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Europa

Ulrich Krökel
Osteuropa-Korrespondent
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piqer: Ulrich Krökel
Sonntag, 15.04.2018

Alles über Nordstream II – leider etwas weichgespült

Vor acht Jahren, im April 2010, glitten die ersten Röhren der Ostseepipeline Nordstream auf den Meeresgrund – von der Öffentlichkeit zunächst unbemerkt, denn die Betreiber informierten anfangs nicht über den Start der Bauarbeiten. Zu heftig war damals der politische Streit um das Projekt. Im April 2018 stehen die Nordstream-Mannschaften wieder bereit, um einen (zweiten) doppelten Röhrenstrang zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Nordwestrussland zu verlegen. Wann genau es losgehen soll, ist bislang unbekannt. Es kann also gut sein, dass die Nachrichtenagenturen eines Aprilmorgens Vollzug melden.

Unter diesen Vorzeichen hat der DLF einen hörenswerten Hintergrund zu Nordstream II gesendet. Das Stück, das alle wesentlichen Informationen liefert und schon deshalb zu empfehlen ist, ist äußerst ausgewogen und zurückhaltend in seinen Bewertungen. Alle Seiten kommen zu Wort. Der Autor Jan-Uwe Stahr macht sich mit nichts und niemandem gemein.

Bravo, würde man gern ausrufen, wenn das Bemühen um Objektivität nicht zu oft in ein krampfhaftes Bemühen ausarten würde, z. B.:

Vor allem die östlichen EU-Mitgliedsstaaten haben nicht nur gute Erfahrungen mit dem Erdgas-Lieferanten Russland gemacht.

An solchen Stellen kann man ruhig einmal Tacheles reden, denke ich, denn die meisten östlichen EU-Staaten stehen in Fundamentalopposition zu dem Projekt Nordstream II. Um das zu zeigen, reicht es nicht, diffuse Zitate nicht namentlich genannter EU-Abgeordneter aus Polen anzufügen ("Dieses Projekt zerstört die europäische Solidarität").

Zugegeben: Es handelt sich um ein Hintergrundstück. Unter dem Strich gelingt es Jan-Uwe Stahr für meinen Geschmack aber zu selten und zu abgeschwächt, die Schärfe des Konflikts um das Thema herauszuarbeiten. Andererseits betone ich gern nochmals: Wer sich über Nordstream II informieren will, sollte sich die 20 Minuten zum Hören unbedingt nehmen. Oder den Text lesen.

Alles über Nordstream II – leider etwas weichgespült
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Kommentare 5
  1. Ralph Diermann
    Ralph Diermann · vor 8 Monaten

    Gute Zusammenfassung, danke für den Piq. Komisch allerdings, dass der Autor im Beitrag gar nicht auf die TAP/TANAP-Pipeline eingeht, die ab 2020 Erdgas aus Aserbaidschan nach Süditalien (und damit ins süd- und zentraleuropäische Verbundnetz) transportieren soll. Das Interesse der Russen am Bau von Nord Stream 2 ist sicher auch damit zu erklären - Gazprom will sich so (wie auch mit dem Bau der geplanten Turkish-Stream-Pipeline durch das Schwarze Meer) gegen den neuen Wettbewerber rüsten.

    1. Ulrich Krökel
      Ulrich Krökel · vor 8 Monaten

      Sehr guter Hinweis, danke! Man hätte das Thema Nordstream II durchaus noch besser in den geo- und energiepolitischen Kontext einordnen können/müssen. Es ist allerdings extrem komplex (für 20 Minuten Hintergrund).

  2. Reinard Schmitz
    Reinard Schmitz · vor 8 Monaten

    Ich weiß nun nicht so recht, was hier weichgespült sein soll. Auf lange Sicht ist Westeuropa auf gute Nachbarschaft und wirtschaftlichen Austausch mit Russland angewiesen. Dies ist eine realpolitischen Binsenweisheit. Von daher kann ich keine wirklich relevanten Argumente erkennen, die gegen die zweite Leitung sprechen. Wir werden sie brauchen. Wir erleben ja gerade, was passieren kann, wenn Freunde, die klamm sind, an der Zollschraube drehen. Und dass die Transitgebühren für die Ukraine relevant sind mag ja sein. Aber ein Argument gegen eine wirtschaftliche Lösung sind sie nicht.

    1. Ulrich Krökel
      Ulrich Krökel · vor 8 Monaten

      Interessant, dass Sie ausschließlich auf "Westeuropa" und seine Beziehungen zu Russland verweisen. Dabei hat Westeuropa, streng genommen, überhaupt keine Nachbarschaft zu Russland. Was also ist mit dem östlichen Mitteleuropa? Genau in dieser - mit Verlaub - Ignoranz gegenüber den Interessen der jungen EU-Staaten jenseits von Oder und Neiße liegt das Problem.

    2. Reinard Schmitz
      Reinard Schmitz · vor 8 Monaten

      @Ulrich Krökel Sie haben recht. »Westeuropa« alleine ist zu kurz. Allerdings liegen dort die wirtschaftlichen Interessen stärker offen, als im östlichen Teil. Da ich seit mehr als 20 Jahren Osteuropa ständig und intensiv bereise (blog.hr-schmitz.de/), kenne ich die verschiedenen Interessen dort sehr wohl. Dass es im Baltikum und insbesondere in Polen schrille nationalistische Tendenzen gibt, weiss ich auch. All das kann aber den Sinn einer weiteren Leitung für die Zukunft Europas nicht infrage stellen – ausser mann will keine Zukunft.