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Mental Health: Macht Politik krank?

Theresa Bäuerlein
Journalistin. Autorin. Seit (gefühlt) schon immer.
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Theresa BäuerleinMittwoch, 29.06.2022

Was macht das politische System eigentlich mit denen, die es tragen sollen? Peter Tauber (CDU), Sahra Wagenknecht, Anke Domscheit-Berg (beide Linke), Anne Spiegel (Grüne), Michael Roth – alles Politiker:innen, die zuletzt offen über Burn-out, Depressionen, Angstzustände und persönliche Krisen gesprochen haben. Zum Ende der vergangenen Legistlaturperiode schieden so viele Abgeordnete aus dem Bundestag aus, wie nie zuvor. Allein bei der SPD waren es knapp 50 von 153. 

Als möglichen Grund nennt der Artikel soziale Medien. Moment! Das klingt erst einmal banal, aber es geht schon noch etwas tiefer. Und zwar geht es und den Zwang einerseits, dauerpräsent zu sein, und andererseits die Tatsache, dass Abgeordnete immer weniger Macht haben, weil viele Probleme heute komplizierter und schwieriger sind und immer öfter Expert:innenkomissionen ran müssen. Gleichzeitig sind die Probleme so groß, dass sie sowieso die Gestaltungsmöglichkeiten der Einzelnen sprengen. Ein weiterer Grund ist Verrohung, die seit der Flüchtlingskrise spürbarer geworden ist. Um Morddrohungen zu kriegen, reichen Namen wie Karamba Diaby oder Cem Özdemir, Frauen bekommen Hassmails mit sexuellen Gewaltfantasien. 

Doch nicht nur im Netz oder im Umgang mit der AfD schlägt Abgeordneten Verachtung und Hass entgegen, auch in vielen Wahlkreisen ist die Grundstimmung gekippt, vom Vertraulichen ins Aggressive. Respekt, Wertschätzung, Anerkennung? Das war einmal. Früher kamen Abgeordnete in ihren Wahlkreis, um die große Politik in Berlin zu erklären. Heute, so erzählt es etwa der SPD-Abgeordnete Sören Bartol, bekomme man zuerst einen Wust an Verschwörungserzählungen an den Kopf geworfen – und werde dann beschimpft: "Ihr seid doch alle bestochen", "Ihr lügt doch". – "Wenn du das zum 3000. Mal hörst, ist es irgendwann gut", sagt Bartol. "Ich sage dann den Leuten: Hören Sie zu, ich bin nicht Ihre Fußmatte." 

Seit im Bundestag am gleichen Tag zwei Abgeordnete zusammenbrachen, wurde immerhin die Sitzungswoche reformiert: Plenardebatten dauern jetzt nicht mehr bis in die Morgenstunden, sondern enden spätestens um Mitternacht. 

Interessanterweise kommt im Text auch ein Psychotherapeut vor, zu dessen Patient:innen auch Abgeordnete gehören. 

Mit zahlreichen seiner Fachkollegen ist sich Brentano einig, dass unter Politikern die Persönlichkeitsstruktur des Narzissten deutlich stärker verbreitet ist als im Bevölkerungsdurchschnitt. Und auf Kritik reagieren Narzissten sehr speziell. "Jemand, der kritisiert wird, lässt diese Kritik normalerweise nach innen, verarbeitet sie und weist sie zurück oder auch nicht – er prüft sich", sagt Brentano. "Der Narzisst hingegen feuert schnell mit großem Geschütz zurück – ohne Prüfung des eigenen Selbst." Anders ausgedrückt: Ein Großteil der Politiker sieht sich permanent im politischen Kampfeinsatz. Und hat immer recht.

Und trotz allem sagen laut des Artikels viele Politiker:innen, sie hätten den schönsten Job der Welt. 

Die Bestätigung, wenn Leute an der Supermarktkasse über einen Vorschlag reden, den man morgens in einem Interview geäußert hat. Das Glücksgefühl, wenn aus einer Idee tatsächlich ein Gesetz wird – das lasse einen vieles vergessen. Jedenfalls für ein paar Tage.
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Kommentare 5
  1. Manfred Habl
    Manfred Habl · vor einem Monat

    Politik ist die Kunst des Lügens

    1. Cornelia Gliem
      Cornelia Gliem · vor einem Monat

      ziemlich beleidigend. und ist genau das, was der Artikel als Grund für burnout etc. nennt.

    2. Manfred Habl
      Manfred Habl · vor einem Monat

      @Cornelia Gliem Wer kein Fleisch mag sollte nicht Metzger werden

    3. Cornelia Gliem
      Cornelia Gliem · vor einem Monat

      @Manfred Habl Das impliziert Politik wäre an sich schon Beleidigung und Aggression - ganz schön steile Behauptung

    4. Manfred Habl
      Manfred Habl · vor einem Monat

      @Cornelia Gliem Politik ist Krieg mit anderen Mitteln und im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt. Der Mensch hat als Spezies nur einen Plan und der heißt Multiplikation. Mehr Menschen brauchen aber mehr Platz und Ressourcen also nötigenfalls Gewalt. Hier kommt das Volk (Polis) sprich die Menschen ins Spiel die die Regeln aushandeln. Das das Stress macht ist klar. PS Das hat nichts mit Moral zu tun

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