Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

Feminismen

Homosexualität

Wir sind AktivistInnen und DenkerInnen, die Feminismus neu und pluralistisch denken. Wir akzeptieren die kollektive Selbsttäuschung nicht, die nach wie vor die gesellschaftliche Debatte dominiert, sobald es um Themen wie Homophobie, Gender Mainstreaming und Sexismus geht. Wir beleuchten die historische und gegenwärtige Diskriminierung von homosexuellen Menschen und treten aktiv für Rechte der LGBTQI-Community ein.

Weitere Informationen zum Thema Homosexualität

Homosexualität bezeichnet dreierlei: homosexuelles Verhalten, homosexuelles Begehren und sexuelle Identität - sich also als schwul oder lesbisch zu definieren -, die nicht zwingend zusammenfallen müssen. In der Umgangssprache werden diese drei Aspekte (fälschlicherweise) jedoch häufig vermischt oder gleichgesetzt.

In der Geschichte der Homosexualität wurde diese teils toleriert oder gar befürwortet, teils verfolgt, untersagt und verurteilt. Letzteres gilt insbesondere für die drei Abrahamitischen Weltreligionen Islam, Judentum und Christentum. Gleichgeschlechtliche Liebe ist in allen Epochen und Gesellschaften nachweisbar. Dagegen gilt die Entdeckung der sexuellen Identität und Orientierung als eine Entstehung der Moderne. Erfunden wurde der Begriff Homosexualität von dem österreichisch-ungarischen Schriftsteller Karl Maria Benkert (1869). Bis dahin hatte es in keiner Sprache einen vergleichbaren Begriff für gleichgeschlechtliches Verhalten gegeben. Allerdings wird auch er den zahlreichen, unterschiedlichen Schattierungen menschlichen Verlangens nicht wirklich gerecht. Von Anfang an war die Konstruktion des Begriffes der Erklärungsversuch einer Abweichung von der "Norm". Die Erklärungsmodelle für die Entstehung von homosexuellen Neigungen reichen von genetischen über endokrinologische bis hin zu psychoanalytischen Erklärungsmodellen. Auch wird mitunter davon ausgegangen, dass es sich bei homosexuellem Verhalten von Teilen der Population um ein Phänomen handelt, das durch die natürliche Evolution entstanden und in der belebten Natur weit verbreitet ist.

Der Begriff "Homosexualität" ist eine Wortneubildung, die sich aus dem Griechischen "homos" ("gleich") und dem Lateinischen "sexus" ("Geschlecht") zusammensetzt. Ihr Antonym ist der Begriff der "Heterosexualität". Seit 1900 wurde der Begriff "Gleichgeschlechtlichkeit" ins Spiel gebracht, um das Missverständnis zu vermeiden, "Homosexualität" beziehe sich nicht auf Frauen, sondern einzig und allein auf Männer. Warum man sich mit dem Thema Homosexualität beschäftigen sollte? Nun, laut Statistik sind zwischen 3 und 10 Prozent der Bevölkerung homosexuell. Auch heute noch können abfällige, verletzende und ausgrenzende Bemerkungen über Schwule oder Lesben bei Betroffenen Ängste und Verzweiflung auslösen. Um dem entgegenzuwirken, gilt es, das Bewusstsein für das Thema zu stärken. Denn: Nicht selten empfinden Homosexuelle - insbesondere homosexuelle Jugendliche - ein Gefühl der Ohnmacht und Einsamkeit. So ist die Suizidneigung unter homosexuellen Jugendlichen viermal höher als bei anderen Jugendlichen.

Die Akzeptanz gegenüber Homosexuellen mag in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen sein - doch noch immer sehen homosexuelle Frauen und Männer sich Problemen und Anfeindungen gegenüber. Weltweit werden Homosexuelle derzeit in 78 der 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen strafrechtlich verfolgt - so beispielsweise in Uganda, Nigeria, Tansania, Angila, Jamaika und Simbabwe. In Ländern wie Iran, Sudan, Jemen, Mauretanien und Saudi-Arabien ist sogar die Todesstrafe für Geschlechtsverkehr unter Homosexuellen vorgesehen. Doch auch in einigen europäischen Ländern, so beispielsweise in Russland, Albanien und Weißrussland, ist und bleibt die Lage bedenklich und unüberschaubar. In Polen und Lettland werden Demonstrationen für Toleranz gegenüber Lesben und Schwulen konfrontiert, mitunter sogar verboten. Unabhängig von der Diskriminierung durch bestimmte Bevölkerungs- und Gesellschaftsgruppen sind Lesben und Schwule nicht selten homophoben Angriffen durch Menschen mit Angst vor der eigenen, latent vorhandenen Homosexualität ausgesetzt.

Heutzutage wird die rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen mit Heterosexuellen weitgehend begrüßt. Umstritten ist und bleibt hingegen, ob man sich damit gesellschaftlich den klassisch bürgerlichen Normen der Ehe annähern möchte. Inzwischen haben zahlreiche Länder die sogenannte "Homoehe" ermöglicht, so beispielsweise Niederlande (2001), Kanada (2005), Schweden (2009) Portugal (2010), Frankreich (2013), Irland (2015) und Kolumbien (2016). In Deutschland sowie Österreich und Australien befindet sich die Öffnung der Ehe für Homosexuelle in der Diskussion. Bis dahin existiert die Möglichkeit der registrierten Partnerschaft, die teils über dieselben Rechte, teils über geringere Rechte wie die Ehe verfügt.