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Europa

Ulrike Christl
Redakteurin mit Schwerpunkt Europa
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piqer: Ulrike Christl
Dienstag, 15.11.2016

Merkel hilf!

Es ist Woche eins nach der Wahl Donald Trumps und die gesamte westliche Zivilisation befindet sich im Untergang. Die gesamte westliche Zivilisation? Nein. Wenn es nach dem Autor und Satiriker Eric T. Hansen geht, gibt es noch genau eine Bastion, in der die freiheitlich-demokratischen Werte standhaft verteidigt werden: das Berliner Kanzleramt. Damit nimmt der in Deutschland lebende US-Amerikaner einen Faden auf, der nicht zuletzt prominent von der New York Times gesponnen wurde. Auch sie erklärte Angela Merkel zur „letzten Verteidigerin des freien Westens“, nachdem sie in ihrer ersten Rede nach Trumps Sieg diesen an den geltenden Wertekanon erinnert hatte. Hansen dekliniert in Briefform und in unterhaltsamem Ton durch, an welchen außenpolitischen Vorhaben (oder Nichtvorhaben) Trumps sich das Schicksal Europas und dem, was wir als westliche Weltordnung kennen, in den kommenden vier Jahren entscheiden wird. So fragt er Angela Merkel etwa:

Können Sie allein, ohne den großen Bruder USA, Putin zurückdrängen?

Und antwortet:

Das war eine rhetorische Frage. Ich habe vollstes Vertrauen in Sie. Sie können Russisch, das kann Trump nicht, höchstens seine Frau.

Es mag ein bisschen zu humorig klingen, doch zwischen den Zeilen dringt eine echte Besorgnis des Autors durch, dass das Projekt westliche Welt tatsächlich vor die Hunde gehen könnte. Fast könnte man glauben, die Art, in der er seine mutmaßliche Heilsbringerin Merkel wachrütteln will, habe schon etwas Verzweifeltes. Geht's nicht vielleicht doch mit etwas weniger Pathos? Geht nicht, befindet Hansen. Ganz im Gegenteil fordert er viel mehr davon. Nichts Geringeres als eine Vision für Europa, ein Pendant zum American Dream muss nun gefunden werden. Mit weniger, so der Amerikaner, brauchen wir gar nicht erst anfangen.

Merkel hilf!
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