Kanäle
Jetzt personalisiertes
Audiomagazin abonnieren
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Community-Kanal:

Medien und Gesellschaft

Sprachforscher kritisieren Genderpraxis in der ARD, dem ZDF und DLF

Dirk Liesemer
Autor und Reporter
Zum piqer-Profil
Dirk LiesemerDienstag, 02.08.2022

Der Konflikt ums Gendern geht in die nächste Runde, was auch nicht verwunderlich ist, weil man mit Argumenten nicht weiterkommt. Mich hat schon immer gewundert, wie sich nicht wenige Kollegen in dieser Frage positioniert haben. Geht es ihnen ansonsten um Wissenschaftlichkeit, lassen sie sich hier von Gefühl und Moral leiten. Der Medienjournalist Stefan Winterbauer hat dazu dieser Tage auf ein traurig-lustiges Video aus dem BR hingewiesen, das die ganze Debatte perfekt auf den Punkt bringt.

Dass Gendern mit Wissenschaft wenig zu tun hat, schreibt nun eine recht große Riege von Sprachforschern, darunter zahlreiche Frauen. Zugleich fordern sie eine Neubewertung des Genderns im öffentlichen-rechtlichen Rundfunk auf wissenschaftlicher Basis.

Mehr Geschlechtergerechtigkeit im Sprachgebrauch sei legitim und begrüßenswert, schreiben sie auf Lingustik vs. Gendern, nicht jedoch ideologische oder moralische Argumente. Als "unausgewogen" und "vielfach tendentiös" beurteilen sie die Debatten ums Gendern in den öffentlich-rechtlichen Medien (ein Vorwurf, der durch Winterbauers Videotipp bestens illustriert wird).

Die Sprachforscher lehnen nicht zuletzt die von Genderbefürwortern gern zitierten psycholinguistischen Studien ab. Diese lieferten keinen belastbaren Beleg dafür, dass generische Maskulina mental vorrangig "Bilder von Männern" erzeugen.

Vielmehr zeigt sich, dass die Kontextbindung, die zur Unterscheidung eines generischen von einem spezifischen Maskulinum entscheidend ist, in solchen Studien in wissenschaftlich unzulässiger Weise ausgeblendet wird. Es kann mithin aufgrund fehlerhafter Studiendesigns nicht als empirisch gesichert gelten, dass generische Maskulina (Genus) vorrangig im Sinne von “männlich” (Sexus) gelesen werden (Zifonun 2018, Payr 2022, Kurfer 2022). Die pauschalisierende Bewertung des generischen Maskulinums als grundsätzlich diskriminierende Sprachform ist auf wissenschaftlicher Basis nicht begründbar.

Gepiqd habe unten einen kürzlich veröffentlichten, freizugänglichen Text der Sprachforscher Ewa Trutkowski und Helmut Weiß. Darin geht es um die historische Entwicklung des generischen Maskulinums. Der Text ist so verständlich wie unterhaltsam. Weiß ist Professor für historische Linguistik in Frankfurt und Mitunterzeichner des Aufrufs.

Noch eine kleine Spitze: Während die öffentlich-rechtlichen Medien bei den Gebühren kein Pardon kennen, gehen sie mit dem amtlichen Regelwerk für Rechtschreibung sehr lässig um. Sprich: ist ihnen schnuppe. Mit anderen Worten: Auf Regeln wird nur dann geachtet, wenn es in den Kram passt. Wenn dass mal nicht auf Dauer am Zuspruch des ÖRR kratzt.

Sprachforscher kritisieren Genderpraxis in der ARD, dem ZDF und DLF

Möchtest du kommentieren? Dann werde jetzt kostenlos Mitglied!

Kommentare 49
  1. Gabriele Holzner
    Gabriele Holzner · vor 2 Monaten

    Dazu gibt es ein spannendes und sehr differenziertes Interview , quasi als Antwort auf die öffentliche Kritik der Wissenschaftler an der Genderpraxis: https://zeitung.faz.ne...

    1. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor 2 Monaten · bearbeitet vor 2 Monaten

      Simon Hurtz hatte das auch hier schon vorgestellt, wobei das Interview ein wenig an der Kritik vorbeigeht https://www.piqd.de/su...

  2. Meike Leopold
    Meike Leopold · vor 2 Monaten

    Es gibt viele Gründe, den ÖRR zu kritisieren bzw. viele Dinge, die dieser ändern sollte. Aber das ausgerechnet das Gendern nun der Untergang sein soll?

    1. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor 2 Monaten

      Hallo Meike, klar, gibt es viele Gründe, den ÖRR zu kritisieren, aber wenn es Forscher gibt, die sich über eine tendentiöse Berichterstattung auf ihrem Gebiet beschweren, sollte man das zumindest nicht ganz übergehen. - Dirk

  3. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor 2 Monaten · bearbeitet vor 2 Monaten

    schon seltsam dass den "Vertretern" des Gendern (=was ja eigentlich Genderneutrales bzw. Gendergerechtes Sprechen meint, schließlich gendern das generische Maskulinum ja besonders!) sich so oft über die Aufregung mokieren, über das "Haben wir keine anderen Probleme" etc.
    und dabei selbst ihrerseits große Aufregung produzieren.
    wenn die ganze Diskussion doch so egal wären wenn Sprache so unwichtig wären und Sternchen und Genetisches Femiminum keinen Einfluss hätten, wieso dann die Aufregung? Also die der Gender-"Gegner"?
    Da bleibt dann oft nur das Argument "Verhunzen der Sprache" und "unLesbarkeit" übrig.
    Dies sollte dann aber 1. Jedem selbst überlassen werden und 2. etwa auch auf andere Bereiche angewendet werden wie zb Amtsdeutsch.

    Ach ja: 3. wird ja wie hier im o.g. Text auch behauptet, daß Gendern würde vorgeschrieben bzw. generisches Maskulinum verboten.
    Das ist einfach nicht wahr.
    selbst die internen Regeln des ÖRR sind ja keine Gesetze.

    aber okay:
    wäre das generische neutral, dann benutzen wir doch zusätzlich zur weiblichen Variante eine spezielle männliche.

    zb Bäcker generisch und Bäckerin und BÄCKERER.
    und gern einen neutralen Artikel dazu: dey, die, der...

    Aber dazu brauchen wir vielleicht dreihundert weitere Jahre anderen Sprachgebrauch.

    1. Gabriele Feile
      Gabriele Feile · vor 2 Monaten

      Dazu passt dieser Auszug aus einem Kommentar auf meinem YouTube-Kanal: "Dafür gibt es bereits einen als MO4= (movier gleich) bezeichneten Vorschlag, einfach mal nach "gleichgestellte Movierung" googlen. Wenn männliche Lehrer als "Lehrerannen" bezeichnet werden, genau wie weibliche als "Lehrerinnen", gibt es keinen Grund mehr, sich unter "Lehrer" vorwiegend Männer vorzustellen."
      Für mich war das neu. Ich kann nicht einschätzen, ob sich das durchsetzt.
      Das Video, unter dem der ausführliche Kommentar (und andere) erschien ist übrigens dieses hier: Gendern - was soll das? https://youtu.be/AqTdC...

  4. Daniela Becker
    Daniela Becker · vor 2 Monaten

    "Wir schütteln alle nur den Kopf darüber"
    https://zeitung.faz.ne...

    1. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor 2 Monaten

      Danke für den Link, schaue ich mir gerne an!

    2. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 2 Monaten · bearbeitet vor 2 Monaten

      Der Aufruf bezieht sich aber auf die Diskussion in den Medien und besonders in den ÖR, weniger in der Linguistik. Insofern vertreten die Unterzeichner in der Beziehung genau die Meinung von Frau Nübling:

      "Um mit dem ersten Vorwurf zu beginnen, dem, dass Genus und Sexus vermengt würden: Das ist nicht der Fall. Interessanterweise werden nie Arbeiten genannt, die das angeblich tun. Die Genderlinguistik unterscheidet diese Kategorien genauestens und bezieht dabei Gender, das soziale Geschlecht, als wichtige dritte Kategorie mit ein."

      Die Vermengung findet also im Feuilleton statt, eher nicht in der Wissenschaft.

      Was an der Wissenschaft kritisiert wird, sind die psycholinguistischen Studien (deren Design), die - so der Vorwurf - Kontexte ausblenden. Aber zu diesem Vorwurf nimmt die Vertreterin solcher Studien genau keine Stellung. Sie meint in ihrer verständlichen Verteidigung ihrer Arbeit, die Ergebnisse der Psycholinguistik würden pauschal vom Tisch gewischt. Das diese Community meint "wir schütteln nur den Kopf" ist nachvollziehbar - aber kein Beweis. Sicher muß man da genauer hinsehen. Aber in den letzten Jahren hat es ja intensive Diskussion über sozio-psychologische Experimente/Studien gegeben. Und die waren alle recht pessimistisch, was die Reproduktion und Verlässlichkeit der Ergebnisse betrifft. Trafen wohl aber oft die Erwartungen der Forschenden?

    3. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor 2 Monaten · bearbeitet vor 2 Monaten

      @Thomas Wahl Ich finde das Interview interessant, es ist gut, wenn sich die Linguisten zu Wort melden, sie haben sich lange Zeit zurückgehalten, und man muss der FAZ wirklich dankbar sein, dass sie Diskussionen viel breiter abgebildet als viele andere Medien, eben nicht zuletzt der öffentlich-rechtliche Rundfunk. @Thomas: Es stimmt, den Unterzeichnern des Aufrufes (darunter sind sehr wohl Professoren für Linguistik, Helmut Weiß etwa, Manfred Krifka oder Katerina Stathi) geht es weniger um die Debatten in der Lingusitik als in den Medien, weshalb Beispiele verlinkt wurden. Ansonsten nehme ich einiges aus dem Interview mit, das Daniela verlinkt hat. Allerdings werden die Erkenntnisse der Psycholinguistik kritischer diskutiert als es darin anklingt, siehe etwa diesen FAZ-Text des Sozialpsychologen Stefan Beher https://www.faz.net/ak...

    4. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 2 Monaten

      @Dirk Liesemer Ja, das sehe ich auch so.

    5. Gabriele Feile
      Gabriele Feile · vor 2 Monaten

      Gibt's jetzt auch als piq von @Simon Hurtz: https://www.piqd.de/su...

  5. Charly Kowalczyk
    Charly Kowalczyk · vor 2 Monaten

    Warum Sprache sich nicht ändern soll, ist mir ein Rätsel. Es geht gar nicht um irgendein perfektes Gendern. Doch Sprache ist immer auch Macht. Dass das generische Maskulinum schon ziemlich alt ist, ja klar, ist es deswegen richtig, dass es sich durchgesetzt hat? Überzeugt mich nicht.
    Dieser Artikel aus der "Welt" finde ich ehrlich gesagt langweilig. Und die Spitze dazu auch. Die Vermischung von Gendern und Gebühren bei den Öffentlich-Rechtlichen finde ich richtig nervig, populistisch und polemisch.

    1. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor 2 Monaten · bearbeitet vor 2 Monaten

      Okay, vielleicht habe ich es mit der Spitze übertrieben. Dass Sprache sich nicht ändern soll, sagt aber niemand, es wird ja mehr darüber gestritten, welche Änderungen okay sind und welche nicht. Nervig ist halt, dass die Kritiker des generischen Maskulinums mit Argumenten hantieren, die bei genauerem Hinsehen nicht überzeugen, sondern ideologisch sind. Ich will hier auch nicht besserwisserisch sein, vielmehr geht es mir um die Debatte, deswegen noch eine Erwiderung: Das generische Maskulinum hat sich nicht "durchgesetzt" (etwa gegen ein generisches Femininum), sondern es war schon sehr früh da und wurde eben als generisch verstanden. Übrigens im Plural ist das Maskulinum ohnehin neutralisiert, nicht zuletzt durch den weiblichen Artikel "die".

  6. Gabriele Feile
    Gabriele Feile · vor 2 Monaten · bearbeitet vor 2 Monaten

    Dass das generische Maskulinum schon recht alt ist , ist für mich, auch ohne wissenschaftliche Beweise, schon lange klar. Viel mehr interessiert mich, warum diese Form sich durchgesetzt hat. Weiß jemand, ob dazu schon geforscht wurde?
    Meine These: Viele Jahrhunderte oder gar Jahrtausende waren die Männer meist unter sich, zumindest wenn es um "wichtige" Themen ging, also Debatten, Verhandlungen, Verträge etc. In der Regel hatten die Frauen keine Stimme. Dass die Männer dann natürlich so sprachen, dass sie das Bild derer abbildeten, die sichtbar waren (auch im übertragenen Sinne), ist irgendwie logisch. So zieht sich das ja auch durch in allen erhaltenen schriftlichen Dokumenten, die ja in der Regel von Männern verfasst wurden. Das möchte ich also niemandem vorwerfen. Und dass die Sprache sich dann so etabliert hat, dafür kann auch niemand was von denen, die heute für oder gegen das Gendern sind.
    Interessant zu wissen fände ich, ob Frauen, wenn sie unter sich waren, anders gesprochen haben. Oder ob sie, wie wir heute, aus purer Gewohnheit sogar in reinen Frauengruppen sagten: "Jeder, der will, nimmt sich ein Eis!" (Solche Sätze irritieren mich mittlerweile sehr, wenn ich sie selbst ausspreche).
    Ich freue mich über jeglichen Input, der Klarheit in die Sache bringt.

    1. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor 2 Monaten

      Ich hatte dazu mal ein Interview mit Helmut Weiß geführt, Professor am Institut für Linguistik der Universität Frankfurt.

      ... Ist das generische Maskulinum also ein Erbe jahrhundertelanger männlicher Macht?
      Solch eine These hat überhaupt keine Basis. Das generische Maskulinum gibt es, seit es die deutsche Sprache gibt. Kurz ein Vergleich mit dem Englischen: Beides sind indogermanische Sprachen, die sich aus der gleichen Quelle speisen. Während das Deutsche heute noch drei grammatische Geschlechter besitzt, kennt das Englische bei Sub­stantiven keines mehr. Doch die jeweiligen sprachlichen Entwicklungen lassen sich beim besten Willen nicht auf unterschiedliche gesellschaftliche Entwicklungen zurückführen. Und es ist auch nicht erkennbar, dass Frauen im englischen Sprachraum dadurch eine bessere Stellung erlangt hätten.

      Sie sagen, das Deutsche besitze heute drei Geschlechter. War dem also nicht immer so?
      Im Indogermanischen existierten nur zwei Geschlechter: eines für Unbelebtes, eines für Belebtes. Aus ersterem entstand das Neutrum, aus dem letzteren das – auch generisch verwendbare – Maskulinum. Erst später kam das Femininum auf, anfangs auch nur für Kollektivausdrücke wie „die Einwohnerschaft“ und „die Bürgerschaft“. Bereits zur Zeit des Althochdeutschen, im Frühmittelalter, wurden maskuline Nomen generisch interpretiert: Nachbar, Freund, Feind, Sünder, Pilger meinte Männer wie Frauen.

      ... https://www.g-geschich...

    2. Gabriele Feile
      Gabriele Feile · vor 2 Monaten · bearbeitet vor 2 Monaten

      @Dirk Liesemer Danke für den Tipp. Es gab also schon einmal weibliche Formen, das ist kein Novum. Warum sind diese wohl verlorengegangen?
      Ich glaube, dass sich dieses Thema in seiner Gänze nicht ausschließlich sprachwissenschaftlich erfassen lässt. Wenn Sprache sich stets an den Zeitgeist anpasst, dann ist das, was jetzt gerade passiert, doch ganz normal. Widerstand ist zwecklos, sozusagen. Stattdessen: Go with the Flow. Und in 300 Jahren erklären das dann Wissenschaftlerinnen ganz sachlich und mit stichhaltigen Argumenten.

    3. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor 2 Monaten

      @Gabriele Feile go with the flow ist ja auch ok... aber es ist schon deutlich zu beobachten, dass viele Befürworter eben keinen flow wollen, also keinen Prozess, sondern einen neuen Status sozusagen verordnen wollen.

    4. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor 2 Monaten

      @Marcus von Jordan meine Rede!

    5. Daniela Becker
      Daniela Becker · vor 2 Monaten

      @Marcus von Jordan Es gibt auch genügend die Gendern verbieten wollen. Mir sind auch schon Zitate, bei denen die Interviewten gegendert hatten nachträglich verändert worden.

    6. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor 2 Monaten

      @Daniela Becker natürlich wirklich dumm und auch noch handwerklich Pfusch...

    7. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor 2 Monaten

      @Daniela Becker Ich glaube, da ist man nur bei der taz sehr locker. Wie macht ihr das bei Riffreporter?

    8. Daniela Becker
      Daniela Becker · vor 2 Monaten

      @Dirk Liesemer Es gibt keine Vorschrift, aber die meisten gendern. Es gab eine größere Diskussion darüber, welche Form für die Screenreader am besten zu lesen ist.

    9. Gabriele Feile
      Gabriele Feile · vor 2 Monaten

      @Marcus von Jordan Ist das so? Ich nehme immer nur die wahr, die sich gegen das "Gendern" stellen. Und meistens meinen sie den Gender-Stern u.ä. Noch nie habe ich jemanden sagen hören, er sei gegen die Doppelnennung. Nicht mal Markus Söder.
      Es gibt bisher kein Gesetz, das "Gendern" vorschreibt. Und geplant ist auch keins, oder? Deshalb verstehe ich nicht, wogegen die Gegner wirklich sind. Ich würde es gerne verstehen, bekomme aber keine Antworten darauf. Außer, dass das Gendern anscheinend die Sprache verschandelt. Btw: Letzteres tun Anglizismen und inkorrekte Grammatik auch.

    10. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor 2 Monaten · bearbeitet vor 2 Monaten

      @Gabriele Feile Hallo Gabriele, gegen die Doppelnennung habe ich wenig, auf Dauer nervt sie zwar, weil eine ständige Doppelnennung einfach dazu führt, dass man mehr Text lesen muss. Aber als Höflichkeitsform ist sie in Ordnung. Und auch wenn es nicht alle glauben wollen: Ich habe bei "die Schüler" oder "die Lehrer" immer auch die Schülerinnen und Lehrerinnen gedacht. Etwas anderes wäre mir nie in den Sinn gekommen. Und ich weiß, dass das anderen auch so geht. Ansonsten stört mich vor allem der Genderstern, ich finde solche Texte unlesbar, ich verliere einfach den Spaß am Lesen (ansonsten wäre ich wahrscheinlich Abonnent der taz). Zudem störe ich mich an den Appellen, dass man doch bitte Gendern sollte, weil dadurch die Welt gerechter und besser wird (das ist jetzt nur ein wenig übertrieben). Die Befürworter übersehen, wie entscheidend Kontexte sind, um einzelne Worte zu verstehen. Man kann sagen: Nicht nur Sprache prägt die Welt, die Welt prägt auch die Sprache. Oder so ausgedrückt: Unser Verständnis von Begriffen ist immer auch abhängig davon, wie wir die Welt erleben und verarbeiten. Wir haben im Kopf mentale Raster, gewissermaßen eine Art Brille, mit der wir Texte lesen. Ich glaube, dass deshalb auch so viel über Begriffe und Wortbedeutungen gestritten wird. Und noch was: Während einzelne Worte durchaus politisch geprägt sein können (einige wenige sicher insbesondere von Männern, andere aber auch von Frauen), verhält sich das bei der Grammatik anders (siehe dazu das Interview mit dem Sprachhistoriker Helmut Weiß). Schließlich zu den von Dir angesprochenen Anglizismen: Die stören mich eigentlich wenig, vor allem, wenn sie gezielt eingesetzt werden, und dies gilt natürlich auch für andere Fremdworte. Fehlerhafte Grammatik und Rechtschreibfehler stören mich hingegen ziemlich - abgesehen mal Feridun Zaimoğlus Büchern, wo die fehlerhafte Grammatik des Kanak Sprak ganz wunderbar ist. Ich hoffe, das beantwortet Deine Frage, Dirk

    11. Gabriele Feile
      Gabriele Feile · vor 2 Monaten

      @Dirk Liesemer Vielen Dank, Dirk. Ja, das bringt ein wenig Licht ins Dunkel. Stören dich der Doppelpunkt oder das Binnen-I genauso? Und wie ist es mit dem konsequenten Nutzen des generischen Femininums? Wie wirkt das?

    12. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor 2 Monaten

      @Gabriele Feile Den Doppelpunkt finde ich grafisch deutlich dezenter und damit angenehmer, aber will man wirklich ein konsequentes generisches Femininum, es würde auch bedeuten, zehntausende zusammengesetze Worten umschreiben zu müssen, Bürgerinnensteig und so weiter - klar, kann man versuchen, nur tendiert Sprache wie so vieles andere zur Abschleifung; mit anderen Worten: Aus sprachökonomischen Gründen wäre man irgendwann wieder beim Bürgersteig, weil halt einfach kürzer. Und was ich auch immer noch im Kopf habe: Sollte man nicht eine Sprache möglichst klar halten, so dass sie auch von Ausländern leicht gelernt werden kann? Wobei die deutsche Sprache ja ohnehin nicht die leichteste ist.

    13. Gabriele Feile
      Gabriele Feile · vor 2 Monaten

      @Dirk Liesemer Hier bei uns heißt das: Gehweg. Oder Trottoir. ;-).

    14. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor 2 Monaten

      @Gabriele Feile Dann braucht man ja da mal nicht drüber zu streiten ;-)

    15. Christoph Weigel
      Christoph Weigel · vor 2 Monaten

      @Gabriele Feile ich bin nicht dirk, will aber doch auf die erste deiner drei fragen antworten.

      doppelpunkt
      stört mich nicht beim lesen, fühlt sich innerhalb eines wortes aber stets etwas schräg an, da er für mich einen übergang zu wörtlicher rede anzeigt oder auf die besondere bedeutung des folgenden wortes/satzteils weist.

      binnen-I
      ist ok, aber blöderweise machen die meisten sans-serif schriftarten keinen leicht lesbaren unterschied zwischen I (i gross) und l (L klein). ansonsten sind binnen-kapitale (kapitelle? 🤔) besser als gedankenstriche (viertel-geviertstriche) geeignet, ellenlange zusammengesetzte hauptwörter visuell zu gliedern (DonauDampfSchiffFahrts...)

      gender st*rnchen
      nervt beim lesen und lässt mich nicht mehr unbefangen wörter/worte "unleserlich" verständlich machen (sh*t, f*ck).

      interpunct/middle dot (·)
      ist visuell unauffällig und lässt sich, anders als die ☝️ genannten varianten, als mikro-pause ganz zwanglos aussprechen (wie im radio/TV zu👂). ist im deutschen – anders als im katalanischen – auch nicht mit einer besonderen bedeutung "belegt". voilá:"liebe leser·innen..."

    16. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor 2 Monaten

      @Gabriele Feile ja das stimmt Gabriele...die Empörung über das Gendern ist lauter als die Forderung zu gendern. Und bisweilen mindestens lächerlich aufgeregt. Warum ist das so?

      Ich denke nur weil es keine Gesetzesinitiative gibt, heißt es ja aber nicht, dass nicht auf anderem Wege sehr machtvoll und vergleichsweise plötzlich ein neuer Standard gesetzt wird. Wie so sehr oft mittlerweile, drücken vergleichsweise kleine Gruppen sehr schnell neue "Regeln" durch, bzw prägen die gesamte Debatte mit relativ extremen Positionen, die eigentlich aber von einer Mehrheit gar nicht gewollt werden. Da kann man diese Diskussion sicherlich auch im Kontext mit der ganzen Debatte um Woke und PC sehen. Und die im Detail geäußerte Kritik oder eben Empörung als den Frust der breiten Mitte, die sich übergangen fühlt.
      Talking about Frust - es ist vielleicht auch der Frust darüber mit welcher Inbrunst und Energie diese Kampf um sprachliche Veränderung geführt wird und gleichzeitig geht so vieles anderes den Bach runter. Ich habe da immer das Bild einer streitenden Familie vor mir, die nicht merkt, dass das Haus um sie rum abbrennt. Ja das ist whataboutism, aber der ist auch nicht immer falsch oder?

    17. Gabriele Feile
      Gabriele Feile · vor 2 Monaten

      @Marcus von Jordan Ja, Markus whataboutism muss nicht immer falsch sein. Vor allem, wenn man es so betrachtet, dass alles mit allem zusammenhängt. Kürzlich sagte jemand zu mir: Themen wie "Gendern" sind Nebenschauplätze, die bewusst oder unbewusst auch dazu dienen, die Menschen von wichtigen Themen abzulenken.
      Ich denke weiter: Beschäftigen sich Menschen selbst und persönlich so extrem mit dieser Art von Themen, um sich nicht mit den großen Problemen auseinandersetzen zu müssen? Weil die Angst vor echter Veränderung einfach zu groß ist? Und weil es bequemer ist, von anderen Veränderung zu verlangen, als von sich selbst?

      Um ehrlich zu sein: Wir tun es hier ja auch!

      Ja, es stimmt: Die Energie, mit der gestritten wird, wäre woanders bestimmt effektiver eingesetzt.

Bleib immer informiert! Hier gibt's den Kanal Medien und Gesellschaft als Newsletter.

Abonnieren

Deine Hörempfehlungen
direkt aufs Handy!

Einfach die Hörempfehlungen unserer KuratorInnen als Feed in deinem Podcatcher abonnieren. Fertig ist das Ohrenglück!

Öffne deinen Podcast Feed in AntennaPod:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Apple Podcasts:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Downcast:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Instacast:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Apple Podcasts:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Podgrasp:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Bitte kopiere die URL und füge sie in deine
Podcast- oder RSS-APP ein.

Wenn du fertig bist,
kannst du das Fenster schließen.

Link wurde in die Zwischenablage kopiert.

Öffne deinen Podcast Feed in gpodder.net:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Pocket Casts:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.