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Feminismen

Meike Leopold
Kommunikationsexpertin

Kommunikationsexpertin mit Wurzeln im Journalismus. Unternehmensbloggerin der ersten Stunde. Buchautorin und Speakerin. Seit 2016 selbstständige Beraterin für (digitale) Unternehmenskommunikation. Bloggt auf www.start-talking.de.

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piqer: Meike Leopold
Mittwoch, 08.05.2019

Die Riesenbaustelle Digitalisierung braucht dringend mehr Frauen

Digitalisierung ist ohne Frauen nicht machbar. Denn Diversität fördert nachweislich Innovationen. Zu diesem wichtigen Thema habe ich in jüngster Zeit zwei Beiträge gefunden. Einer hebt besonders die sozialen Kompetenzen von Frauen hervor.

Ich habe mich jedoch entschieden, lieber diesen Gastartikel von Anna Christmann (Die Grünen) zu piqen. Aus welchem Grund? Zum einen führt er anschauliche Zahlen auf, die die gegenwärtige Misere verdeutlichen. Ein Beispiel von großer Symbolkraft: Frauen finden beim jährlichen Digitalgipfel der Bundesregierung kaum statt. Nur 25 Prozent waren in den vergangenen Jahren auf den Podien des notorischen "Männergipfels" zu finden (die republica zeigt, dass es anders geht).

Außerdem benennt der Beitrag konkret, welche Fehlentwicklungen in der Digitalisierung zu erwarten sind, wenn Frauen weiterhin unterrepräsentiert bleiben. Mir fallen dazu beispielsweise all die schicken Smarthome Gadgets ein, die offenbar nur selten aus Sicht der Zielgruppe Frau entwickelt werden. Und deshalb auch immer noch am Markt floppen. Anna Christmann hat weitere Beispiele:

Wir können die Digitalisierung nur zum Wohl der Gesellschaft gestalten, wenn auch alle Teile der Gesellschaft an ihrer Gestaltung teilhaben. Sonst bleiben viele digitale Anwendungen, seien es Gesundheitsapps oder intelligente Karriereportale, auf die Bedürfnisse von Männern beschränkt – schlicht weil sie meistens von Männern entwickelt werden.

Die Lösung sieht die Autorin logischerweise in der Bildung: In der Informatik liegt der Anteil der Absolventinnen immer noch unter 20 Prozent. Nur 12 Prozent der Informatik-Professoren sind Frauen. Um das zu ändern, brauche es mehr spezialisierte Lehrangebote im Bereich Informatik, die sich ausschließlich an Frauen wenden, so Christmann. Diese hätten sich bereits bewährt. Auch in den Schulen sei es mit dem "Girls Day" alleine nicht getan. Fazit: Ohne Frauen läuft es schief auf der Riesenbaustelle Digitalisierung. Höchste Zeit, das Thema anzupacken!

Die Riesenbaustelle Digitalisierung braucht dringend mehr Frauen
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Kommentare 7
  1. Daniela Becker
    Daniela Becker · Erstellt vor 3 Monaten ·

    Lese diesen Piq in der Kaffeepause einer Konferenz zur Digitalisierung von Energiesystemen. Referentinnen: Null, Teilnehmerinnen unter 10 Prozent.

    1. Meike Leopold
      Meike Leopold · Erstellt vor 3 Monaten ·

      :( es geht immer noch schlimmer

  2. Felix TheC
    Felix TheC · Erstellt vor 3 Monaten ·

    Grundsätzlich ist das ein riesen Problem. Aber wieso sollen da "Girls-only" Events helfen? Das schafft doch nur wieder andere exklusive Gruppen und schließt andere aus.

    1. Meike Leopold
      Meike Leopold · Erstellt vor 3 Monaten ·

      Das wird in dem Artikel recht gut erklärt

    2. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · Erstellt vor 3 Monaten ·

      @Meike Leopold ich finde nicht, dass der (sonst sehr gute)Text das gut erklärt...dieses "Zeichen setzen", der paritätische Anspruch bei der Besetzung der Podien bei der republica oder so ein Frauengipfel - das leuchtet mir sofort ein. Unternehmen, Parteien, Schulen müssen begreifen, dass sie davon profitieren, wenn sie hohe Frauenanteile auf allen Ebenen realisieren. Kaum jemand wir bezweifeln, dass "die Grünen" auf das beste und profilierteste Personal zugreifen können....warum wohl?

      Aber warum ein Frauenstudiengang helfen soll verstehe ich nicht. Ist der denn divers? Frauen studieren links und Männer rechts? Und wie sieht das dann am Arbeitsplatz aus? Das mag schon als Detaillösung ein sinnvolles Angebot sein, aber müsste das eigentliche Ziel nicht die Aufhebung dieser Trennung sein und zwar von Anfang an?
      Wie kann man das befördern? Eines erscheint mir sicher - es wird neben viel Engagement auch einiges an Zeit brauchen und insofern auch Geduld...manchmal habe ich den Eindruck, dass diese nachvollziehbarerweise nicht vorliegt und auf der Basis eher kontraproduktive "Zwangsmaßnahmen" ersonnen werden.

      Mir fällt noch ein: ich hörte auf einer Veranstaltung, dass sehr viele Frauen wieder aussteigen aus digital-technischen Jobs, weil die Szene besonders toxisch-männlich und/oder sexistisch ist. Den Frauen ist nicht geholfen, wenn man sie im Studium "abschirmt" oder?

  3. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · Erstellt vor 3 Monaten ·

    Zu kurz gesprungen ist mir diese allgemeine Forderungen nach dem souveränen digitalen Umgang ab der KITA. Das ist völlig geschlechtsunabhängig viel zu unkritisch. Auch auf der republica war deutlich zu spüren, dass inzwischen auch die eingefleischten "digital fan-girls ´n boys" ins Grübeln kommen...was macht das eigentlich alles mit uns? Wird eigentlich etwas besser? Kann ich noch lesen? Können meine Kinder noch lesen?
    Als Vater von zwei Teenagern kann man nicht umhin sehr grundsätzlich zu überlegen, was für tatsächlich qualitative Angebote "das Digitale" eigentlich an Kinder macht. Und wie offensichtlich die toxischen Potentiale sind. Will sagen: die Möglichkeiten sind grandios, die Inhalte und teilweise auch die Dynamiken sind es nicht. Nachrüstung wird dauern und in der Situation ist der Ruf nach "mehr digital" für noch Jüngere nicht klug.

  4. Fritz Iversen
    Fritz Iversen · Erstellt vor 3 Monaten ·

    Einerseits sehne ich mich dringend danach, dass Frauen mehr Gewicht in gesellschaftlich relevanten Positionen bekommen - damit meine ich Positionen, wo die Gesellschaft sich Zug um Zug weiter voran gestaltet (Politik, Wirtschaft, Medien, etc.). Andererseits mache ich mir um beinahe nichts so wenig Sorgen, dass genau dies in den nächsten Jahren passiert. Der Aufstieg der Frauen ist ein Megatrend, den niemand mehr aufhält. Derzeit besonders deutlich in der Politik, wo es immer wieder Frauen sind, die die höchste Durchschlagskraft und stäkste Veränderungsenergie entwickeln.
    In der Informatik ist das Bild übrigens bereits gemischter, als gemeint. In einzelnen Disziplinen wächst der Frauenanteil kontinuierlich (Medieninformatik), in einigen der anspruchvollsten Sondergebiete nähert sich der Frauenanteil der Parität (Bio- und Medizininformatik mit rund 37 bzw. 45%). Ich sehe gerade keine Zahlen zu Computerlinguistik, vermute da aber auch einen eher hohen Frauenanteil.
    Trotzdem bleibt der Tatbestand einer unausgewogenen Gesamtsituation. Ich würde, was die frühe Bildung angeht, wie Marcus, mitnichten mehr Computerunterricht fördern, sondern mehr Mathematik (und Sport) vorschlagen. Ängste und Frust im Informatikstudium (andere technische Fächer genauso) kommen aus Angst und Frust in der Mathematik. Und Sport stärkt innerlich mehr als das Hantieren mit Bildungsapps.
    An den Hochschulen würde ich das gemeinschaftliche Lernen nicht aufgeben, allerdings teilweise quotieren. Bei dem neu eingerichteten Master-Studiengang "Data Analysis" der Uni Potsdam wurden z.B. die begehrten Studienplätze 50:50 vergeben (ich glaube, die Nachfrage überstieg das Angebot um rund das 10-fache). Quotierung zu fordern ist nicht unproblematisch, logisch. Das Gerechtigkeitsproblem gegenüber den einzelnen Bewerbenden ist ja evident. Ich würde es trotzdem begrüßen, an verschiedenen Hochschulen in den Bundesländern damit für einige Jahre zu experimentieren, einfach um zu sehen, was ein solcher künstlicher Ausgleich effektiv bringt. Ansonsten müssen die Angebote eben insgesamt ausgebaut werden, so dass quotierte Angebote am Ende niemanden Begabten im Regen stehen lassen.
    Was die Digital-Events angeht, kippt die Geschichte schon in die richtige Richtung, und das geht wesentlich rasanter als noch in den 50er bis 80er Jahren. Da muss man nur mit etwas Beharrlichkeit und Giftigkeit wieder und wieder auf die Lächerlichkeit hinweisen - in ca. 2 Jahren hat es auch der letzte Landrat begriffen, dass die Only-Men-Shows niemand mehr haben will.
    Neben den zivilisatorisch rückständigen Männern (jung und alt) stellen die Bremser moderner weiblicher Rollenmodelle allerdings woanders ihre überwältigende Sichtbarkeit her, z.B. in (Privat-)-TV, Instagram, Publikumszeitschriften. Das ist der Hintergrund, vor dem sich Männer so leicht als geborene Chefs und Inhaber höherer Wichtigkeit inszenieren können. Da müsste eigentlich mal ein großer überfraktioneller, crossmedialer Frauen-Medien-Kongress her.

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