Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Europa

Keno Verseck
Journalist

geb. 1967 in Rostock, freiberuflicher Journalist mit Schwerpunkt Mittel- und Südosteuropa.

Zum piqer-Profil
piqer: Keno Verseck
Montag, 04.12.2017

Nowotscherkassk 1962: Ein sowjetisches Massaker an Arbeitern – und Russlands Umgang damit heute

Vom Tambower Bauernaufstand 1920 und der Rebellion der Kronstädter Matrosen 1921 in der Sowjetunion bis zur rumänischen Anti-Ceaușescu-Revolte im siebenbürgischen Kronstadt (Brașov) im November 1987 – es gab in der Sowjetunion und in den ehemaligen Ostblock-Staaten zahlreiche Arbeiter- und Bauernaufstände gegen die kommunistischen Machthaber, deren Anlass meistens die elendigen Lebens- und Arbeitsbedingungen waren. Eine dieser Rebellionen war der Arbeiterprotest in der südrussischen Stadt Nowotscherkassk im Juni 1962, der sich an Preiserhöhungen und Lohnkürzungen entzündete. Am 2. Juni 1962 schossen Armeesoldaten während einer friedlichen Protestkundgebung in eine Menge Demonstrierender; mindestens 25 Menschen wurden getötet, Dutzende verletzt. Das Massaker von Nowotscherkassk zählte zu den bestgehüteten Geheimnissen der Sowjetunion, dennoch kursierten schon damals in der Bevölkerung viele Gerüchte darum. Paradoxerweise ist der Aufstand von Nowotscherkassk heute einem nicht unbeträchtlichen Teil der russischen Öffentlichkeit ein halb vager, halb feststehender Begriff (u. a. weil der frühere russische Präsident Boris Jelzin verschiedene Rehabilitierungs- und Entschädigungsmaßnahmen anordnete und Wladimir Putin 2008 am Denkmal für den Aufstand Blumen niederlegte) und dennoch kaum erforscht, weil viele Archivdokumente dazu bis heute nicht freigegeben wurden. So etwa weiß die Öffentlichkeit noch immer nicht, wo die hingerichteten "Rädelsführer" verscharrt wurden. Der junge russische Journalist Daniil Turowskij vom Portal Meduza hat in Nowotscherkassk Überlebende des Massakers und einstige Verurteilte getroffen, sie zu den damaligen Ereignissen befragt und ihre tragische Lebensgeschichte aufgeschrieben. Sein langer Report ist eine bewegende und traurige Geschichte über ihr Schicksal; zugleich beschreibt Turowskij auch den widersprüchlichen Umgang des postsowjetischen Russlands mit dem Massaker von Nowotscherkassk und hält dem heutigen Russland damit einen Spiegel vor.

Nowotscherkassk 1962: Ein sowjetisches Massaker an Arbeitern – und Russlands Umgang damit heute
8,3
4 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Werde piqd Mitglied für unter 4€ pro Monat!