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Feminismen

Daniel Schreiber
Autor und Journalist
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piqer: Daniel Schreiber
Donnerstag, 19.10.2017

Kulturelle Prägung: Christian Gesellmanns großartiger Text über Männer und sexuelle Gewalt

Ich bin so froh über Christian Gesellmanns Text und denke, dass ihn eigentlich jeder lesen sollte. Theresa Bäuerlein, die daran auch mitgearbeitet hat, hat seine Krautreporter-Originalversion schon im Kanal Liebe, Sex und Wir gepostet und klug kommentiert. Hier noch einmal kostenlos bei Zeitmagazin Online, sodass ihn wirklich alle lesen können. Ausgehend von den Enthüllungen über Harvey Weinstein und dem Umstand, dass gerade hunderttausende Frauen unter dem Hashtag #metoo auf Twitter über ihre Erfahrungen mit sexueller Gewalt berichten (unter ihnen sogar die schwedische Außenministerin) fragt sich Gesellmann, warum er über dieses grassierende Thema noch nie mit jemandem gesprochen hat - im Gegensatz zur "Bestäubungsökologie von Feigen" oder der "russische Invasion in Afghanistan". Männer reden über dieses Thema nicht. Und es wird bei diesem Thema auch nicht über sie geredet. Wenn wir über sexuelle Gewalt sprechen, sprechen wir meistens über die Frauen, die sie erfahren, und oft geht das mit dämlichen Hinweisen einher, wie sie sich besser hätten schützen sollen. Wir reden nicht über die Männer, die sie ausüben. Statistisch gesehen, so Gesellmann, kennen wir jedoch alle mehrere Männer, die sexuelle Übergriffe verübt haben. Wie kann das sein? Gesellmann geht seinen Erlebnissen mit Sex und Gewalt nach und spricht dabei auch über seine Erfahrungen als Teenager und die kulturelle Prägung, die heterosexuelle Männer heute erfahren - eine Prägung der Aggression, die sexuelle Übergriffe auf verschiedenste Art entschuldigt und fördert. Ein ungewöhnlicher, toller Text. Große Leseempfehlung!

Kulturelle Prägung: Christian Gesellmanns großartiger Text über Männer und sexuelle Gewalt
9,1
21 Stimmen
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Kommentare 11
  1. Theresia Enzensberger
    Theresia Enzensberger · vor 12 Monaten

    Immer dankenswert, wenn sich Männer solidarisieren und öffentlich nachdenken über so etwas. Irgendwie bereitet es mir trotzdem ein komisches Gefühl, dass der meistgelesene Text in den letzten Tagen zu dem Thema (zumindest in den deutschen Medien) von einem Mann kommt. Und, gegen Ende des Textes auch: Virtue signalling. Meh.

    1. Theresa Bäuerlein
      Theresa Bäuerlein · vor 12 Monaten

      Ich denke, dass der meistgelesene Text von einem Mann kommt, liegt eben genau daran, dass es selten ist, dass ein Mann sich so zu diesem Thema äußert, oder?

      Was wäre ein besserer Vorschlag als virtue signalling?

    2. Theresia Enzensberger
      Theresia Enzensberger · vor 12 Monaten

      @Theresa Bäuerlein Völlig richtig, Daniel. Und daher vielleicht auch gleich meine Antwort an Theresa: Wenn es um Männer gehen soll, könnte man bei dem Phänomen der toxic masculinity anfangen, und in einem so persönlichen Text vielleicht überlegen, was das für Auswirkungen auf einen selbst hatte?

    3. Theresia Enzensberger
      Theresia Enzensberger · vor 12 Monaten
    4. Daniela Becker
      Daniela Becker · vor 12 Monaten

      @Theresia Enzensberger @Theresia Enzensberger Mir ging es beim lesen ähnlich. Und danke für den Tipp zu dem Text von Steffen Greiner. Der wäre einen eigenen Piq wert.
      Ich habe bislang keinen Text gelesen, in dem ein Mann aus seiner Sicht konkret schildert, in welcher Situation, wie und wieso er sexuell belästigt hat (zum Beispiel in beruflicher Situation).
      In dem Themenbereich fällt mir im Grunde Thordis Elva ein, die gemeinsam mit ihrem Vergewaltiger ein Buch geschrieben hat. Das Buch habe ich nicht gelesen, aber ich fand alleine die Berichterstattung darüber schon sehr bemerkenswert.

    5. Theresa Bäuerlein
      Theresa Bäuerlein · vor 12 Monaten

      @Theresia Enzensberger Interessanter Ansatz! Danke für den Tipp!

    6. Tobias Schwarz
      Tobias Schwarz · vor 12 Monaten

      @Theresia Enzensberger Wenn ich mal den vorliegenden Artikel als Beispiel nehmen darf, warum das - aus meiner Sicht - vermutlich nicht funktionieren dürfte:

      der Artikel hier beginnt und endet mit der geforderten reflexiven, aber dennoch starken Männlichkeit. Schwäche ist hier Meta-Stärke. Heldenreise. Der gute Mann lebt, lernt und versteht, daß männliche Sexualität problematisch ist - aber er, ein echter Kerl, ein Guter, kann das verkraften, er weiß, daß diese Doppelbindung sein Schicksal ist. Und nur falls es jemand in Zweifel gezogen hatte: er wurde und wird begehrt von Frauen.

      Echte Schwäche, echtes Versagen, echte Komplexität in Beziehungen, echte Ambivalenz in Aussagen, vielleicht auch echte Schuld, vielleicht auch solche die durch Verhaltensforderungen von Frauen, vielleicht auch nur durch mißverstandene Verhaltensforderungen von Frauen zustande kommt, kommt da nicht vor, kann da nicht vorkommen.

    7. Theresia Enzensberger
      Theresia Enzensberger · vor 12 Monaten

      @Tobias Schwarz Ich nehme an, Sie meinen den Text von Steffen Greiner?
      Ich weiß nicht ... Es geht hier ja nicht um Beziehungen oder Sexualität, wo Ambivalenzen tatsächlich eine große Rolle spielen, sondern um sexualisierte Gewalt und Übergriffe, wo es eigentlich alles nicht so komplex ist, wie man denken würde, wenn man die Grübeltexte der letzten Tage liest.
      Allerdings ist das Thema toxic masculinity/männliche Sozialisierung ja ein weites Feld (ich habe auch ein paar piqs dazu gemacht, zum Beispiel den: www.piqd.de/feminismu...), und da geht es durchaus um "echtes" Versagen. Ich kann auch Jack Urwins Buch "Boys don't Cry" in diesem Zusammenhang empfehlen.

    8. Tobias Schwarz
      Tobias Schwarz · vor 12 Monaten

      @Theresia Enzensberger Hallo - ich meinte eigentlich den von Christian Gesellmann.

      "Es geht hier ja nicht um Beziehungen oder Sexualität, wo Ambivalenzen tatsächlich eine große Rolle spielen, sondern um sexualisierte Gewalt und Übergriffe, wo es eigentlich alles nicht so komplex ist, wie man denken würde, wenn man die Grübeltexte der letzten Tage liest."

      Das ist eine interessante Bemerkung, weil doch eine der Prämissen der Diskussion ist, daß nicht-sexuelles Miteinander, Sexualität und sexuelle Gewalt eben *nicht* so einfach trennbar sind, weil ja alles Teil einer rape culture ist.

      Toxic masculinity gibt es sicher, nur glaube ich, daß der Begriff die Geschlechterdiskussion genausowenig weiter bringen wird, wie der der rape culture, weil diese Begriffe letztlich keinen Erkenntnisfortschritt bringen können, sondern Phänomene nur in vorstrukturierte Diskursmuster einkategorisieren können.

      Männlichkeit gilt ja seit mindestens dem 19. Jahrhundert gesellschaftlich als toxisch -
      www.zeit.de/2012/16/D... - ohne daß sich daran etwas geändert hat. Daran wird auch der aktuelle Genderdiskurs nichts ändern, weil er ja implizit die Rollen repliziert, die er kritisiert. Das war mein Punkt.

    9. Daniel Schreiber
      Daniel Schreiber · vor 12 Monaten

      Ha, ich glaube, du erwartest viel mehr heterosexuellen Männern als ich :)) Du hast natürlich vollkommen recht, aber ich denke auch, dass der Text deswegen so viel gelesen wird, weil diese Perspektive so selten ist und er außerdem ziemlich deutlich zeigt, wo man bei diesem Thema eigentlich anfangen muss: bei der Sozialisierung der Jungs...

    10. Theresa Bäuerlein
      Theresa Bäuerlein · vor 12 Monaten

      Hey Theresia, Christian hat jetzt eine Fortsetzung geschrieben, in der es genau um die Kritik geht, die du hier anbringst: www.piqd.de/liebe-sex...