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Feminismen

Theresia Enzensberger
Journalistin und Herausgeberin des BLOCK Magazins
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piqer: Theresia Enzensberger
Montag, 12.12.2016

"Last Tango in Paris" und die Vergewaltigungskultur in Hollywood

In der letzten Woche machte ein Video aus dem Jahre 2013 die Runde. Es ist ein Interview mit Bernardo Bertolucci, in dem er zugibt, die 19-jährige Maria Schneider beim Filmen der Vergewaltigungsszene in "Last Tango in Paris" überrascht zu haben - er wollte ihre "Reaktion als Mädchen, nicht als Schauspielerin". Neben dem offensichtlichen Problem offenbart sich hier eine weitere sexistische Denkweise: Bertolucci dachte anscheinend, Schneider beherrsche ihr Handwerk nicht gut genug, um der Szene schauspielerisch zu begegnen. 

Melissa Silverstein nimmt das zum Anlass, sich die Haltung von Hollywood gegenüber Vergewaltigung und Nötigung genauer anzusehen. Selbst feministische Schauspielerinnen haben kein Problem damit, mit Woody Allen oder Roman Polanski zusammenzuarbeiten. Es bedurfte den Anschuldigungen von 50 Frauen, bis jemand glaubte, dass Bill Cosby seit Jahrzehnten Frauen belästigt. 

Ich bin mir nicht sicher, ob ich mit Silversteins Kritik an Vergewaltigungsszenen in Filmen generell einverstanden bin: Es gibt durchaus gelungene (und vielleicht sogar lehrreiche) Darstellungen von Vergewaltigung. Ein Beispiel kann man in der letzten Staffel von "Orange is the New Black" sehen. 

"Last Tango in Paris" und die Vergewaltigungskultur in Hollywood
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Kommentare 4
  1. Meike Leopold
    Meike Leopold · vor fast 2 Jahren

    Ich war wahnsinnig enttäuscht, als ich gelesen habe, dass es in Last Tango so gelaufen sein soll. Ich hätte wirklich mehr von Bertolucci und Brando erwartet. Then again soll Brando wirklich ein manischer Schürzenjäger gewesen sein. Ich hatte nur gedacht, er habe das von seiner Profession trennen können...

  2. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor fast 2 Jahren

    Und hier die Auflösung. Das ist ein Regieverfahren, das viele anwenden. Bei Schauspielern wie in diesem Fall bei einer Schauspielerin.
    www.spiegel.de/kultur/ki...

    1. Theresia Enzensberger
      Theresia Enzensberger · vor fast 2 Jahren

      Ja ja, hier ist die Auflösung:

      "Maria Schneider, die 2011 starb, sprach 2007 in einem Interview mit der britischen "Daily Mail" über die Szene. Darin beschreibt sie, dass sie sich "ein wenig vergewaltigt" gefühlt habe und dass sie besser ihren Anwalt oder Manager angerufen hätte, bevor sie die Szene drehte. Auf die Frage, ob es während den Dreharbeiten zu echtem Sex gekommen sei, sagte Schneider: "Nein, auf keinen Fall."

      Im Gespräch mit der italienischen Presseagentur ANSA sagte Bertolucci über seine Beziehung zu Maria Schneider: "Die starke und kreative Beziehung, die wir während der Dreharbeiten zu 'Der letzte Tango in Paris' hatten, wurde mit der Zeit vergiftet. Maria warf mir vor, ihr ihre Jugend gestohlen zu haben. Und erst heute frage ich mich, ob daran nicht etwas Wahres war.""

      Mal abgesehen davon ändert das nichts an Allen, Polanski, Cosby und den anderen Dingen, um die es in dem Artikel geht.

    2. Achim Engelberg
      Achim Engelberg · vor fast 2 Jahren

      @Theresia Enzensberger Mir ging es nur um die jetzige Diskussion um Bertolucci. Meine Vermutung zu Maria Schneider ist, dass sie an dem überraschenden Ruhm zerbrochen ist. Ansonsten bewertete ich Deinen Piqd nicht, weil es nicht das Feld meines Wissens ist. Ich las nur einfach so. Eine letzte Anmerkung: den besten Film, den ich kenne, dessen zentrale Figur ein Vergewaltigungsopfer ist, heißt DER TOD UND DAS MÄDCHEN nach dem Stück von Dorfman. Der Regisseur ist Polanski.