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Technologie und Gesellschaft

Facebooks Elite-User und interne Warnungen vor Algorithmus-Änderung

René Walter
Grafik-Designer, Blogger, Memetiker | goodinternet.space

Irgendwas mit Medien seit 1996, Typograph, Grafiker, Blogger. Ask me anything.

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René WalterDonnerstag, 16.09.2021

Das Wall Street Journal hat zwei weitere Artikel mit Auswertungen eines Leaks von internen Dokumenten von Facebook veröffentlicht. Gesammelt findet man alle Artikel unter dem Stichwort The Facebook Files. Gestern piqte ich den Bericht über Facebooks interne Untersuchung der psychosozialen Schadwirkung von Instagram auf Heranwachsende. Da die Artikel auf der Seite des WSJ hinter eine Paywall stehen, verlinke ich hier Archive-Versionen.

In seinen neuesten Veröffentlichungen deckt das Journal einerseits ein internes Programm namens “XCheck” für eine User-Kaste von VIP-Nutzern auf, die von den üblichen Auflagen der Plattform bezüglich der Veröffentlichung von belästigenden Inhalten, von Hatespeech oder auch Nacktheit anscheinend ausgenommen sind und keine Maßnahmen von Seiten des Konzerns fürchten müssen.

Diese Entwicklung muss man im Kontext von Aussagen Mark Zuckerbergs betrachten, laut denen der Social Network-Konzern mehr “wie eine Regierung” eines digital-virtuellen Staates zu sehen sei, anstatt eines traditionellen Unternehmens. Nimmt man solche Sätze aus dem Mund von Zuckerberg ernst, dann arbeitet Facebook mit vollem Wissen an einer aristokratischen Kaste und einem post-demokratischen System, in dem nicht mehr gleiches Recht für alle gilt, sondern Hierarchien aus digitalen Eliten die Wegerechte der digitalen Welt unter sich und prominenten Usern aufteilen.

Neben dieser Entwicklung einer über dem “Facebook-Recht” stehenden Social Media Aristokratie hat das Wall Street Journal die interne Kritik an einer plattformweiten Änderung des Algorithmus im Jahr 2018 veröffentlicht, laut der diese Anpassungen zu aggressiverer Kommunikation auf der Plattform führen würden

Facebook hatte den Algorithmus seines Feeds damals mit dem Ziel veranlasst, Shares unter Freunden und Familie zu erhöhen - “to boost meaningful social interactions (and to) strengthen bonds between users and to improve their well-being” - und gleichzeitig die Sichtbarkeit des Contents von FB-Pages (also oftmals Publishern) zu verringern.

Interne Untersuchungen von Facebook wiesen schnell darauf hin, dass die Verlage daraufhin ihre Publishing-Strategie auf Facebook anpassten und Inhalte veröffentlichten, die mehr Engagement, also Likes, Comments und Reshares erzeugten. Das erreichten sie vor allem mit emotionalen und empörenden Inhalten. Nach einem Jahr, in dem diese Algorithmus-Änderung wirksam war, dominierte Fox News die Plattform mit engagement-optimierten und politisch rechten Outrage-Inhalten. Auch im April 2021 führen mit dem Daily Wire, der Daily Mail und Fox News nach wie vor boulevardeske und rechtskonservative Veröffentlichungen die Engagement-Charts auf Facebook an.

Der Grund für Facebooks Algorithmus-Anpassungen war so einfach wie banal und selbstverständlich nicht in der Sorge um das Wohlergehen seiner User zu suchen, sondern in einem Sinken des Engagement-Zahlen auf der Plattform. Daher weigerte sich Mark Zuckerberg, den Ratschlägen seines Teams zu folgen, das auf den aggressiveren Ton auf der Plattform infolge der Anpassungen hinwies und eigene Vorschläge unterbreitete. Mark Zuckerberg aber wollte keine Maßnahmen, die “meaningful social interactions” auf der Plattform verringern würden.

Nun hat die Plattform in erneuten Änderungen die Vorschläge zum Teil übernommen und reduziert die Sichtbarkeit von politischen Inhalten insgesamt. Damit nähert sich der Konzern einer Lösung an, die ich in der Vergangenheit als “Kneipen-Ansatz” bezeichnete und mit einer sehr simplen Prämisse für Ruhe im sozialen Raum sorgt: No Religion, No Politics.

Ob sich ausgerechnet Facebook als Defacto-Publisher und größtes Soziales Netzwerk für einen solchen entpolitisierten “Kneipen-Ansatz” eignet, darf bezweifelt werden. (In meinem Newsletter habe ich weitere Gedanken zu dieser Entpolitisierung aufgeschrieben.)

Weiterhin ist eine Entpolitisierung großer Plattformen keine geeignete Strategie gegen die ungehinderte Entfaltung von Empörungs-Diskursen in Dark Social-Kanälen wie Telegram, was mich in meiner Haltung bestärkt, Phänomene wie Polarisierung und Empörungsspiralen in sozialen Medien nicht als Symptome algorithmischer Inhaltsdistribution anzusehen, sondern als logische Reaktionen menschlicher Psychologie auf die um ein Vielfaches vergrößerten sozialphysikalischen Größen (Dunbar-Nummer, Vernetzungs-Dichte, Geschwindigkeit der Kommunikation).

Aber eine gemäßigte Entpolitisierung des Feeds auf Facebook halte ich zunächst für einen Schritt in die richtige Richtung.

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