Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

Feminismen

Gender

Mag sein, dass Männer sich im Großen und Ganzen ein wenig besser orientieren können als Frauen, und dass Frauen im Allgemeinen etwas besser über Gefühle reden können als Männer. Geschenkt. Das sagt rein gar nichts über den Eizelfall aus. Es gibt nämlich Frauen, die allein die Alpen überqueren und Männer, die hoch-empathisch mit kleinen Kindern spielen. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind weitaus geringer als die zwischen zwei Indivuen. Welche geschlechtsspezifischen Zuschreibungen gibt es in unserer Gesellschaft und zu was werden wir durch Erziehung und Vorbilder gemacht? Dieser Kanal beschäftigt sich genau damit.

Weitere Informationen zum Thema Gender

Der Begriff "Gender" ist ein Konstrukt der Sozialwissenschaften, das die durch Kultur und Gesellschaft geprägten Geschlechtseigenschaften einer Person beschreibt. In Abgrenzung zum biologischen Geschlecht ("sex") meint Gender das "soziale Geschlecht". Im Zuge des amerikanischen Feminismus etabliert wurde der Begriff durch Gayle Rubin (1975). Später wurde er ins Deutsche übernommen, um auch hier eine einfachere Unterscheidung zwischen sozialem Geschlecht und biologischem Geschlecht vornehmen zu können.

Der Begriff "Geschlecht" wurde im Deutschen lange für die Beschreibung der Herkunft oder Zugehörigkeit einer Person verwendet, so beispielsweise im Zusammenhang der Ständeordnung ("Adelsgeschlecht"). Erst später erfolgte die Verschiebung der Wortbedeutung hin zu Lateinisch "sexus" für das biologische Geschlecht eines Menschen. Im Englischen diente der Begriff "gender" lange ausschließlich der Beschreibung des grammatischen Geschlechts. Heute bezeichnet er - sozialwissenschaftlich gesehen - die gesellschaftliche Geschlechterrolle sowie die sozialen Geschlechtsmerkmale. Er bezieht sich auf alles, was kulturell als geschlechtstypisch angesehen wird, so beispielsweise auf Beruf oder Kleidung. Dagegen bezieht er sich nicht oder zumindest nicht unmittelbar auf körperliche Geschlechtsmerkmale ("sex").

Zunächst wurde der Begriff Gender hauptsächlich verwendet, um Personen zu beschreiben, die sich nicht als weiblich oder männlich einordnen ließen - so beispielsweise Transsexuelle oder Intersexuelle. 1955 führte der Psychologe John Money in diesem Zusammenhang die Begriffe "gender role" und "gender identity" ein, um die Diskrepanz zwischen erwarteten und tatsächlichem (geschlechterspezifischen) Verhalten debattierbar zu machen. In den 1970er Jahren rückten auch Frauen und Mädchen in den Fokus der Genderforschung. Insbesondere von der feministischen Forschung entdeckt, wurde das Konzept Gender von da an stetig weiterentwickelt und bildete schon bald die Basis für die feministische Kritik an den Verhältnissen zwischen Frauen und Männern. So wurde beispielsweise der auf physischen und psychologischen Zuschreibungen basierende Ausschluss von Frauen aus bestimmten Berufen hinterfragt. Seit den 1980er Jahren erscheint die begriffliche Trennung zwischen dem sozialen Geschlecht ("gender") und dem biologischen Geschlecht ("sex") als zentral.

In den Gender Studies, einer Form sozialwissenschaftlicher Gender-Forschung, wird Gender als eine Geschlechterkonstruktion ("Doing Gender") verstanden. Vordergründig geht es um die Zuordnung von Personen in eine typisch weibliche oder typisch männliche Rolle. Ebenfalls im Fokus der Überlegungen steht der Wert der Geschlechtsrolle. Gender beschreibt die Art und Weise, in der Frauen und Männer ihre gesellschaftliche Rolle bewerten. Gender und seine Bewertung sind stets von den Machtstrukturen innerhalb einer Gesellschaft abhängig. So zeigt sich die Genderproblematik in einer patriarchalen anders als in einer matriarchalen Gesellschaft, weil die Begriffe "Weiblichkeit" und "Männlichkeit" in den verschiedenen Gesellschaften unterschiedlich bewertet werden.

Der Begriff Gender findet auch in der Beschreibung von Kulturen mit mehreren Geschlechtern Verwendung. So kennen die Einwohner von Amarete in Bolivien zehn verschiedene Geschlechterkategorien, die nicht nur das biologische Geschlecht, sondern auch das Geschlecht des Amtes oder das Geschlecht des Ackerlandes umschreiben. Die Einwohner von Juchitán de Zaragoza kennen nicht nur Frau und Mann, sondern auch muxe und marimacha - Formen des Cross-Gender. Die Bugis in Indonesien kennen fünf verschiedene (soziale) Geschlechter: Neben den zwei biologischen Geschlechtern gibt es hier drei soziale Geschlechter - bisu, calalai und calabai. Bisu - Schamanen - vereinen die Facetten von Frauen und Männern.