen Rufschädigung führt, live gestreamt. Depp hat Heard auf 50 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt. Der Schauspieler wirft der 36-Jährigen vor, seiner Karriere mit falschen Anschuldigungen der häuslichen Gewalt schwer geschadet zu haben. Der auch im Fernsehen übertragene Prozess hat seither zu einer regelrechten Explosion von Hass und Spott gegen Amber Heard geführt. Im Internet wird Heard in einem Ausmaß gemobbt, das alle früheren Hetzjagden in den sozialen Medien in den Schatten stellt. Michelle Goldberg hat in dem hier verlinkten Meinungsstück für den New Yorker gut zusammengefasst, warum sich Amber Heard besonders gut für diesen misogynen Ausbruch eignet.

"The volatile actress — who at times was violent toward Depp, and who never made good on a promise to donate her entire divorce settlement to charity — is very far from a perfect victim. That made her the perfect object of a #MeToo backlash."

Ich empfehle ihren Text sehr, weil er ohne sich auf eine Seite zu stellen, klar die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser medialen Schlammschlacht benennt. Vermeintliche Ungereimtheiten in Heards Aussagen werden zum Beispiel auf TikTok zum Anlass genommen, bestimmte vermeintliche gewalttätige Handlungen Depps millionenfach nachzustellen, um die Aussagen Heards zu verhöhnen. Sie wirken wie ein Verstärker, um einen eindeutig Schuldigen auszumachen. Da die Beweisführung und Verurteilung häuslicher und besonders sexualisierter Gewalt sowieso schwierig sind, wenn Aussage gegen Aussage steht, sollte man eigentlich meinen, dass mit MeToo auch das Wissen um Vorverurteilungen und der Mut Betroffener gestiegen sein sollte. 

Die Paradoxien und Ambivalenzen dieser gewalttätigen Beziehung, die jetzt live vor einem Millionenpublikum erneut aufgeführt werden, lassen beide Beteiligten nicht gut aussehen; sie eignen sich nicht zu einem eindeutigen Votum. Dennoch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass viele User (als Reaktion auf die gestiegene Sensibilität für das Thema seit MeToo?) Johnny Depp zu einer Gallionsfigur des zu Unrecht beschuldigten Mannes machen wollen – unter dem Hashtag #justiceforjohnnydepp findet man auf Instagram 339.000 Beiträge, mehr als dreizehn Milliarden Views hat der Hashtag bereits auf TikTok. Obwohl Depp einem Freund schrieb, dass er Heard umbringen und dann mit ihr Sex haben wolle: “I will fuck her burnt corpse afterwards to make sure she is dead” und schon einen Prozess gegen die SUN verloren hat. Ein Richter bewertete damals 14 Vorfälle, in denen Depp Heard missbraucht haben soll, und kam zu dem Schluss, dass 12 davon tatsächlich stattgefunden haben sollen.

Der öffentlich ausgetragene Konflikt der beiden Promis ist erschreckend. Auch insofern, dass Misogynie mit MeToo keineswegs abgenommen hat, sich als Symptom der "Männerdämmerung" derzeit besonders klar zeigt. 


Live-Schlammschlacht zwischen Johnny Depp und Amber Heard

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Kommentare 1
  1. Mascha Jacobs
    Mascha Jacobs · vor 2 Monaten

    Wer eine weitere besonnene Analyse der „Rollenkonflikte von Opfern sexueller Gewalt“ und dieses „Bühnengerichts“ anhören möchte, dem sei noch die Ausgabe des Podcasts Lakonisch Elegant mit Emily Thomey, Elena Gorgis und der Popkulturwissenschaftlerin Annekathrin Kohout zu dieser medialen Schlammschlacht empfohlen.: https://www.deutschlan...

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