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Europa

Thomas Wahl
Dr. Phil, Dipl. Ing.
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piqer: Thomas Wahl
Samstag, 01.08.2020

Unser täglicher Rassismus – zwischen notwendigem Widerstand und Exzess

Die taz widmet zwei Beiträge der kritischen Betrachtung unserer westlichen bzw. europäischen Rassismusdiskurse oder besser noch dem Kampf um die Deutungshoheit darüber. Und offenbart damit wohl auch die Zerrissenheit ihrer eigenen Community in diesen Fragen. Beginnen wir mit dem zweiten Artikel von Isolde Charim. Sie warnt davor, den sicher notwendige Widerstand gegen Rassismus in einen überschießenden Exzess zu verwandeln.

Es gibt einen rationalen und einen irrationalen Kampf. Das ist der Unterschied zwischen notwendigem Widerstand und überschießendem Exzess. Derzeit präsentieren sich beide Varianten als Herabstoßen alter Autoritäten von ihrem Sockel – metaphorisch und wörtlich. Es ist wichtig, hier festzuhalten: Der Unterschied liegt nicht darin, ob man gegen große Autoritäten oder gegen kleine Wörter – wie etwa das N-Wort – vorgeht. Auch in Wörtern, Abbildern, Filmen finden sich sedimentierte Hierarchien und Abwertungen. Sie dienen den kleinen diskriminierenden Alltagsentladungen. Der Exzess aber liegt woanders. Er setzt dort ein, wo ein Verdacht ausreicht, wo Meinungen geahndet werden. Ahnden – das ist das entscheidende Stichwort. Der wahre Exzess beginnt dort, wo an die Stelle der alten Autoritäten nicht einfach Freiheit, Gleichberechtigung, Inklusion tritt – sondern eine neue Autorität. Eine, die Vergehen ahndet.

Auch solche Protestkulturen können natürlich ein freudsches Über-Ich entwickeln. Die Instanz, die u.U. "Political Correctness" bis zum Exzess betreibt: 

Beobachtung, Kontrolle, Urteil, schlechtes Gewissen, Tabus, Ahndung der Abweichung vom Ideal. Streng. Strafend. Unnachgiebig. Mit einer Tendenz zum Ausufern. Es war ein schönes Stück – gesellschaftlicher, kultureller, politischer – Arbeit, das alte Über-Ich mit seinen Normierungen und Vorschriften abzubauen. Umso erstaunlicher ist das Aufrichten einer neuen strafenden Instanz. Im Exzess zeigt sich das wilde Begehren, die Sehnsucht nach einer neuen Unerbittlichkeit. Hier kippt die liberale Freiheit und offenbart ihre Kehrseite ...-

Levent Tezcan, der Autor des ersten Artikels, ist geboren in Havza, einer anatolischen Kleinstadt und kam 1988 als politischer Flüchtling nach Deutschland. Heute ist er Professor am Institut für Soziologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Den Unsinn des exzessiven  "Antirassismus" charakterisiert er wie folgt:

Nach der Logik der neuen Rassismuskritiker kann ich aber meinem germanischen Kollegen, einem beschlagenen Soziologen, der sich von einem Drittmittelantrag zum nächsten bis zur Rente durchschlagen muss, jederzeit seine „Privilegien“ vorwerfen und, bei Bedarf, daraus Rassismus ableiten. Schon die erste Regel, die Ausweisung der maßlos skandalisierten Frage: „Woher kommst du eigentlich?“ als rassistisch, belegt hinreichend die Maßlosigkeit. Man muss sich die perverse Logik genau vor Augen führen, die hier am Werke ist: Selbst wenn ich wollte, könnte ich mich dem neuen kulturellen Paradigma „Gestehe, wie rassistisch du bist“ nicht unterziehen. Während „Weiße“ nicht keine Rassisten sein können, kann ich gar nicht rassistisch sein. Welch ein Glück? Ich fühle mich ganz und gar diskriminiert, wenn mir die Möglichkeit genommen wird, rassistisch sein zu können. Rassistisch sein zu dürfen, ist und bleibt ein „weißes Privileg“.
Nun haben "wir Europäer" also eine neue Ursünde? Wir spalten uns in unendlich viele Opfergruppen, die alle wechselseitig ihre Diskriminierungen beklagen. Selbst Nachfahren von Osmanen und Arabern übernehmen die Rolle von People of Color, allerdings gern mit farblichen Abstufungen. Auch die Linken zerlegen sich damit wieder einmal. Diesmal in Rassisten und in Kämpfer, die jedes auch noch so verborgene rassistische oder irgendwie diskriminierende Gefühl in allen Köpfen ausrotten wollen. Koste es, was es wolle? In einer schönen neuen Welt?
Unser täglicher Rassismus – zwischen notwendigem Widerstand und Exzess
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Kommentare 7
  1. G F
    G F · vor 10 Tagen

    Dieser Artikel von Levent Tezcan beschreibt zwar eine Logik der Rassismusdebatte, aber verfehlt meines Erachtens vollumfänglich das Ziel dieser. Es geht nicht in erster Linie darum, den Menschen rassistische Aussagen u. dgl. Vor Augen zu führen, sondern "white privilege" und das ganze System zu hinterfragen. MeToo zeigte auf, dass Frauen nicht als gleichwertige Menschen im Arbeitsalltag gesehen und so im Alltag Übergriffe oder Verletzungen der psychischen und physischen Integrität erlebt haben. FridaysForFuture zeigen, dass die Wirtschaft eine (Vor-)Macht versucht zu erhalten, die sich über die Natur und den Respekt davor stellen möchte. Bewegungen zu den Frauenrechten, Gleichstellung, LGTBQ, Mutterschaft, Vaterschaft, etc. verweisen ebenfalls auf Fehler im System, wobei im Alltag wie auch in der Arbeitswelt Ungerechtigkeiten erfahren werden. BLM zeigt nun auf, was äusserliche Merkmale in Bezug auf die Nichterfüllung der Chancengleichheit und somit rassistische Diskriminierung bedeutet. Irrtümlicherweise wird von Rasse gesprochen, was genau das Problem der menschlichen Rasse aufzeigt. Wer die Frage stellt "woher kommst du wirklich?", Sagt eigentlich vor allem aus, dass diese Person aufgrund äusserlicher Merkmale nicht hierher gehöre. "Woher kommt das wirklich?" Wäre die richtige Debatte und da muss das postkoloniale Paradox angeschaut werden. Aufgrund von Wertungen durch besagte äusserliche Merkmale werden Chancenungleichheiten gefestigt und dies führt zum White Privilege. Da weisse, westliche Männer im Vergleich zu anders aussehenden und auch weiblichen Personen kaum Hindernisse oder Diskriminierung im beruflichen wie auch privaten Alltag erleben, spricht man vom Ziel der Chancengleichheit oder Chancengerechtigkeit. Diese sind im jetzigen System nicht vorhanden und so entstehen vererbte Armut, verminderte Chancen auf Bildung, Meinungsfreiheit, soziale Sicherheit und schlicht Zugehörigkeit, was zur Präkarität oder die Erfahrung von ungerechtfertigter Polizeigewalt und somit Bedrohung der physischen und psychischen Integrität führen kann. Bei all diesen Aufständen geht es wohl kaum darum, dass alle des Rassismus bezichtigt werden, sondern es wird die Systemfrage gestellt, wobei Chancengleichheit respektive Chancengerechtigkeit als Ziel steht. Bildung soll dabei ein Weg sein, keine Verzerrungen der Geschichte zu postulierten, sondern einen reflektierten Diskurs über die kolonialistische Vergangenheit zu führen, die Wertung von Menschen aufgrund von Hautfarbe zu thematisieren, die Globalisierung zu verstehen und schliesslich die "Rasse" als koloniales Konstrukt zu eliminieren. Dazu sollen keine Kolonialisten im Form von Statuen und Strassennamen geehrt werden, da sie nicht für etwas positives stehen. Es soll ja auch keine Hitler-Statue verehrt werden und eine solche braucht es auch nicht, um den 2. Weltkrieg nicht zu vergessen. Die Veränderungen und Fortschritte sollten vermehrt in den Kontext der Geschichte gesetzt werden. So kann ein Umdenken stattfinden und eine Generation heranwachsen, die keine Unterscheidung und Wertung aufgrund von Geschlecht, Sexualität, Hautfarbe oder Kultur macht, sondern darin einen Gewinn für die Gesellschaft sieht und Diversität feiert.

    1. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 10 Tagen · bearbeitet vor 10 Tagen

      Die Debatte selbst ist ja nichts Einheitliches und hat selbst kein Ziel. Es sind die Menschen, die sich an Debatten beteiligen, die sehr unterschiedliche Ziele haben. So zeigt FFF erst mal nur, dass es junge Menschen gibt, die verschiedene Ansichten über die Wirklichkeit vertreten und damit Einfluß und Wirkmacht erlangen wollen. Andere tun dies nicht. Auch Me Too oder BLM zeigen m.E. je nach Interpretation und je nach konkretem Beteiligten sehr Unterschiedliches. Auch sind die Verhältnisse in USA und Europa so einfach nicht vergleichbar. Aber es geht immer auch um Macht - in den Bewegungen und für die Bewegungen. Was leider nicht immer die besten menschlichen Eigenschaften der Beteiligten mobilisiert. Macht kann schnell korrumpieren ....
      Klar ist daher, dass nicht jeder Kämpfer und jede Methode gegen Rassismus an sich nur gutes will, auch nicht per se nur Gutes bewirkt. Deshalb ist Kritik angebracht wie bei jedem sozialen Phänomen. Besonders bei Übertreibungen und Mißbrauch. Und nur darum geht es m.E. in dem Artikel.

    2. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 10 Tagen · bearbeitet vor 10 Tagen

      Was die koloniale Vergangenheit in Afrika betrifft, muß man sich vielleicht auch mal mit der Geschichte des Kontinents beschäftigen. Sklaverei, Sklavenraub und -export waren dort keine europäische Erfindung (wohl aber die Abschaffung):

      "Zwar waren die meisten sudanesischen Gesellschaften schon längst Sklavengesellschaften; auch existierten dort bereits staatlich organisierte Großreiche, so etwa Tekrur im Senegalgebiet, dessen Gründung ins 1. Jh. n. Chr. zurückreichen könnte, ferner das etwa im 5. Jh. entstandene Soninke-Reich von Ghana. Doch das Vordringen des Islam ließ die Güterströme durch die Sahara anschwellen: Nach Süden gelangte eine bunte Mischung von Waren, wovon die wichtigsten Pferde, Salz und Tuche waren; von Süden kamen vor allem Gold und Sklaven; der Westsudan lieferte beides, der Zentralsudan fast nur Sklaven. Al-Yakubi beschreibt am Ende des 9. Jhs. den Export von Sklaven aus Kanem nach Zawila (Fezzan); dieses Berberland war im 8. Jh. konvertiert und stellte bis in die Neuzeit die erfahrensten und kundigsten Sklavenhändler. Einige Sultanate entstanden, indem die Herrscher zum Islam übertraten; so konvertierte der König von Gao (Songhay) 983, im 11. Jh. auch der Mai von Kanem und der Herrscher von Tekrur. Diese Sultane stützten sich auf islamische Rechtsgelehrte und Verwaltungsexperten; der Islam wurde zur Religion der Händler, Städter, Fürsten und einiger Nomaden. Um 1000 war die Elite vieler ‹Stämme› im Sudan bereits islamisiert; ein Großteil der Bauern blieb jedoch heidnisch, bis die Djihads des 18. und 19. Jhs. auch das flache Land islamisierten. Die Islamisierung und die Umwandlung der riesigen Region zur dauerhaftesten Lieferzone der Weltgeschichte hingen zusammen: «Wo der Islam am einflussreichsten war – Sahel und nördliche Savanne –, (war) die indigene Sklaverei, das Sklavenjagen und die Sklavenexporte am höchsten entwickelt».[174] Der Islam blieb ein externer Einfluß, doch er wirkte, so P. Lovejoy, als interner Faktor, weil die einheimischen Eliten zu Agenten eines spezifischen Typs von Kolonialisierung wurden. Das zeigte sich in der Entstehungsweise und der seltsamen Struktur dieser Staaten: das Erjagen von Menschen «stand in direktem Verhältnis zur Entwicklung jener Staaten, deren Herrscher und Händler die Güter für die Karawanen lieferten».[175] Und gerade hier wurde zwischen dem 9. u. 16. Jh. ein hohes Maß an politischer Zentralisierung erreicht. Das Reich Ghana erlebte seine Blüte im 9./10. Jh., als der transsaharische Export von Gold und Sklaven sich bereits auswirkte; der Reisende Ibn Hauqal beschreibt es im 10. Jh. als mächtigen Staat;[176] um 1076 eroberten es die marokkanischen Almoraviden. Afrikanischer Sonderweg: Staaten als Fangapparate Die Raubzüge zur Versklavung der nichtmoslemischen Nachbarn beruhten auf der Macht der ‹Fangapparate›, d.h. auf der Überlegenheit berittener Krieger. Es hatte südlich der Sahara bis zur arabischen Invasion keine Pferde gegeben; auch war es wegen des Klimas und der Insekten nicht möglich, Pferde zu züchten, ausgenommen kleinere Rassen. Pferde waren hier ökonomisch und als Transportmittel wertlos; sie waren reine Waffen. Der Import von Pferden veränderte, wie Humphrey Fisher und Robin Law dargelegt haben, fundamental die politischen Verhältnisse in der sahelo-sudanesischen Welt:" (weiter im nächsten Post)

    3. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 10 Tagen

      den weiteren Ankauf von Pferden finanzierten. Handel und Krieg nährten einander somit wechselseitig in einem selbstläufigen Prozeß».[177] Dieser Kreislauf trieb das ständige Kriegführen an und förderte die Herausbildung von Militärstaaten. Je größer und stärker die Staaten, desto mächtiger waren ihre Fangapparate und desto großräumiger führten sie Versklavungskriege, wie die Reisenden Al-Zuhri und Al-Idrisi bestätigen. Im 11. Jh. stellte das Sultanat Bornu eine Kavallerie eigens für Sklavenjagden auf, die unentwegt eingesetzt wurde; zu Beginn des 16. Jhs. umfasste diese sklavenjagende Truppe 3000 Reiter. Um 1350 unterhielt das Reich Mali, auf dem Höhepunkt seiner Macht, zehntausend Pferde. Da dem Nachschub von Pferden aus dem Norden höchste Priorität zukam, gerieten die sahelo-sudanesischen Sultanate in ökonomische Abhängigkeit von der mittelmeerischen islamischen ‹Metropole›; denn diese vermochte die ‹terms of trade› festzulegen. Zudem ergaben sich geopolitische Vorteile: Je näher die Sultanate an der Wüste lagen, desto besser konnten sie sich mit Pferden versorgen und desto überlegener waren sie. Beide Abhängigkeiten veränderten sich, als es im 15. Jh. gelang, große Pferde südlich der Sahara zu züchten. Die rasche Vermehrung dieser Tiere verwandelte den Sahel und die nördliche Savanne in eine Zone, aus der unterbrechungslos großräumige Aggressionen auf die Stämme des südlichen Sudan losbrachen.[178] Doch zunächst ein Blick auf die staatliche Entwicklung. Im 13. Jh. beschleunigte sich die Bildung von großen Sultanaten. Am Nigerbogen entstand das Reich Mali, geeinigt durch Sundiata Keita (1230–1255); unter Mansa Kankan Musa (bis 1377) erstreckte es sich – wie Ibn Battuta 1352 berichtet – vom Atlantik bis zum Niger, von der Sahara bis zum Regenwald. In diesem Staat, ebenso wie in den später noch entstehenden, herrschten Militäraristokratien, bzw. die Spitze der Militärsklaven; und Sklavenfang wie Sklavenhandel blieben kardinale staatliche Aufgaben.[179] Die lokalen Aristokratien erhielten dadurch begehrte Luxusgüter, vor allem jedoch Pferde und spezielle Waffen. Den Sklavenhandel besteuernd, verschafften sich die Herrscher beträchtliche Einnahmen, um Armeen zu unterhalten und Stiftungen zu tätigen.

      Egon Flaig: Weltgeschichte der Sklaverei; Verlag C.H.Beck

    4. Maximilian Rosch
      Maximilian Rosch · vor 9 Tagen

      @Thomas Wahl Ohne jetzt das entsprechende Hintergrundwissen zu haben: Ich lese aus einigen Rezensionen eine deutliche Kritik an dem von dir hier so lang zitierten Werk. Mein initialer Eindruck war, dass Flaig die Perspektive weg vom europäischen Einfluss lenkt, was du in der Einleitung ja auch anmerkst ("Sklaverei, Sklavenraub und -export waren dort keine europäische Erfindung (wohl aber die Abschaffung)"). Genau dieser Punkt, wie auch die Wissenschaftlichkeit von Flaigs Werk werden besonders stark angegangen. Ein Beispiel ist diese Rezension von Ulrike Schmieder http://hsozkult.geschi...
      Wie gesagt, mir fehlt insgesamt etwas der Kontext. Ich bin nur etwas stuzig ob der Auswahl dieses Werkes als weiterführende Quelle, weil die Kritik daran wirklich eines der ersten Suchergebnisse war, die ich fand.
      Ist dir diese Kritik bekannt? Und wenn ja, wie ordnest du sie ein?

    5. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 9 Tagen

      @Maximilian Rosch Lieber Max, wer ein Werk über mehr als 2000 Jahre Geschichte schreibt, ist natürlich angreifbar. Ich bin kein Spezialist für Sklavereigeschichte und freue mich über jeden Hinweis auf ein besseres und trotzdem lesbares Buch. Wenn man der von Dir genannten Kritik folgt, dann wäre das Buch sicher einige hundert Seiten dicker. Ja, Flaigˋs Geschichte der Sklaverei wird oft kritisiert - besonders stark aus einer bestimmten Richtung. Aber ich habe weder das Gesamtwerk noch die Gesamtwertung von Flaig zitiert. Es geht um einen konkreten Zeitabschnitt in einer konkreten Region. Wer genaueres oder anderes dazu weiß soll es posten. Manches erinnert in dem Streit um dieses Buch an den unseligen Historikerstreit. Wie diese etwas differenzierte Kritik bemerkt:

      https://www.welt.de/ku...
      Dort heißt es u.a. treffend:

      "Das klingt mehr nach Diffamierung denn nach Argumentation. Denn Flaig ist Historiker genug, um seine Zahlen durchaus mit Literatur zu untermauern – gegenüber rund elf Millionen Menschen, die von Afrika aus nach Amerika verkauft wurden, hält er es allerdings mit der umstrittenen Maximalschätzung, die von 17 Millionen Verschleppten in die Kernländer des Islams ausgeht.
      Dass „die einheimische Sklaverei in Afrika und Asien allmählich von den Kolonialmächten zerstört“ wurde, kann man schon bei dem großen Übersee-Historiker Jürgen Osterhammel nachlesen. Und um die komplizierte Frontlage in der aktuellen Sklaverei-Debatte zu skizzieren, bräuchte man, wie der schwelende Streit in Frankreich und jüngst erst Wolf Lepenies gezeigt haben, ein ganzes Buch.

      Die ganze Aufregung dient also wohl dem Ziel, eine zentrale Aussage Flaigs kleinzureden: Die Sklaverei sei bis in die Gegenwart hinein ein integraler Bestandteil muslimischer Gesellschaften. Demnach ging bereits mit dem Aufbau des arabischen Weltreichs die Jagd nach Menschen einher.

      Von Spanien bis Zentralasien, von Nordafrika bis tief in die Savannen hinein wurde mit Menschen gehandelt, Türken und anderen Nomaden, Slawen, Christen und – vor allem – Schwarzen. Erst diese leistungsfähige und erprobte Infrastruktur ermöglichte es den Portugiesen und später Niederländern, Engländern und Franzosen, in Afrika den menschlichen Nachschub für ihre Plantagenwirtschaft in der Neuen Welt zu erwerben."

      Meine Anmerkung bezieht sich eigentlich auf eine allgemein bekannte Tatsache. Sie lenkt nicht ab vom europäischen Einfluß. Den hat es natürlich gegeben. Nur nach und neben dem arabischen .....
      Man kann das u.a. auch im Spiegel nachlesen:
      https://www.spiegel.de...

      Auch dem kann man natürlich den Vorwurf machen, dass dies nicht stimmen kann, da es von der Schuld Europas ablenkt. Das ist aber kein wirklich wissenschaftliches Argument.

    6. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 8 Tagen

      @Maximilian Rosch Diese ARTE-Reihe ist auch empfehlenswert: Menschenhandel - Eine kurze Geschichte der Sklaverei
      https://www.arte.tv/de...

      Hat mich bewegt, nach Literatur zu suchen. So bin ich auch auf Flaig gestoßen.

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