Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kuratoren aus Journalismus, Wissenschaft und Politik empfehlen
und kommentieren die besten Inhalte im Netz.

Du befindest dich im Kanal:

Feminismen

Barbara Streidl
Journalistin, Musikerin
Zum piqer-Profil
piqer: Barbara Streidl
Donnerstag, 22.06.2017

Keine Feministin, nirgends: Schwesta Ewa macht das, was sonst die harten Jungs machen

Deutschrap muss real sein, sonst funktioniert er nicht. Das wissen die üblichen Verdächtigen wie Sido, Bushido, Marteria, KC Rebell, Maxwell, Antilopen Gang, wie sie alle heißen. Frauen gibt's unter diesen Verdächtigen nicht so viele, umso mehr stechen die, die mitrappen heraus. Schwesta Ewa wurde gerade wegen Steuerhinterziehung und Körperverletzung zu einer Haftstrafe verurteilt.

Die Autorin Katja Engelhardt hat Schwesta Ewa in Frankfurt getroffen und schreibt:

Und damals, als ich Schwesta Ewa gegenüber saß - in ihrer Bar, irgendwann nachts, nach stundenlangem Warten auf das Interview - wurde sehr schnell klar, dass jemand, der wie Schwesta Ewa, jahrelang auf der Straße gearbeitet hat, sehr schnell merkt, mit welchem Typ Mensch sie es zu tun hat und wie sie ihre Geschichte dieser einen Person erzählen will.

Was hat das nun hier bei den Feminismen verloren?

Nun, es ist das alte Spiel: Um Erfolg zu haben im Segment "Deutscher Straßenrap", hat Ewa sehr authentisch über ihr Leben gerappt: Cracksucht, Prostitution, Rotlichtmilieu - und das alles ohne Tatort-Romantik. Mädels in Highheel-Stiefeln als Entourage im Videoclip - das kennt man sonst von den harten Typen (hier gibt's eine Spiegel Online Geschichte über Schwester Ewa). Ewa hat die dicken Hosen angezogen, die eigentlich den Männern gehören - wie Politikerinnen graue Hosenanzüge anziehen, um gut zu ihren Kollegen zu passen.

Vor zwei Jahren gab es im Hiphop-Blog Kopfmusik einen Text namens "Warum Schwesta Ewa (k)eine Feministin" ist (hier zum Nachlesen). Darin heißt, sie

übersetzt gekonnt den Gangstarap-Film in ihren eigenen weiblichen Kosmos. Aus dem Bild des erfolgreichen Drogendealers wird die selbstbewusste Hure, die ihre Freier abzieht.

Das Anziehen der dicken Hose ist zwar der erste Schritt in Richtung Gleichberechtigung, dass sie aber mitmischt im Pool der Frauenfeindlichkeit, das diskreditiert sie für mich als role model in jeder (feministischen) Sicht.

Keine Feministin, nirgends: Schwesta Ewa macht das, was sonst die harten Jungs machen
7,1
5 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Werde piqd Mitglied für unter 4€ pro Monat!