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Feminismen

Emanzipation

Emanzipation – ist das nicht bloß ein Synonym für Verspanntheit? Und überhaupt: Hat die Frauenquote nicht längst Alice Schwarzer geregelt?

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Das lateinische Wort „mancipatio“ setzt sich aus „manus“ (Hand) und „capere“ (nehmen) zusammen. Ein „Auflegen der Hand“ bedeutete im alten Rom, eine Sache (oder einen Menschen) in Besitz zu nehmen. Das Wort emancipatio („e“ heißt „aus“) steht für eine Freigabe: Ein volljähriger Sohn (oder ein Sklave) wurde aus dem „Besitz“ der väterlichen Gewalt entlassen. Freiheit konnte in dieser ursprünglichen Wortbedeutung von Emanzipation also nicht selbst erkämpft, sondern nur von einer höhergestellten Instanz, dem Vater, gewährt werden.

Erst im 17. Jahrhundert, im Zeitalter der Aufklärung, wurde der Begriff Emanzipation neu besetzt: Aus einem Akt des Entgegennehmens wurde ein Akt selbstständiger Befreiung – sei es gesellschaftlich, politisch oder innerlich. Emanzipation stand nunmehr für die Selbstbefreiung aus Strukturen der Unterdrückung und Bevormundung, für die aktive und bewusste Gestaltung von Freiheitsrechten. Das spätere Konzept der Menschenrechte ist eng mit der aufklärerischen Idee des Naturrechtes verknüpft; die Zielgruppe der „neuen“ Emanzipation im Zeitalter der Aufklärung aber bestand weiterhin aus Männern.

Erste Bewegungen für eine Emanzipation der Frauen formierten sich bereits im 12. Jahrhundert: Die Ordensschwestern der Beginen lebten entgegen der kirchlichen Regeln nicht in Klausur und ohne Gelübde zusammen; sie nahmen sich die Freiheit, jederzeit wieder aus der Gemeinschaft auszutreten und zu heiraten – was ihnen den Status als Ketzerinnen und in vielen Fällen auch die Verbrennung auf dem Scheiterhaufen einbrachte. Im 18. Jahrhundert forderte die Frauenrechtlerin Olympe de Gouges, dass die Ideale der Französischen Revolution, Freiheit und Gleichheit, nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen gelten sollten; sie wurde als Royalistin angeklagt und enthauptet.

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in Großbritannien und den Vereinigten Staaten den ersten großen Durchbruch in Richtung Emanzipation: Eine Frauenbewegung namens Suffragetten. „Suffrage“ bedeutet im Englischen und Französischen „Wahlrecht“ – die englische Presse hatte den Begriff der „Suffragetten“ ursprünglich verwendet, um die Wahlrechts-Aktivistinnen herabzuwürdigen. Diese jedoch vereinnahmten den Begriff erfolgreich für sich.

Emanzipation bedeutete für die erste Frauenbewegung die Erlangung von Bürgerrechten, die ihnen bislang vorenthalten worden waren. Sie forderten das Recht auf Bildung, Privateigentum und Erwerbsarbeit sowie das Recht, wählen zu gehen.

Während die Suffragettenbewegung vornehmlich aus bürgerlichen Frauen bestand, entstammten die Kämpferinnen für Frauenrechte in Deutschland eher der Arbeiterbewegung. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs kamen die Frauenbewegungen zunächst zum Erliegen – um Mitte der 1940er Jahre von Frankreich aus erneut zu erstarken.

Doch erst nach den Studentenunruhen der 1960er Jahre wurde die traditionelle normative Rollenverteilung von Mann und Frau konsequent hinterfragt – und auch wenn das Ziel der Emanzipation, Freiheit und Gleichheit, eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, stellen sich ihr bis heute erbitterte Gegner entgegen. Frauenrechtlerinnen, die ökonomische Ausbeutungsstrukturen, unentrinnbare Klassenpositionen, Rassismus oder Heterosexismus kritisieren, werden abwertend als „Suffragette“ oder „Emanze“ bezeichnet; Emanzipation gilt in vielen Kreisen als Synonym für Verspanntheit oder Humorlosigkeit.

Wir glauben, dass sich das Machtgefälle in unserer Gesellschaftsordnung nur dann ändern wird, wenn wir aufhören, Diskriminierung als Normalität hinzunehmen. In diesem Kanal wollen wir gemeinsam nach Wegen zu einer fairen Gleichstellung der Geschlechter suchen.