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Europa

Deutsch-ukrainischer Historiker wehrt sich gegen deutschen Hochmut

Jürgen Klute
Theologe, Publizist und Politiker
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Jürgen KluteDonnerstag, 28.07.2022

Deutsche Dampfplauderer und Unterzeichner offener Briefe, die sich gerne als Intellektuelle durch die triste Zombie-Welt der Talkshows reichen lassen, überschlagen sich beinahe mit Ratschlägen und Empfehlungen für die Ukraine. In der Ukraine – und auch in einigen östlichen EU-Mitgliedsstaaten – kommt das nicht so gut an.

Nun hat sich Felix Heinert, ein Historiker mit deutscher und ukrainischer Staatsbürgerschaft und familiären Wurzeln in der Ukraine, zu diesem Thema zu Wort gemeldet. Erstaunlicherweise hat sein provokanter, aber fundierter und aus meiner Sicht gut argumentierender Beitrag bisher kaum Reaktionen in Deutschland ausgelöst.

Heinert greift die Diskussionen um den ukrainischen Nationalisten und Antisemiten Stepan Bandera auf, der bis heute in Teilen der ukrainischen Gesellschaft ein hohes Ansehen genießt. Er konfrontiert den in der Ukraine kontroversen Umgang mit Bandera mit dem deutschen Umgang mit dem deutschen Nationalsozialisten und Antisemiten Graf Stauffenberg, der in Deutschland so gut wie unstrittig als Widerstandsikone gegen Hitler verehrt wird.

Ein lesenswerter und nachdenklich stimmender Text.

Deutsch-ukrainischer Historiker wehrt sich gegen deutschen Hochmut

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Kommentare 4
  1. Thomas Wahl
    Thomas Wahl · vor 18 Tagen

    Danke, eine notwendige Differenzierung …..

  2. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 21 Tagen

    An der Argumentation im Beitrag ist schon was dran.

    Allerdings: Einige der Unterzeichner der offenen Briefe sind zwar Dampfplauderer, andere wie Alexander Kluge nicht. Letzter hat schon einen großen Krieg erlebt. Wir sind in einer extrem schlechten Lage und guter Rat ist teuer. Die Versäumnisse der Politik der letzten Jahrzehnte sind gravierend.

    Das Lend-und-Lease-Program über das die Ukraine mit Waffen versorgt wird, und das ich für richtig halte, kann beträchtliche Nebenwirkungen haben.

    Alexander Kluge, der wesentlich weniger angegriffen wird als weniger seriöse Intellektuelle, die unterschrieben, weiß das, weil er darüber schrieb.

    Der vorletzte Lend-Lease Act von 1941 war der erste Schritt zum Kriegseintritt der USA. Hier ein piq dazu: https://www.piqd.de/us...

    1. Jürgen Klute
      Jürgen Klute · vor 21 Tagen

      Alexander Kluge ist ja auch nicht so präsent in den Talk Shows. Aus meiner zeit im EP weiß ich, wie schwierig es ist, mit Leuten über Konflikte zu sprechen oder gar zu verhandeln, die eine völlig andere Sicht und Haltung haben, als man selbst. Ich war intensiv befasst mit dem türkisch-kurdischen Konflikt und habe mehrfach mit türkischen Abgeordneten über den Konflikt sprechen können. Es ist leicht gesagt, dann man Konflikte politisch-diplomatisch lösen sollte/muss. Ich halte das auch im Grundsatz für richtig. Nur wenn eine der Konfliktparteien sich im absoluten Recht sieht und von der anderen eine bedingungslose Unterwerfung einfordert, dann wird es schwierig mit politisch-diplomatischen Lösungen. Auch bei politischen Verhandlungen brauchst du ein Mindestmaß an Verhandlungsmacht. Ganz abgesehen von dem im russisch-urkainischen Fall verspielten Vertrauen auf russischer Seite und der daraus sich ergebenden Frage, wer denn die Einhaltung von vertraglichen Lösungen garantiert. Ohne Militär wirst man wohl keine Einhaltung von Verträgen garantieren können (letztlich hat doch auch die EU als innereuropäisches Friedensprojekt nur deshalb bis heute funktioniert, weil die Bundeswehr in die NATO integriert ist und die NATO als eine Art letzte Rückversicherung gegenüber einem Neuaufleben des preußischen Militarismus im Hintergrund steht). Und ja, all diese Maßnahmen haben auch ihre mitunter schwer kalkulierbaren Nebenwirkungen. Und es ist ja auch nicht so, dass es keine Verhandlungen im Hintergrund gäbe – sonst hätte es ja die Vereinbarung zur Ausfuhr von Getreide aus den Häfen nicht gegeben. Aber gerade diese Vereinbarung zeigt auch, wie schwierig es ist, zu einer politisch-diplomatischen Verständigung zu kommen. Und hier ging es nur um eine ganz spezifische punktuelle Frage. Ich finde es mittlerweile wirklich peinlich und unerträglich, wie vermeintliche Intellektuelle im Talk-Show-Sandkasten Sandburgen bauen, ohne jemals an einer realen politischen Konfliktlösungsverhandlung teilgenommen zu haben und offensichtlich ohne jegliche Fachkenntnis über Konfliktlösungsstrategien. Das ist das Eine. Das andere ist die deutsche Erinnerungskultur, auf die Felix Heinert ja vor allem zielt. Er hat ja recht. Die deutschen Widerstandsikonen – einschließlich Dietrich Bonhoeffer und Sofie Scholl – waren mehr oder weniger in das nationalsozialistische System integriert. Bonhoeffer war zwar von Anfang an in Opposition zu Hitler. Dennoch war er in der Spionageabwehr tätig. Scholl und Bonhoeffer haben für ihre Haltung einen hohen Preis gezahlt, aber sie waren eben bis zu einem Grad auch Teil des Systems. Widerständige, die nicht Teil des Systems waren, sind nicht Teil der offiziellen Erinnerungskultur in Deutschland. Ich will das nicht platt verurteilen. Aber Heinert erinnert zurecht daran, dass diese Verstrickungen der als WiderstandskämpferInnen in der deutschen Erinnerungskultur geehrten Personen kein Thema sind. Daran zu erinnern, dass man vor diesem spezifischem Hintergrund der eigenen deutschen Erinnerungskultur mit Verurteilungen der ukrainischen Erinnerungskultur vorsichtig sein sollte, weil es mittlerweile in der Ukraine eine kritische Auseinandersetzung mit der Erinnerung an und der teilweisen Glorifizierung von Stepan Bandera gibt, finde ich angemessen und richtig.

    2. Achim Engelberg
      Achim Engelberg · vor 21 Tagen

      @Jürgen Klute Danke, mit allem einverstanden, was Du zu Verhandlungen und zur Erinnerungskultur bei uns und in der Ukraine schreibst. Für mein Buch AN DEN RÄNDERN EUROPAS war ich im türkischen Kurdengebiet und sprach auch mit Künstlern wie Zülfü Livaneli über den Konflikt.

      Unsere Erinnerungskultur braucht dringend eine Renovierung.

      Julius Leber ist weniger bekannt als die Militärs.

      Bezeichnenderweise erschien das Jahrhundertbuch von Peter Weiss ÄSTHETIK DES WIDERSTANDES erst zu seinem 100. Geburtstag im Jahre 2016 in seiner geplanten Fassung. Für das Erscheinen hatte Peter Weiss kurz vor seinem Tod 1982 Änderungen in Ost und West erlaubt. Einige antistalinistischen Passagen fehlen in der DDR-Ausgabe; einige Texte zum kommunistischen Widerstand fehlen in der BRD-Ausgabe.

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