Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

Feminismen

Frauenquote

Frauen bevorzugt einstellen, nur weil sie Frauen sind? Das ist doch unwürdig. Wer ist schon gerne ein Quotenfrau? Frauen sind doch heute genauso gut ausgebildet wie Männer, wenn nicht besser. Da braucht es doch keine Quote! Der oder die beste bekommt den Job, ist doch klar. Nur komisch, dass sich diese gläserne Decke eisern hält und Frauen in bestimmten Berufen, in Führungspositionen und sogar auf Rockkonzerten einfach nicht durchsetzen können - ganz egal, wie gut, toll und kompetent sie sind. Brauchen wir vielleicht eine Rehabilitation des Begriffs Frauenquote und sollten lernen, stolz darauf zu sein, eine Quotenfrau zu sein?

Weitere Informationen zum Thema Frauenquote

Der Begriff Frauenquote beziehungsweise Geschlechterquote ist ein Begriff, der eine gender- oder geschlechterbezogene Quotenregelung in der Besetzung von Stellen oder Gremien bezeichnet. Das Ziel ist die Gleichstellung von Frauen und Männern in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Quotenregelungen basieren auf der Annahme, dass ein Anteil unterrepräsentierter Gruppen in bestimmten Positionen ökonomisch wichtig und sinnvoll ist - so beispielsweise, weil Frauen nicht nur die Hälfte der Bevölkerung, sondern die Hälfte des Könnens/Talents ausmachen.

Seit den 1980er Jahren werden Quotenregelungen als Instrument der Personalpolitik verstanden. Ihre Einführung wurde bereits in zahlreichen europäischen Ländern durchgesetzt. In der Privatwirtschaft werden sie noch immer kontrovers diskutiert. Basis der Quotenregelung ist die Umsetzung der Frauenrechte. Das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW) der Vereinten Nationen beschreibt das Ziel, die Diskriminierung der Frau politisch zu beseitigen. Auch der UN-Ausschuss über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (CESCR) empfiehlt die Einführung einer Quotenregelung, um auf diese Art und Weise die Benachteiligung von Frauen auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu bekämpfen. Argumente hierfür sind Gerechtigkeitsaspekte, makroökonomische und mikroökonomische Gründe. So wird angenommen, dass eine Frauenquote ein langfristiges Umdenken in Ökonomie und Gesellschaft bewirken könnte. Außerdem könnten auf diese Art und Weise weibliche Vorbilder in männlich dominierten Berufen einziehen. So könnte nicht nur die Ungleichheit des Erwerbseinkommens zwischen Frauen und Männern, sondern auch der Fachkräftemangel in den Ingenieursberufen und Naturwissenschaften bekämpft werden.

Psychologische und verhaltenswissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass eine kritische Masse von Frauen benötigt wird, um Diversity-Effekte zu erreichen. So scheinen drei oder mehr Frauen die Dynamik und Gouvernanz einer Gruppe von Grund auf zu verbessern. Für gewöhnlich werden Frauenquoten von 30 bis 40 Prozent gefordert, um so strukturelle und geschlechterdiskriminierende Mechanismen überwinden zu können. Eine absolute Quotenregelung bevorzugt Frauen als Arbeitnehmer so lange prinzipiell, bis die angestrebte Frauenquote erreicht ist. Dagegen ist eine relative Quotenregelung so formuliert, dass bei gleicher Qualifikation eine Bewerberin einem Bewerber vorgezogen werden soll, um auf diese Art und Weise die angestrebte Frauenquote zu erreichen. Diese Regelung wird nicht selten kritisiert, weil die Ausgangsbedingung der gleichen Qualifikation zu viel Interpretationsspielraum lasse.

Umsetzungen von Frauenquoten erfolgen in vielen verschiedenen Bereichen, so beispielsweise in der Politik bei der Besetzung von Wahlämtern sowie Wahlmandaten oder in der Wirtschaft bei der Stellenbesetzung von Aufsichtsräten und Führungspositionen. So haben die Grünen bereits bei ihrer Parteigründung eine Frauenquote beschlossen, die sich auf die Hälfte aller Ämter beläuft. 1988 beschloss die SPD eine Frauenquote von 33 Prozent. Seit der Einführung von Frauenquoten in der Politik ist der Anteil von Frauen im deutschen Bundestag kontinuierlich angestiegen. Dagegen scheiterte ein Gleichstellungsgesetz für die private Wirtschaft am Widerstand der Unternehmerverbände. Einzelne Konzerne, so beispielsweise die Deutsche Telekom, haben Frauenquoten erwogen oder eingeführt. Das Gleichstellungsgesetz für den öffentlichen Dienst enthält eine relative Quotenregelung. So werden bei gleicher Qualifikation Bewerberinnen bevorzugt. Doch auch in anderen Bereichen als Politik, Wirtschaft und öffentlicher Dienst werden Frauenquoten gefordert. So fordert der Verein Pro Quote Medien eine Frauenquote von 30 Prozent für Führungspositionen in den Redaktionen von Printmedien. Der Verein Pro Quote Medizin - ein Verband von Ärzten und Medizinwissenschaftlern - verlangt eine Frauenquote von 40 Prozent im Medizinsektor. Derweil befürchten Gegner der Frauenquote die Diskriminierung der Männer.