Kanäle
Jetzt personalisiertes
Audiomagazin abonnieren
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Feminismen

Hallo Polizei, hier hat jemand Brüste!

Margarete Stokowski
Autorin
Zum piqer-Profil
Margarete StokowskiMontag, 12.07.2021

Ein Polizeieinsatz an einem Kinderspielplatz in Berlin hat weit über die Hauptstadt hinaus für Aufsehen gesorgt. Eine Frau, die dort mit ihrem Kind war, sonnte sich oben ohne und wurde von der Parkaufsicht aufgefordert, ihre Brüste zu bedecken. Als sie das nicht tat, kam die Polizei.

Wenn Männer mit freiem Oberkörper im Sommer durch die Gegend laufen, dürfen Frauen das auch. Gleiches Recht für alle, so ihr Argument.

Lustigerweise (na ja, "lustig") hieß es in ersten Pressemeldungen zu dem Fall gelegentlich, die Frau habe ihr Baby gestillt und deswegen ihre Brüste rausgeholt. Als wäre das die einzig denkbare Variante, warum man in der Öffentlichkeit mal die Brust einer Frau sehen könnte – während cis Männer im Sommer völlig normal und ungestört oben ohne rumlaufen können, ohne je einen Kommentar dazu zu hören.

In der Berliner Zeitung erzählt Gabrielle Lebreton, so heißt die Frau, nun über die Reaktionen:

„Gerade viele Frauen haben sich bei mir gemeldet. Dazu kamen Dutzende Presseanfragen, nicht nur aus Deutschland.“ (...) Gabrielle Lebreton wollte gar nicht so viel Aufmerksamkeit. „Ich will nicht berühmt werden, das war gar nicht mein Ziel. Ich möchte, dass sich das Gesetz ändert“, erklärt sie entschieden am Telefon. Damit sie das schafft und Frauen wie sie sich ungestört in der Öffentlichkeit oben ohne sonnen können, sucht sie gerade noch einen Anwalt. Gefunden hat sie noch keinen.

Das Bezirksamt Treptow-Köpenick hat ihr ein Gespräch angeboten, hieß es in einer Stellungnahme des Amts:

Die bezirkliche Gleichstellungbeauftragte ist involviert und hat der betreffenden Besucherin bereits ein zeitnahes Gesprächsangebot unterbreitet.

Außerdem gab es am Wochenende eine Oben-ohne-Demo in Berlin, hier ein Bericht vom rbb, darin heißt es:

"Ich finde, wir sind alle gleich, alle haben Nippel, alle haben eine Brust", sagte eine Teilnehmerin am Rande der Protestaktion. "Den Unterschied zu machen, dass Frauen sich obenrum nicht freimachen dürfen, aber Männer schon, das ist eine überholte Vorstellung. Zeit das zu überdenken."

Hallo Polizei, hier hat jemand Brüste!

Möchtest du kommentieren? Dann werde jetzt Mitglied!

Kommentare 11
  1. Ivana Milos
    Ivana Milos · vor 15 Tagen

    Was mich an dem Ganzen irritiert, ist meine Wahrnehmung, dass das Ganze noch vor 10 (20?) Jahren hier in Berlin nahezu niemanden interessiert hätte, ob da jemand oben ohne rumturnt, lagen ja auch genug Nackige im Tiergarten schon.
    Aber aus den komplexen Verstrickungen der letzten ein, zwei Jahrzehnte unter Befeuerung von neuartigen Selbstdarstellungs- und Dating"dogmen", unverwüstlich verknüpft mit eingerasteten Rollenvorstellungen, neuen Selbstvermarktungsmechanismen (v. a. so 'ner schrägen Hyper-Sexiness) ist irgendwo die schon mal erreichte Entspanntheit flöten gegangen.

    Jetzt fällt mir passenderweise der UraltTitel Houellebecqs ein :
    "Ausweitung der Kampfzone" - mit immer härter werdendem Geschütz

  2. Norbert Simon
    Norbert Simon · vor 15 Tagen · bearbeitet vor 15 Tagen

    Ist es wirklich so einfach: Alle dürfen sich bis zum Gürtel oben rum nackig machen → Gleichberechtigung?

    Objektiv betrachtet gibt es dann keinen Grund, beim Gürtel aufzuhören. Wenn die Unterschiede oben keine Rolle spielen, warum dann unten?

    Was hätte Frau Lebreton wohl gemacht, wenn sich pubertierende Jugendliche oder notgeile Männer sabbernd um sie versammelt hätten?

    Ich unterstelle vorsichtig, dass sie selbst die Ordnungskräfte gerufen hätte, die sie dann – womöglich – darauf hingewiesen hätten, dass blanke Frauen-Brüste immer Bewunderer finden, sie also aushalten müsse, dass ihr freiwillig angebotener Anblick eine Wirkung hat. Wäre ihr das dann recht gewesen?

    Die Frage muss wohl eher lauten: Dürfen Männer sich auf einem Kinderspielplatz (obenrum) entblößen? Weshalb regt das niemanden auf? Ist das wirklich so?

    Zur Vermeidung von Missverständnissen ist es womöglich kein zielführender Ansatz, weitere Optionen für Fehleinschätzungen anzufügen. Vielmehr sollte die Polizei gleichermaßen Männer zur Ordnung rufen (= bedecken), die an dafür unpassenden Orten, zu denen ich persönlich einen öffentlichen Kinderspielplatz zähle, die „Kleiderordnung“ missachten.

    Was zweifellos in öffentlichen Parks fehlt ist die offizielle Option, dass (an dafür ausgewiesenen Orten?) »alle« das Gleiche dürfen. Von mir aus auch „ganz nackig“. Wobei „ausgewiesene Orte“ dann den gleichen Schutz der Polizei genießen, sie dort also alle Spanner freundlich aber bestimmt zum „blankziehen oder weitergehen“ auffordert.

    1. Gabriele Feile
      Gabriele Feile · vor 15 Tagen · bearbeitet vor 15 Tagen

      "Die Frage muss wohl eher lauten: Dürfen Männer sich auf einem Kinderspielplatz (obenrum) entblößen? Weshalb regt das niemanden auf? Ist das wirklich so?"

      Stimmt: Warum fragen wir das nicht? Und woher kommt das überhaupt, das sich obenrum Entblößen bei Männern? So toll ist der Anblick auch nicht immer.

      Als ich in den VAE gelebt habe, gab es recht strenge Kleidungsvorschriften auch für Männer: z.B. keine entblößten Beine und Arme. Doch das ist natürlich auch kein freies Land.

      Ist schon irgendwie anstrengend, das mit der Freiheit und der Gleichberechtigung..

    2. Norbert Simon
      Norbert Simon · vor 15 Tagen

      @Gabriele Feile Warum … : Deshalb frag ich es ja.

      „Obenrum nackig machen“ hat wahrscheinlich was mit steinzeitlichem Balzgehabe zu tun: Zeigen, was man doch für ein stattlicher Kerl ist. Dass die Jungs damals im allgemeinen Durchschnitt vermutlich für die Mädels leckerer ausgesehen haben, als so mancher Hefeweizen-Tanker heute, hat die Evolution offenkundig verdrängt.

      Freiheit und Gleichberechtigung sind „Arbeit“. Ich sehe es dabei so, dass es keineswegs immer nur in eine Richtung Zugeständnisse geben muss, sondern Einschränkung im Sinne von Rücksichtnahme durchaus gleichermaßen geeignet ist, Fairness zu erreichen.

    3. Cornelia Gliem
      Cornelia Gliem · vor 10 Tagen

      notgeile Männer und Bewunderung - von Ihnen zusammengedacht und so bedenklich.

      Ich stimme zu dass Gleichberechtigung hier nicht ganz greift und zwar weil nun mal weibliche Büste als sekundäre Geschlechtsmerkmale (sexualisiert) gelten und männliche nicht.
      ähm im Gegenteil.

      Dennoch unterstützte ich die Forderung danach, dass Frauen sich dort wo Männer es dürfen oben rum entblößen dürfen.
      Denn weibliche Brüste waren und sind nicht überall sexualisiert und erotisiert.
      und müssen es auch bei uns nicht sein.
      Sehen wir ja an der Diskussion um s Stillen in der Öffentlichkeit.

    4. Norbert Simon
      Norbert Simon · vor 8 Tagen · bearbeitet vor 8 Tagen

      @Cornelia Gliem Mit Verlaub: Was wäre wohl los, wenn Polizisten – nein noch besser – Polizistinnen das Kind beim Namen nennen würden und der Dame sagen »Die geilen Böcke haben schon länger kein blankes Fleisch mehr gesehen – damit hätten sie ebenso rechnen müssen, wie mit verklemmten Tussen, die neidisch auf Ihre strammen Titten sind.«

      In alle Richtungen „verkackt“: Dame beleidigt, weil sie als zu doof für Vorausschau bezeichnet wird, Kerle beleidigt, weil notgeil tituliert, Furienaufstand ausgelöst, weil verklemmte meistens Furien sind – in so einer Situation ist es m.E. keineswegs „bedenklich“, vielmehr geboten, sich einer diplomatischen Sprache zu bedienen.

      Wenn in Kirchen „Halbnackte“ von der Decke hängen, während unten der Küster Frauen mit tiefem Ausschnitt bittet, sie mögen sich bedecken, wird „nicht überall sexualisiert und erotisch“ ein echtes Kommunikationsproblem ;)

  3. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · vor 16 Tagen

    ...ich stelle mir vor, wie dereinst die siegreiche Nationalfrauschaft nach Abpfiff jubelnd die Hemden über den Kopf reisst. Und wenn sie es machen, wie unlängst die italienischen Herren, auch noch die Shorts ins Publikum werfen. Die FIFA Bildregie wird sich noch regenbogenbeleuchtete Stadien und Flitzer wünschen.

    1. Norbert Simon
      Norbert Simon · vor 15 Tagen

      Sehr wahrscheinlich hätte die FIFA damit ein Problem, wobei ich persönlich der Meinung bin, dass das Problem FIFA heißt.

      Ich nehme an, dass auch Frauenmannschaften unter dem Trikot (Hemd, Hose) Unterbekleidung tragen. Die Damen wären nach einem vergleichbaren Freudentaumel „schlimmstenfalls“ Bikini-Schönheiten, also ein anmutiger Anblick von »Frauen-Power«.

    2. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor 15 Tagen

      @Norbert Simon jaja...aber meine Bilder sind schöner als deine! :)

    3. Norbert Simon
      Norbert Simon · vor 15 Tagen

      @Marcus von Jordan Mein Kommentar zielte keineswegs auf „schönere Bilder“. Vielmehr gibt es keinen Grund Frauen „züchtigeren Jubel“ vorzuschreiben – schon gar nicht von einem „Altherren-Club“ wie der FIFA.

    4. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor 15 Tagen

      @Norbert Simon hab ich schon verstanden...

Bleib immer informiert! Hier gibt's den Kanal Feminismen als Newsletter.

Abonnieren

Deine Hörempfehlungen
direkt aufs Handy!

Einfach die Hörempfehlungen unserer KuratorInnen als Feed in deinem Podcatcher abonnieren. Fertig ist das Ohrenglück!

Öffne deinen Podcast Feed in AntennaPod:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Apple Podcasts:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Downcast:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Instacast:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Apple Podcasts:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Podgrasp:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Bitte kopiere die URL und füge sie in deine
Podcast- oder RSS-APP ein.

Wenn du fertig bist,
kannst du das Fenster schließen.

Link wurde in die Zwischenablage kopiert.

Öffne deinen Podcast Feed in gpodder.net:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Pocket Casts:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.