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Ist die "Querdenken-Bewegung" massenkompatibel?

Gabriel Koraus

•Ausbildung als Sinologe und Religionswissenschaftler
•Arbeit in der Outdoorbranche mit Fokus auf soziale Nachhaltigkeit und ökologische Verantwortung in globalen Lieferketten

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Gabriel KorausFreitag, 30.04.2021

Eigentlich ist dieses Thema zu komplex, als dass der Verweis auf einen einzelnen  Artikel ihm gerecht werden würde. 

Nichtsdestotrotz ist der gepiqde Artikel einer der ersten, die auf meinem Radar erschienen sind, welcher sich mit dem prinzipiellen "Mobilisierungspotenzial" dieser Bewegung (ich weiß, ob es eine ist, ist strittig) auf empirischer Basis auseinandersetzt. Dabei geht es eben nicht darum, wer tatsächlich mitzulaufen und aktiv zu werden bereit ist, sondern wer sich grundsätzlich mit den Zielvorstellungen und Anliegen von "Querdenken" identifizieren kann. 

Es geht um die gesamtgesellschaftliche Anschlussfähigkeit, um die eventuelle Entwicklung eines neuen Konsens abseits bisher konventioneller Deutungsrahmen. 

Nun ist die Zustimmung zu einem oder mehreren Forderungen und Kritikpunkten bzw. zu einzelnen Überzeugungen, welche im "Querdenker-Milieu" propagiert werden, ja nicht zwingend ein Ausweis kompletter Anschlussfähigkeit. Aber es gibt schon einen gewissen Aufschluss darüber, welches Gesinnungsklima sich im Kontext der Debatte über die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung entwickelt. Auch innerhalb eines so heterogenen Aktionsfeldes lassen sich eben gewisse Leitlinien und Paradigmen isolieren, die ein Verweis auf bestimmte grundsätzliche Überzeugungsparameter in der Gesellschaft sein können. 

Hier ein paar wesentliche take-aways: 

- "In unserer Studie zeigt sich, dass jeder zehnte Befragte bereit wäre, sich an den Protesten zu beteiligen und jeder fünfte viel oder sehr viel Verständnis für die Proteste hat. Darüber hinaus gibt es weitere 20 Prozent, die zumindest etwas Verständnis für die Proteste mitbringen. Das heißt, auch wenn der Großteil der Bevölkerung die Maßnahmen der Regierung unterstützt, gibt es doch eine Minderheit, die nicht zu unterschätzen ist und die zum Protest gegen die Maßnahmen bereit wäre."

-" Die extremen Ränder sind definitiv überrepräsentiert. Wenn man sich die parteipolitische Aufteilung der Protestversteher anschaut, dann sind die Anhänger der AfD überrepräsentiert und machen gute 25 Prozent der Protestversteher aus. Auch Menschen, die der FDP und der Linken nahestehen, zeigen ein größeres Verständnis für die Proteste. Nominell besteht aber die größte Gruppe, die Verständnis für die Corona-Proteste hat, aus denjenigen, die sich selbst zur politischen Mitte zählen, jedoch keiner etablierten Partei zugehörig fühlen. Diese  „derepräsentierte Mitte“ macht einen erheblichen Teil der Protestversteher aus."

- "Dabei schwingt oft die Infragestellung unserer normativen Ordnung mit, und teilweise wird auch komplett geleugnet, dass die Pandemie überhaupt existiert. Was tatsächlich in den Protesten wenig vertreten ist, sind spezifische Forderungen, also zum Beispiel in Bezug auf die Gastronomie oder Bildung."

- "Verschwörungstheorien gelten als sogenannte Radikalisierungsbeschleuniger. Sie wirken als Katalysatoren, die dazu führen, dass Leute noch schneller abgehängt werden. Nicht nur politisch, sondern oft auch durch eine Abkapselung von ihrem sozialen Umfeld. (...) Jeder siebte Befragte, der Verständnis für die Corona-Proteste hat, glaubt auch an zentrale Verschwörungstheorien, die oft aus der „neuen Rechten“ kommen." 

Generell ist eine verstärkte Polarisierung in der Debatte zu beobachten (wo eigentlich gerade nicht?). Diese kommt exemplarisch auf der einen Seite durch die zunehmenden Gewaltausbrüchen gegen Journalist:innen und Poplizist:innen während der Demonstrationen und auf der anderen Seite in der kompromisslosen Ablehnung der Anliegen der "Querdenken-Bewegung" durch breite Teile der deutschen Öffentlichkeit zum Ausdruck. Hier ist von "Generalopposition" auf beiden Seiten die Rede. 

Ich denke, dass in der Diskussion insgesamt von vielen ein Fehler begangen wird, der bereits im Umgang mit der AFD zu beobachten war: die einseitige Kategorisierung der Devianten als "Nazis" oder "Rechtsextreme". Es sind eben diese Stigmatisierungen und pejorativen Klassifikationen, welche zur Eskalation der Diskursdynamik und dem Verlust der Sachlichkeit führen. Und welche die Konsolidierung der Bewegung vorantreibt, sowie es deren Anhänger:innen ermöglicht, sich gegen die Kritik an Ihrem Überzeugungshandeln effektiv zu immunisieren. 

Ist die "Querdenken-Bewegung" massenkompatibel?

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Kommentare 1
  1. Gabriel Koraus
    Gabriel Koraus · vor 2 Monaten

    Natürlich sind die Forscher:innen alles andere als neutral, so ist der Hinweis auf die "extremen Ränder" - fast schon witzigerweise - der Verweis auf Anhänger:innen von AFD, FDP und Linken....

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