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Reportagen und Interviews

Krieg ist auch da, wo keine Bomben fallen

Charly Kowalczyk
journalist
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Charly KowalczykDienstag, 05.07.2022

23 Minuten lang hört man dieser Reportage zu und es fällt leicht, zuzuhören, obwohl es um den Krieg in der Ukraine geht. Die Autorin Christiane Seiler erzählt von der Stimmung in Uschhorod, in der westlichsten Stadt der Ukraine, direkt an der slowakischen Grenze. Von der Hilfsbereitschaft der Menschen. Von Tausenden Essensportionen, die von Freiwilligen für Flüchtlinge gekocht werden. Zwar heulen auch in der Hauptstadt Transkarpatiens mit ihren weit über 100.000 Einwohner/innen nachts die Sirenen, doch noch fallen so gut wie keine Bomben. Die Stadt ist nicht zerstört. Und doch ist der Krieg da. Unmissverständlich. Auch weil die Stadt wächst und weiter wachsen wird. Zehntausende Binnenflüchtlinge kommen aus Charkiv, aus dem Donbass und aus anderen Regionen der Ukraine. Schon auf dem Weg nach Uschhorod bringen die Menschen Geschichten von der Reise mit:

"Der Bahnhof in Sewerodonezk war überfüllt, Menschen, Kinder, Koffer, keiner wusste Bescheid. Nur ein Wagon war noch leer. Ich setzte mich. Plötzlich kamen Frauen mit 40 Babys hinein. Ein Waisenhaus wurde evakuiert. Die Kinder schrien, es war wie in einem Bienenstock. Die Pflegerinnen kamen nicht zurecht. So habe ich während der langen Reise geholfen. Ich nahm die Babys auf den Schoß und fütterte sie."

Solche Erzählungen wie die von Claudia aus dem Donbass, gibt es in dieser Reportage einige. Man hört einfach zu. Es gibt nicht viele Zahlen, keine großen Analysen, einfach Geschichten von Menschen, die im Augenblick in Uschhorod leben und ankommen. Die Musik webt sich ein in die Reportage, wächst mit den Geschichten zusammen, hilft beim Zuhören – ohne verzweifeln zu müssen. Eine Reportage, die das Herz öffnet und dabei viel Wissen transportiert.

Die Autorin beschreibt. Öffnet Menschen. Und sie haben Lust, zu erzählen. Christiane Seiler ist in den vergangenen Jahren häufig in die Ukraine gereist, und oft nach Uschhorod. So hat sie über Jahre hinweg Kontakte geknüpft, von denen wir Hörer/innen profitieren:

"Diese Küche ist mir sehr vertraut, ich bin bei der Familie meines Freundes und Kollegen Maksym Melnyk, der in Berlin arbeitet. Heute Abend sitzen da nicht nur Maksyms Mutter Larissa und seine Schwester, die Verlegerin Sascha mit ihren Kindern sowie die Katze, sondern auch zwei Cousinen aus Kyiw und die Tanten Nadja und Ljuba aus Kramatorsk, beide Rentnerinnen"

Und die beiden Rentnerinnen sind froh, erst mal in Sicherheit zu sein. Tränen können sie nicht zurückhalten:

"Wir hatten Angst, unser Zuhause zu verlassen. Wir dachten, die Reise ist zu weit, aber dann haben wir doch beschlossen, aus Kramatorsk zu fliehen – kurz bevor eine Rakete den Bahnhof traf. Wir haben Angst vor dem Krieg, vor Putin, vor den Bomben. Am frühen Morgen sind wir mit dem Taxi zum Bahnhof gefahren. Am Bahnhof waren sehr, sehr viele Leute. Freiwillige haben zunächst die Kinder, die Behinderten und die alten Leute in Züge gesetzt. Und dann alle anderen. Die Leute wurden auf die Waggons verteilt, in einem Abteil saßen 10 Menschen. Manchmal sogar mehr. Die Reise war sehr beschwerlich, wir sind ungefähr 30 Stunden gefahren."

Man will immerfort zuhören. Wochen später, nachdem die Reportage schon längst produziert war, ahnt man, wie die Verzweiflung der beiden Rentnerinnen Nadja und Ljuba aus Kramatorsk zunehmen wird. Sie werden Angst um ihre Freunde und Nachbarinnen haben. Ihre Heimatstadt Kramatorsk im Donbass ist jetzt Ziel des russischen Militärs. Wer wird überleben? Der Krieg ist in der Ukraine allgegenwärtig. Überall. Mehr oder weniger.

Krieg ist auch da, wo keine Bomben fallen

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